Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1884)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1884-11-06
- Page
- 718 (sequence 2)
- Language
- German
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718 elften Morgengrauen die bewaffnete Macht in (befolge non Leiterwagen. Man riß die Inden ans den Betten, achtete nicht des Jammers der Frauen und Kinder, raffte die Habseligkeiten der Juden;nfanunen, warf sie auf die Wagen und führte die׳ armen Menschen mit ihrem bescheidenen hinaus über die Dorf- . grenze und überließ es ihnen, sich ans dem freien; Felde häuslich mederznlassen. Nicht eine fremde Solbatcc'ta verübte solche Unthat, --- was sage ich, Uuthat? war es fa nur die gesetzmäßige Ausführung des ge-! messenen Befehls der eigenen Dbrigkeit. Dringt nicht der Jam nt er der also brutal vernichteten Existenzen zu! den Herzen der Machthaber oder regt sich kein Gefühl des Rechts, der Menschlichkeit in ihrem Busen? Leben wir unter Barbaren oder zivilisirten Menschen?! Frankreich.! * Nancy. Das Hülsskomitee, welches sich zu Gunsten der russischen Juden 188-' unter dem Borsitze des Herrn E. Lambert hier gebildet hatte, hat seine Thätigkeit abgeschlossen und Bericht darüber veröffentlicht. Bon der 1.478<t Fr. betragenden Totaksumme wurden 18 2l?iFr. (15 tHeils an das Zentralhülss- Komitee unter dem Vorsitze des Herrn Alphonse von No t h s ch i! d, theils dem Zentral-Komitee der ,.Alliance" zngcschickt. Der Nest, nach Abzug der Unionen, wurde zur Unterstützung für die russischen Flüchtlinge, die Rauch passirten, ausbewahrt und auch allmählich bis aus 4'.» Fr., die gleiche Bcrwendung haben werden, aufgebraucht. Ki'ulierslljlUl. Sir Nloseis dNoutcfiore, Ein Lebensbild, zum Andenken an die Vollendung seines hundertsten Lebensjahres, aus dem Englischen des Mr. Israel Davis ui's Deutsche übersetzt non Di׳. Joses Fiebermann. Fraulsurt a. M. 1884. Selbstverlag des Uebersetzcrs. Diese Schrift enthält eine Fülle interessanter und bcmerkenswerther Daten aus dem Leben des gefeierten und allverehrten Greises; aber es ist zu bedauern, daß der Verfasser es nicht verstanden hat, das Wesen, das Schassen und Streben MontesioreS zu einem lebendigen Bilde zu gestalten. Ein Lebens- und Karakterbild dieses ehrwürdigen hochherzigen Mannes wäre in der That eine äußerst willkommene Gabe zu dem Jubelfeste, gewesen, welches die gesammte Judenheit und mit ihr alle Edlen der Menschheit am 8. Marcheschwan d. I. gefeiert. Dem Verfasser fehlt es aber an der rechten Auffassung und dem Darstellungsgeschicke. Er schweift in. seinem Werkchen von seiner eigentlichen Aufgabe fortwährend ab und ergeht sich in Schilderungen und Reflexionen, die nur in einem losen Zusammenhänge zu seinem Thema stehen. Wir haben alles?ludere, nur kein ״Lebensbild" Sir Moses Montesiorc's vor uns. Es ist sehr zu bedauern, daß der gewandte Herr Ucbersetzcr es nicht vorgezogen hat, statt einer liebersetznng der Davis'schen Schrift eine Umarbeitung der selben zu einem solchen vorzunehmen. Er hätte sich dadurch den Dank nicht nur des deutschen Publikums, sondern der weitesten Kreise verdient. X. Mikikismus und )udcnilium. Bon Friedrich Not t. '־Jllli־ :Halite ro!׳M)rtUeu.) ׳Fortsetzung.'׳ Die hochgeborne Dame wähnte, der Respekt vor dem hochgeborenen Zögling halte den Ausdruck der Zärtlichkeit des uiedriggeboreucn Hofmeisters in Schranken. Wenig kannte sie den Mann, der seit drei Jahren in ihrem Hanse weilte und den sie in Wirklichkcit hoch schützte. Schweigend schritten die jungen Männer neben einander her, den Weg zur Düne hinan, und beide athmeten in tiefen Zügen die frische erquickende Seeluft ciit. Jetzt hatten sie die Spitze der Düne erreicht. Das brausende schäumende Meer lag vor ihnen, aus den Wellen glitzerte und funkelte es in fcltfantcni Glanz, wie von Millionen Sternen. Ein Ausruf des ErstauncnS entfuhr Lewinski's Lippen. ״Wunderbar! zauberhast schön! sollte man nicht schwören, der sterubesäete Himmel erglänze aus dem Meere uns entgegen?" Herzkom lachte laut auf, es war ein bitteres hohnvolles Lachen. ..Gut gebrüllt, Löwe! schwören Sie, schwören Sie. warum denn nicht? was ist ein Schwur? — Schauen Sie empor zum Firmament, es ist schwarz und Sie wähnen, sein Glan; strahle wieder ans dein leuchtenden Meere! Kennen Sie die Sterne, die dort flimmern? Faulender Seetang ist's und Miriadcn phoSphorcjzircnder Thierkörper der niedrigsten Art —" ״Die leuchtende See," fuhr er wie trännterisch und doch mit unendlicher Bitterkeit fort, ״die leuchtende See ist das tresfcnstc Bild unserer Zeit. Wo es am hellsten strahlt, ist'S am faulsten, und unsere Herren, unsere Sterne — phosphoreszirendc Larven sind es — die Schlagworte unserer Zeit, Freiheit, Huntanität u. s. w. n. s. w., wer glaubt an sie? wer sie proklamirt, hat nur den eigenen Vortheil im Auge. Egoismus ist das einzig wahre Wort, alles Uebrige ist Lug, ist Trug! —" ״Sie übertreiben," fiel Lewinski ein, ״mag auch nicht Alles Gold sein, was erglänzt, unser Zeitalter ist mild und warmherzig. Wann sahen Sie z. B. je