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Jeschurun · 1884-11-06 · Heft 45 (6.11.1884) · p. 715

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 45 (6.11.1884)
Article
Deutschland : Aus dem Regierungsbezirk Kassel [Nachricht]
Date
1884-11-06
Page
715 (sequence 2)
Language
German
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UäMZttlu 715 besctzung des Kasseler LandrabbinatS, welche Anfangs mit großer Hast und Eile betrieben wurde, scheint in das Stadium der Gleichgültigkeit cingetrctcn zu sein, wenn nicht vielleicht im Stillen ״gearbeitet" und die Welt eines schönen TagcS durch die Nachricht überrascht wird, daß die Frage, wer au der Spitze des Kasseler Bezirkes stehen wird, zu sein anfgchört hat. Bei dcut im Hochsommer in Umlauf gesetzten Gerüchte, daß ein Landrabbiner bereits gewählt und bestätigt sei, scheint demnach ״der Wunsch dcS Gedankens Later gewesen zu sein." — In den zum Provinzialrabbinatc Fulda gehörigen Gemeinden wurde auf Anordnung des VorstchcramtcS der Israeliten zu Fulda zur Feier des hundcrtzährigcn Geburtstages von Sir MoseS Montcfiorc ein FestgotteSdicnst abgehalten, dem die von dem Oberrabbincr Or. Adler in London ausgestellte Liturgie zu Grunde lag. f. Aus Mitteldeutschland. Ich las kürzlich in einer jüdischen Zeitung von der Toleranz imb dem Entgegenkommen, welches die bayerischen Unterrichtsbehörden überhaupt, insbesondere aber gelegentlich eines am שבת stattgesundcncn Abilnricntenexamcn an den Tag gelegt, indem dieselben anordneten, daß für den einen an diesem Tage wegen seines NeligionSgcsetzcS behinderten Israeliten an einem andern Tage in dem betreffenden Fache ein Eramcn anzusetzcn sei. -— Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich zweier ähnlicher Fälle, die sich in Preußen ereignet haben, und insbesondere im Hinblick auf die jüngste Verordnung dcS Kultusministers nicht uninteressant sein dürften. Es war vor fünf Fahren, als ich vor dem Lehrerinnenexamcn stand. Da die schriftliche Prüfung am שבת stattsinden sollte und ich hiervon erst einen Tag vor dem Examen Kunde erhielt, so war cS mir, die ich unter den 24 Aspirantinnen nur eine allerdings schon auf das Schreiben am שבת bereite Glaubensgenvssin hatte, doch möglich, beim Provinzial - Schnlkollcgium dnrchzusetzcn, daß nicht nur die schriftliche, sondern auch die mündliche Prüfung für unS beide Israelitinnen vom Samstag auf Sonntag verlegt wurde. — Nicht so glatt ging eS mir bei meinem zweiten Examen, welches ebenfalls auf ישבת angcsetzt war. Trotz vorher mit dem betreffenden Seminardircktor genommener Rückspräche, erklärte mir derselbe nach endgültiger Festsetzung des TermincS, daß er wegen der ״kuriosen" Ansicht einer Aspirantin unmöglich das ganze Examen- Programm umstoßcn kömte, obwohl noch dazu zwei Lehrer bereit waren, meine Prüfungsfächer ,;u verlegen. ES kam nun noch hinzu, daß dies am Freitag, den 13. Nissan, also einen Tag vor ,122 ערב war; ich mußte also noch am selbigen Vormittage einen PrüfungStcrmin erwirken, nenn ich nicht gezwungen sein wollte, in der mir gänzlich frcmbcu Stadt über פסח zu vcrbleiben. Ich begab mich deshalb auf Rath eines der PrüfungSlehrcr zun! Vorsitzenden der PrüfungSkommissiou, welchem ich die ganze Sachlage auseinandersetzte. Derselbe, damals NegierungSrath, jetzt ein hoher Geistlicher in Berlin willfahrte meinem Gesuche und . ließ durch mich dem Direktor sagen, mir sofort meine; Themata zu geben. \V. Frankfurt a. M , 2. November. Mit , dem heutigen Tage wurde die israelitische Suppenanftalt! wieder eröffnet. AuS dem Berichte über die Wirksamkci! derselben vom Hi. November v. I. bis 26. März d. I. erhellt, daß während dieses Zeitraums 10058 Portionen an Kinder, 1634׳ an Erwachsene, 2203 an Zugereiste imb <>78 an verschämte Arme abgegeben wurden, tvührcnd Kranken und Wöchnerinnen im Verlauf des ganzen Jahres 7747 Portionen in die Wohnungen gesandt wurden. Bis zum l. September d. I. empfing die Anstalt an Beiträgen über 10000 J(>. Auch sei noch erwähnt, daß den die Snppcnanstalt besuchenden Kindern an! Ehanncka ein Fest bereitet wurde. Oefte r r eich-11 ngarn. I\ Wien, 26. Oktober. In Folge Mandatsiliederlcgnug des Abgeordneten von Nhiregyhaza, Julius Somogyi, findet eine Wiederwahl am 10. November statt. Die UnabhängigkeitSpartci wird ihren Kandidatcn am nächsten Sonntag designircn, während die Antisemiten für den Advokaten Karl Hndack zu stimmen beabsichtigen. Die Wahl dürfte stürmisch werden, da die Antisemiten große Anstrengungen zu ntachcn sich auschicken, um am Orte des Tisza-ESzlarcr Prozesses ihren Kandidaten durchznbringcn. " Pratau, 3. November. Gestern Abend durchzogen Hierselbst zahlreiche Haufen von Handwerksgesellen die Grodgasse, den Hauptring und die Vorstadt Kleparz. Auf ein gegebenes Signal der Anführer schlugen sic die Schaufenster, darunter viele thenre Spiegelscheiben! zahlreicher Handlungen, ein, deren Besitzer Juden sind. In einer Wechselstube am Hanptring flog ein durch : dao Fenster geschlenderter großer Stein hart am Haupte; eines dort anwesenden Kunden vorbei, der so durch! Zufall einem großen Unglück entging. Wie unser! Korrespondent hinzusügt, erschien cS ausfallend, daß I die Banden ihren Unfug die lange Strecke von der! Grodgasse bis zur Vorstadt Kleparz ungestört treiben ׳ konnten. Die Polizei hat übrigens später mehrere! Exzcdenten verhaftet.! L. Ans (tznlizien, 31. Oktober. Kürzlich hielt! sich in einzelnen Gemeinden unseres Landes ein Herr! br. Fricdländer aus Wien auf, welcher im Aufj trage der Israelitischen Allianz in Wien sich über! unsere Schulvcrhältnisse informircn wollte, um sodann! eventuell Vorschläge zur Verbesserung derselben zu

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