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Jeschurun · 1884-11-06 · Heft 45 (6.11.1884) · p. 716

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 45 (6.11.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Aus Galizien [Nachricht]
Date
1884-11-06
Page
716 (sequence 2)
Language
German
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716 machen und die weiteren Schritte zu veranlassen. I Unseren Standpunkt gegenüber der ״Ehcdcrsragc" j glauben wir in einer der letzten Nummern diese- : Blattes genügend dargelcgt zu haben. Wir sind!eine--; ncgS b!mb den wirtlichen Mängeln unserer Ehadorim; gegenüber. Doch dieselben als ..Brutstätten des Elends,! in denen noch heute mehr als die Hülste der jüdischen; Jugend Galiziens geistig und körperlich verkrüppelt und; arbeitsunfähig gcniadjt wird," oder als ..Folterkammern" , zu bezeichnen, dünkt nnS zum Mindesten etwasehr übertrieben. Wohl mag cd, wie auch umcr den nicht׳.; jüdischen Schulen, manche Ehadorim geben, welche in hygienischer Beziehung nichts weniger als ein Musteri bild zu bezeichnen sind, wohl mag cs Ehadorim geben, in welcher keine besonders gute, nach den Regeln der Padagogik gchandhabtc Disziplin vorhanden ist, doch können wir cs nicht gelten lassen, wenn Herr Dr. Fried!ändcr alle Ehadorim über einen Kamm schecrt und sich folgenderinaszen ausspricht: ״Mit dem vierten, spätestens mit dem fünften Lebensjahre wird das Kind in diese Folterkammer geschickt, rvo cs durch zehn Stunden täglich und darüber in einer jeder Beschreibung spottendcn Atmosphäre fortwährend mi! einem und demselben Gegenstände gewartet wird. An einem engen, schmutzigen, von einer dicken Vuft erfülltem Raume sitzen und stehen *>(>80—־ Kinder, welche in vier Gruppen getheilt fiub, deren jede von einem Melamed bearbeitet wird. Ein heilloses wüstes Geschrei erfüllt den Raum. Vchrer und Schüler, biclen denselben trostlosen Anblick der Verwahrlosung dar. Beide in abgerissenen Kleidern und faü durchgehendbarfuß. Die Lehrer sind mit Blöcken und Pfeifen bewaffnet, betäuben das Ohr mit ihrem Gekreisch und erfüllen den Raum mit Ranchwölken. In der angrrnzcnden rauchigen und finstern Küche sitzt eine Schaar Mädchen im zartesten Alter beim hebräischen Unterrichte. In der Küche ist nämlich die Mädchenschule." )lach dieser Schilderung und beut schon oben erwähnten Passus niüßtcn die heutigen galizischen Inden nicht allein sammt und sonders verkrüppclt und arbeitsunfähig, sondern auch vollständig geistig verkommen sein. Dem ist nun Gottlob noch nicht der Fall. WaS ferner die Schilderung der Schulen selbst und deS Lebens in denselben betrifft, so fragen wir -Herrn l)!׳. Friedländcr. ob er sännntlichc Ehadorim in Augenschein genommen: sodann geben wir ihn! zu bedenken, ob sich ähnliche Zustände nicht auch in den allgemeinen Volksschulen sinden, ob daselbstz. B. die Handhabung des Stockes ganz außer Mode gekommen ist: trotzdem aber hat cS noch Niemand ge wagt, in solcher ׳Weise ein Verdikt über sämmtlichc Volksschulen Galiziens zu fällen. — Nicht blind sein, gegenüber den vorhandenen Schäden, ist auch unser Wahkjpruch - doch die vorhandenen Mängel ansnahmst os anwendcn zu wollen, dünkt nnS etwas zu weitgehend.!>. IZ. Neutra, m2S. Oktober. Es ist ein hohes Vergnügen, nach )Naßgabe seines bescheidenen VermögcnS zur Würdigung des wahren Verdienstes beitragen zu können. Dieses wahre Verdienst aber erblicke ich bei Männern, welche plS opferfreudige Ringer für ein cdlcS Ideal sich einen LebenSpfad gewählt haben, auf welchem eS wohl Dornen und mühevoll zu überwindende Hemmnisse ohne Zahl, aber keine goldenen Meilcnzeigcr gicbt. Ein solcher Mann ist der vor einigen Monaten in der orthodoxen Gemeinde Szepsi zum Rabbiner gewählte Herr Salamon Beutum, welcher eine lange Reihe von Jahren als Lehrer an der hiesigen .תלמוד תורד, wirkte. Herr Beutum faßle die Bedeutung seines Amtes mit einer mustergültigen Gewissenhaftigkeit und Selbstlosigkeit ans. Oft sänntte er über die vorgeschricbcnc Unterrichtsstunde hinaus im Schnllokalc. um seinen Zöglingen von seinem reichen talmndischen und hebräisch-literarischen Wissen mitthcilen zu können. Es ist selbstredend, daß eine solche Wirksamkeit zahlreiche und bedeutende Erfolge registrircn muß. Herr Bcntnm kann daher auch ans eine stallliche Zahl von Schülern znrückbUcken, die gegenwärtig in zahlreichen Icschiwoth sich des besten Ansehens erfreuen. Herr Beutum hat nun letztvergangcncu Sabbath seine Abschiedsrcdc gehalten, welche auf alle Anwesenden, unter denen sich auch das Nabbinat, der Vorstand und sämmtlichc Fachgelehrte befanden, einen liefen Eindruck hervorrics. Am Sonntag reiste dann der verehrte Herr, von zahlreichen Freunden zur Bahnstation geleitet, von hier ab. Möge seine künftige Stellung ihnr alle jene Annehmlichkeiten bringen, die il)1u seine hiesige nicht geboten, aber auch alle jene Verdienste belohnen, die er sich hier erworben. Schließlich gestatten Sic mir noch, meine Freude darüber zu bezeigen, daß endlich anstatt jener jungen Herren, die heute ans der Tagesordnung sind und die — Gott verzeih mir meine Sünden! —- noch manches leere Plätzchen im eigenen Kopfe auSzufullen hätten, auch einmal ein wahrer ותורת p, ein echter und rechter;למד, der auch ein ansehnliches profanes Wissen besitzt, ' zur Leitung einer Gemeinde gelangt. — Ich will nun noch eine kurze Schilderung der sehr würdigen Art folgen lassen, mit welcher die Montcfivre-Feier gestern hier begangen wurde. Um halb fünf Uhr Abends versammelte sich die Gemeinde zur Anwohnung des FestgotlcSdicnstcS in der großen Synagoge. Nach verrichlctem Minchagcbetc bestieg der Rabbiner die Kanzel und hielt die Festrede, welche er mit einem in kassischcn hebräischen Versen verfaßten Gebete für das fernere lange Leben und Wohl dcS edlen Jubilarbeschloß. Drei zur Gelegenheit passende Psalmen wurden hieraus

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