Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1884)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1884-11-13
- Page
- 723 (sequence 2)
- Language
- German
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723 gegen sich den Widerstreit aller mitkonknrrircnden Genossen. Und Ein Mittel giebt cs gegen die uncrjättliche Habgier, und das ist Berlrancn auf Gott. Nur wer selbst sein und der Reinigen Geschick bauen $11 müssen und bauen zu können vermeint, dessen Hab-- sucht kennt keine natürlichen Grenzen. Jeder neue Erwerb, meint er, gewährt ihm eine längere Sicherheit gegen Mangel, und hat er für sich ausgcsorgt, so erwirbt er für Kinder und Enkel und Enkelkinder in unbegrenzte Zukunft hin. Wer aber auf Gott vertraut, wer der Zuversicht lebt, das; Gottes Wohlgefallen allein es ist, das unser und der Unsrigcn Geschick sicher stellt, der will auch mit seinem Besitzcsstreben nur seine Pflicht thnu, und was Gott ihn auf diesem Pflichttreuen Wege erringen läßt, daran findet er sein Genüge. * XXIV. Umgang mit Groszen. Der Menschen Freigebigkeit öffnet ihm Wege, Und führt ihn vor Große. (16, 1(;.) Sichst du einen Mann tüchtig in seinem Fache, der stellt sich selbst vor Könige, Der braucht sich nicht erst den im Schatten Stehenden vorzustellcn. (22, 29.) Thnc dich nicht hervor vor einem König, Und wo Große stehen, stelle dich nicht. Besser man jagt dir: komm herauf hierher, Als daß man dich wieder hinnnterwirft vor dem Geadelten, den schon deine Augen gesehen. (2h, (>. 7.) Biele suchen eines Herrschers Angesicht, Und geht doch von Gott das Geschick eines Menschen aus. (29, 2(1) Wenn du zu Gast sitzest bei einem -Herrscher, Begreife wohl was vor dir ist. Lege das Messer an deinen Mund, Wenn du ein lüsterner Mensch bist. Gelüste nicht nach seinen Leckerbissen, Es ist doch nicht aufrichtig gemeintes Mahl. (23,1—3.) Kein allzugünstigcs Borurtheil pflegen unsere Sprüche hinsichtlich der Beziehung gewöhnlicher Menschen zn den gesellschaftlich Höhergestellten, die :nan die Großen nennt. Sic meinen, daß nicht immer persönliche Würdigkeit, daß sehr oft nur Freigebigkeit gegen die Umgebung der Großen dazugehört, um sich den! Weg zum Zutritt zu ihnen zu bahnen. Wer etwas Tüchtiges in seinen! Fache zu leisten vermag und leistet, dem freilich bahnt seine persönliche Tüchtigkeit selbst den Weg^zu dem Angesicht von Fürsten und bedarf der nicht der vermittelnden Gunst der Niedern. Allein eS rathcn unsere Sprüche, überall nicht die Nähe von Fürsten und Großen zu suchen, vor Allem nicht sich in ihre Nähe zu drängen. Es ist viel wohlthncndcr, bescheiden zurnckzusteheu, daß man dich frage, warum du so zurückbleibst und nicht hinaufkommst, als daß, wenn cs dir wirtlich gelungen, in die Nähe eines Großen zu konunen, inan dir doch zu verstehen gebe, du gehörst doch eigentlich nicht hin. Wohl betrachten cs Biele als ein erstrebungswürdiges Glück, sich der Bekanntschaft und Gunst eines -Hochgestellten erfreuen zu können, und lassen außer Auge, daß ihr eigentliches Geschick in Gottes -Händen ruht. In eigenthnmlichcr 'Weise meinen unsere Sprüche, selbst wenn du das Glück hättest, an der Tafel eines Großen als Gast zu sitzen, thütcst du am Gcschcidtcstcn, wenig oder nichts von seinen Leckerbissen zu kosten, und statt mit dem Messer in den Braten zn schneiden, lieber deinen Mund zu schließen und die Lnsl dir vcrgehen zu lassen. Sitzest du bei einem Freunde zn Gast, so fühlt er sich durch deine Gegenwart geehrt und erfreut. Ladet dich aber ein Großer zu seiner ' Tafel, so meint er Wunder, welche Ehre er dir antbnt und wie du dich an den dir sonst nicht zugänglichen Leckerbissen gütlich Ihm! werdest. Das denkt er, wenn er auch so höflich ist, cs dir nicht zu sagen. Du aber ntögcst es begreifen und bedenken und darnach dein Bcrhalten entrichten. <Jonsepu,1g folgt.) Zur GrjWic der Iiidcil in Mlkltiiliiirg. Unter Benutzung des Douath'schell Werkes.) (Fortsevung. - Jlttde» in Krakow und Güstrow und ihr Martyrium. Der sinnlose WahndcS Mittelalters, welcher die Inden der Schändung geweihter -Hostien beschuldigte und in den Zeiten des finstern Aberglaubens überall die Nunde machte, wo Juden unter Ehristc!! wohnten und von ersteren blutige Opser sorderlc — fand auch in Mecklenburg Eingang und Antlang. Dreimal wurden hier im Lause von I hl Jahren diesem schändlichen j Aberwitze graitcuvolle Altäre errichtet, die so viele i unschuldige Menschenleben verschlangen; brcimal hatten | sich in dieser Zeit hier bethörte Fürsten, einer fana-! tischen und raubsüchtigm Menge, vor Allem aber einem i habsüchtigen und verkommenen Klerus Gehör gebend, an dem gräßlichen Schauspiele des jüdischen Autodafn I geweidet. j Der Glaube an wundcrthätige Hostien war den j Gemüt Hern, sobald das Ehristcnthnm in Mecklenburg! Wurzel gefaßt, eingcimpft. 1201 hatte ein Hirt vom; Abendmahlc eine solche -Hostie mit nach Hause gej nommcn und sic in׳ seinem Hirtcnstabe bewahrt, cS soll