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Jeschurun · 1884-11-06 · Heft 45 (6.11.1884) · p. 717

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 45 (6.11.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Neutra [Nachricht]
Date
1884-11-06
Page
717 (sequence 2)
Language
German
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vom Kantor mit Ehorbeglcitnng vorgetragcn. Den - Beschluß bildete der ebenfalls vom (51)01 jcfiutbirtc I Bortrag des vom londoner ST bcrrabbincr verfaßten j Gebetes durch den .Kantor. - Mögen die Tausende; inbrünstiger Gebete, die gestern für den großen Philan - , tropen 511m •\רimmcl stiegen, in Erfüllung gehen! j A. Presrburg, 28. Oktober. 311 Ungelegen heit ן der im Borjahre in Magharbvl lPrcßburger Al omitot); statt gehabten Jndcnkrawallc sand gestern, 27. d. BUS.,; vor dem Prcßbnrger König!. (Gericht Sh ose die Schluß- > Verhandlung statt, welcher nenn Angeklagte zu Kerker-! strafen von l bis Monaten vernrtheilte. Ein An- . geklagter wurde freigesprochcn. Gegen einen Auge-! klagten, welcher derzeit Soldat ist, und ein anderes; Jndividnnm, welches zur Berhandlnng nicht erschienen! war, wurde ein neuerlicher Termin anbcramnt. England. £ London, 28. Oktober. Wie allgemein er wartet worden, nahm die Feier der Bollendung des hundertsten Lebensjahres Sir Moscs Montcsiore'S einen überaus großartigen Karaktcr an. Eine Unmenge Telegrammc und Briese anS aller Herren Vänder wurden dem greisen Jubilar gesandt. Auch die gesammtc englische Presse nahm Antheil an dem seltenen Feste. In sämmllichcn Synagogen wurde ein Festgottcsdienst gehalten. — Montesrore selbst erfreute sich an seinem Jubcltagc des besten Wohlseins. Wenngleich 'sein Alter ihm nicht erlaubte, den ihm zu Ehren gegebenen Hauptfestlichkeiten beiznwohncn, so empfing er doch die Depntation der londoner jüdischen Gemeinde, sowie die städtischen Deputationen. Der Eindruck, welchen sein Wohlbesiudcn ans die Empfangenen machte, war ein vorzüglicher. -- Namsgatc selbst hatte ein Festgewaud angelegt, seinen großen Bürger würdig zu f-icrn. Der ganze Ort prangte im Flaggen- und Gnirlai! den schmuck. Ein allgemeiner Fackelzng, sowie eine Illumination der Stadt bildete den Schluß des Festtages, der auch insofern ein solcher zu nennen war, als die Geschäfte RamsgalcS geschlossen waren. Rumänien.!» Jassy, 2. November. Wie sehr die brutale Maßregelung der jüdischen Bevölkerung dem Vaubc schwere Wunden schlagt und der Judenhaß in dem Inden den Rumänen trifft, legt für jeden unbefangen Unheilendcn der traurige Mißerfolg dar, welchen die hiesige Judustrieausslellnng anfznwcisen hat. Dieselbe sollte ein Bild von dem rnntänis.lcn Gewerbcfleiße gewähren, aber rumänischer Gewcrbefteiß ohne Juden ist eben ein mißliches Ding, und in wahrhaft nnglaublichcr Kurzsichtigkeit hatte mau der jüdisch-rumänischen Arbeit schnöde die Hallen der Ausstellung verschlossen. Etwas Kläglicheres, als was dieselbe nun bietet, kann man sich kaum vorstcllen. Die Ausstellung macht den Eindruck eines auSrangirten WaarenlagcrS, dessen In« Haber bankerutt geworden, nachdem er alles nur einigermaßen Werthvolle zu Geldc gemacht und seinen Gläubigern nur alte Vagerhüter, die selbst zu Schleuderpreisen Niemand mag, hiuterlassen. Aber das thnt nichts, die Ausstellung ist doch nicht von jüdischen Händen cntweiht und man kann doch der Welt auch scrncrhiu die Fabel auftijchen, daß der rumänische Jude nur Schacher und Wucher betreibe, —- Beweis: die große GewerbeanSstellung zu Jassy, an welcher kein einziger Jude sich bcthciligte. — Es dämntcrt jedoch in manchen Kreisen das Bewußtsein, nicht dcS gegen Inden verübten Unrechts, sondern der begangenen Thorhcit, und man ärgert sich, nicht über sich selbst, sondern nur über die Inden, die leider so gewerbsfleißig und gewerbs-! kundig sind, daß eine GcwcrbcanSstcllimg in Rumänien unter AnSschlns; der Inden geradezu als eine Unmöglichfeit erschienen ist. Man wurde sich vielleicht nicht schämen, wenn man so ganz unter sich wäre; sich aber in solcher Weise auch den Blicken der gebildeten Westeuropäer bloßgestellt zu haben, das schmerzt. -׳/- Bukarest, 4u. Oktober. Zur Illustration unserer Berhältnisse und der eigenthümlichcn Handhabnng der Gesetze mag der folgende in der ״Fraternitatc״ mitgetheiltc Borsall recht geeignet sein. In dein Dorse Msiklischcni, in welchem die wenigen jüdischen Einwohner in nngclrübtem Frieden mit den christlichen Bürgern von jeher wohnen, rief der unerwartet von Oben herabgelangte Befehl, die Inden hätten binnen 24 Stunden den Ort bei Vermeidung zwangsweiser Abschaffung zu verlassen, nicht geringe Bestürzung und Schrecken hervor. Motivirt war dieser humane Ukas durch den angeblichen Schaden, den die Inden ihren Mitbürgern im Dorse durch Händel und Prozeßsucht bereiten sollten. Die guten Vandlcnte erfuhren durch diesen Anstreibnngsbcfehl erst von diesen gräulichen Dingen und versicherten hoch und thcncr, daß die I. den ihre guten Freunde und Nachbarn wären: sic hätten niemals in Unfrieden mit ihnen gelebt: seit zwanzig Jahren Hütte kein Jude irgend; einen Prozeß geführt. Alles vergeblich. Es war eben ein Dekret von Oben gekommen, und die mächtigen Herren müßten doch wohl besser wissen, wie es in Miktischcna bestellt wäre, als die unwissenden Dorfi bewohn er. Da die Inden nicht im Stande waren, , sich an dcmsclbcn Tage vollständig reisefertig zu machen, um den Ort, wo sie geboren worden und gelebt hatten, mit Weib und Kind und Habe ans Nimmerwiedersehen zu verlassen, sie auch vielleicht so einfältig waren, an i eine Zurücknahme oder Modifikation dieses gerechten i und ntilden Dekrets zu glauben, so erschien mit dem

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