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Jeschurun · 1884-10-30 · Heft 44 (30.10.1884) · p. 698

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 44 (30.10.1884)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1884-10-30
Page
698 (sequence 2)
Language
German
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698 cifflcufommenfccu jungen feingeffeibeien Herrn mit den ' i*joncn: ״ Juden müssen Pi atz machen" vom Trottoir gefrösten. Lobald der Beleidige sah, dast der Be-!cidigre und ׳eine Gefährten ihn stellen wollten, lief er davon, doch wurde er schließ!ich dingfest gemacht; und mit Hülse eine* Nnänwäcmers aus die Brache gebracht. Ta der bctressende Herr die Angabe seiner : Personalien verweigerte, tour de er solange dort dehalten, dis er seine arte abgegeben, aus tvelcher ersichtlich wurde, dast er ein aktiver *Cfrisier;nur. Ter Beleidigte hat Anzeige über den Vorfall beim General׳- Kommando erstattet. Die Untersuchung über den Fall ist im Gange. V. Z. 5rös!n1, 2 2. Cttobcr. Wie schon in der vorigen Nummer kur; nittgetheilt, fand gestern und vorgestern die Verhandlung wegen der ׳.Acu stet t iner Unruhen vor dein hiesigen Schwurgerichte statt. Angellagt waren Maurergesel! Karl Patzwald, Zieglcrlehrling Kar! P i rs i s ch, Arbcitersohn Alber! Kl a dun de, Lteinsetzer Julius Bicher!. Maurer Friedrich P a tz w alb, Lteinsetzer Anguü Böhnke, s a m m 11 i ch and Nelistettiii, endlich Handelsmann Na atz ans Ltolp. Die Anklage lautete auf LandsriedenSbrnch und richtet sich hauptsächlich gegen den Karl Patzwald sowie Naatz als Hanpträdelssührer. Die Verhandlung selbst bietet wenig Interesse. 13 Zeugen wurden vernommen, deren sänmttliche Aussagen für die Angeklagten belastend waren. Die Angeklagten selbst leugnen. Der Staatsanwalt wicS darauf hin, dast das, was im vorliegenden Falle gegen Juden geschehcn sei, jeden Augenblick gegen Christen geschehen sänne. Cr beaittragie die Bejahung sanuntlicher Schmid fragen bei Karl Patzwald und Naatz als Hanplrädclssichrer; bei den übrigen beantragte er lediglich wegen einfachen Nmdsriedensbrnch. Die Vcrthcidigcr platdirtcn sämmtlicb für ״nichtschnldig". indem sie!Heils daraus lnnwiesen, daß irrthümlich von den Tumultanlen geglaubt sei, der Bürgermeister sei von den Inden verletzt und beleidigt worden,!Heils die allgemein ge׳ reizte Ltimmung gegen die Juden als Veranlassung zu den! betressenden Austritte ansahen. Nach kurzer Debatte z'.vischen Vertheidigern einerseits und Präsident und LlaalSanwatt andererseits, zog sich der Gerichts- Hof zur Berathung über die Fragen zurück. Ter Ltaatsanwalt beantragte bei Karl Patzwald 2 Jahve CHsängnist und 2 Jahre Ehrverlust, bei Pirsisch 3 Monate, bei Naatz 3 Jahre Gesangi!ist und 3 Jahre Chrvevlust, LKttiserner <'> Bkonate l>Ksängnist, bei Friedrich Patzwald und Bichert je t; Wochen Hast und bei Klabnnde und Böhnke Freisprechuitg. TaS Urtheil lautet, für Naatz ntid Kar! Patzwatd wegen guaUstzirten VandsriedensbrnchS unter Annahrne mildernder Umstände ans 3 bezw. 2 Jahre Gesangnist, mit Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft in Höhe von 3 Mo-!taten: den Verlust der Ehrenrechte auözusprechen, sei bei Lage der Lache nicht für angezeigt; für Pirsisch und Bansemer wegen einfachen Landfriedensbruchs auf 6 bezw. ü Monate Gefängnis;, mit Anrechnung erlit-!euer Untersuchungshaft in Höhe von 3 Monaten; für Friedrich Patzwald und Becher! wegen groben Unfugs je <; Wochen Hast; die Strafe ist für die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten; für Klabunde und Böhnke auf Freisprechung. x. Schwerin, 21. Oft. Auf Veranlassung des großherzoglich mecklenburgischen OberlandesrabbinatS wird ■ in sämlntlichen Gemeinden des Landes am hundertj jährigen Geburtstage Lir MoscS Montesiore ein Fest-! gotteSdicnsL stattsinden. ' -o- Frankfurt a. 23. Oktober. Ein wahrhast frommer edler Mann ist aus der Zeitlichkeit geschieden, betrauert und beweint von Unzähligen, denen l er als Netter in der Noth, als Befreier von Sorge - und Kummer erschienen. Herr Isaak Kaufmann, : Begründer und Chef der seinen ׳Namen führenden be-! deutenden Buchhandlung, ist zur ewigen Seligkeit heim-! gegangen im hohen Atter. Die Menschenfreundlichkeit; und gewissenhafte Redlichkeit, welche neben aufrichtiger; Frömmigkeit und stillem bescheidenen Sinn den Grund-! zug seines KaraktcrS bildeten, erwarben ihm das j schwierige aber segenSvolle Llmt eines Almoseniers für! ein hochherziges HanS, welches es liebte, seine reichen Spenden durch die bewährte Hand dieses Edlen der Artnuth znkonnnen zu lassen. So war sein ganzes Leben eine sorlgcjctztc Ucbung der unbegrenzten Menschenliebe, fast ansschliestlieh der ,צ ד קד״ geweiht, der צדקה, von der es heißt, daß sie über den Tod hinaus das Andenken des Gerechten der Vergessenheit entziehe und ihn als einigen Lohn die jenseitige Seligkeit sichert. .ת׳ג׳צ׳ב׳ה. z. Grankfurta. M., 27.Oktober. Anläßlich des hundertjährigen Geburtstages Sir Moses Montefiorc : fand heute in der Neatschnle der israelitischen NcligionS-! gesellschaf! eine sehr erhebende Feier statt. Nachdem'ein Chorgesang dieselbe eingeleilet, hielt Herr Direktor Di.־ ן H! r s di eine begeisterte Ansprache, worin er die Ber-! dienfte Lir 'Moses in humattitürer Beziehung und bc׳ i sonders zu Gunsten unterdrückter und nothlcidendcr! Glaubensgenossen hervorhob und namentlich betonte,! dast er, ein streng orthodoxer Jude, nie Anstand ge-! nommen, diese seine Gcsinnnng bei jeder Gelegenheit! ohne Lehen vor Mißverständniß zu bethätigcn. ES sei l daher unsere Lchnlc, welche den gleichen Prinzipien gej widmet ist, zu dieser Feier in erster Reihe ebenso bej rech!igt, wie verpflichtet. j Anstcrdem hat der Vorstand der israelitischen! NctigisnSgesellschaft eine künstlerisch ausgeführte Adresse

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