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Jeschurun · 1884-10-30 · Heft 44 (30.10.1884) · p. 694

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 44 (30.10.1884)
Article
Zur Geschichte der Juden in Mecklenburg
Date
1884-10-30
Page
694 (sequence 2)
Language
German
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094 ihm brr schon ncnamitc ungeheuerliche Salm bei* ' ^rmtnciiDcviiiftuiifl durch bicjclbni herrschte, dasselbe Schicksal getroffen Ijabc». renn diese schauerliche Sal)1um־ftcUu1»a war ja iibcvall unzer!rem:!ich von dein Erscheinen der ungeheuren Pest. Daß die Inden! damals auch ans Parchini ansgewiesen, ciitncnmen!vir; einer Urkunde des Sladtpfandbnches von l:)55lj>n^. 1 iS), wo Jemand ein <vl* verpfände!. wclches er vom Nach.von den Sohnungen der Inden {dt׳ Jlulacoimu gelaust. Es!)allen also die Inden dieselben räumen müssen und wurden sie von der Stadl in Beschlag genommen. Sir wissen nicht mir Bestimmtheit, ob sich die Bewohner mit jüdischem Blute d.nnals besteck! haben. . Senn die Vermul Hungen des Herrn Arcbivraths 1)r. Beyer, es sei der im Parchim'schen Stadlbnche 141V» genannte I n d c n g a! g e n ";1! Hinrichtungen von Inden benutzt worden, ihre Rich!iglcil lim, so dürsie vielleicht dieses Henlerdentmal den Beweis liefern, dass die Juden in Parchim den furchtbaren Sahn der Brnnnenvergisuing mit ihrem V'ebcn büßen!nutzten. Sährend in W'isniar und :31 oftcuf nach dieser schretlichen Ieit von 1:350 leine Indeu wieder ansgenommen wurden und nur durch die neueste Zeit der Freizügigkeit wohl oder übel daran mnsircn, sie ans׳ znnchmen, war es in Parchim anders; denn eine Urkunde des ׳Siadlpsandbuchs von 13<4 zeigt sie uns wieder daselbst setzhast. Sic bezogen aber nicht ihr altes Ghetto, das sie unter so traurigen Umständm hatten verlassen müssen, denn cs wurde ihnen von der Stadt ein anderer Ort zur 3Ul.derlass.mg angewiesen, der seiner Vage nach nicht näher bekannt ist. Freilich war es nicht Großmnth oder Toleranz, womit die Parchimenser ihr Unrecht wieder gut machen wollten au den nnschnldigeu Inden, bei ruhigcrem Nachdenken, das der gesunde Menschenverstand wieder zulietz, eS war vielmehr nur der größte Eigennutz, der ihnen die Thvre!nieder öffnete; denn die Inden mutzten für die Vujt, die ihnen in ihren! engen (Kätzchen erlaubt war zu arhmcu, und für das Stückchen Erde, das sie wieder bewohnten, schweres Geld zahlen. Den Betrag gicbl unS die erwähnte Urkunde von l:><4 an, derzufolge sie zu Ostern 15 Vü'osche Mark, ebensoviel zu Michaelis, zu entrichten halten. Summen, die nach dem damaligen Geldkurs sehr hoch waren; außerdem aber zu ״Petri Stuhlseier" 122. Februar., gewisse Abgaben (,.ali»juam justiciaur) für alle Stadtlasten, wie für Sachen n. dcrgl.; abgesehen von dem Schutzzoll, den sic auch dem Fürsten zu zahlen hatten. In Parchitn wohnten die Inden, laut urkundlichcm Nachweis (f. Parchimer Stadt buch) bis 14*2, in welchen! Jahre alle Inden ans Mecklenburg verbannt wurden. Machkgestirue. Historische 3tvvelle ans der Feudalzcil Ungarns N011 3■ am ncl B c 1־ thold 310 s 11 cv. - val'Otni 11. He he v jch 11 ■״;>:■ tc-!>t טor 1'cIja11cn - FoNsctzililg.) Das Gericht hatte sich schnell nntcr Beisitz des Pfarrers zusaiumengeslellt und vor dic!em wiederholle Salonion Rahrbach sein dem Fiskal bereits mitt gctheilres Geständnitz — die in ftcttai hcrbeigeführten Brüder bestätigten es. Nachdem dann noch einige ans den Fund der geraubten Gegenstände bezügliche Zeugen vernomnien!varen, beantragte der Fiskal die Fällung des Unheils. Eben hatte der Gerichtsdicner den dickleibigen Uvnmi'.allobq herbeigebracht und die Gerichtsherren schickten sich just an, die Paragraphen über Mrchenraub nachzuschlagen, als draußen eine vernehmbare Bewegung entstand und im nächsten Moment stürzte ein alles Weib von grauenerregenden Acutzeni in den Gerichtssaal. Der Pfarrer begann an! ganzen Veibe zu zittern, und leichcnhaste Blasse bedeckte sein (Gesicht bis zu den Lippen, er hatte in der Alten sein Beichtkind Maron wieder erkannt. Mara die seil jenem Sabbath aus dcnt Städtchen verschwunden war, hatte sich in den wenigen Wochen bis zur Unkennllichkeit verändert. Ihre starke, hohe (Gestalt war znsannnengeschrumpft, das Gesicht war von tiefen zahllosen Runzeln durchfurcht, eingefallen und gelb wie altes Pergament, und die tiesliegenden Augen sprühten wild und nnhci!nlich unter den verwitterten Braunen hervor. Ser hätte je gedacht, datz aus der biedern, reinlichen Matrone eine solche Hexengestalt werden könne! ״Verzeihet mir armer, unglücklicher Herr," rief sic ihrem einstigen Dienstgeber zn, ״ich bin an eurem ganzen Unglücke schuld, aber ich werde wieder gut machen, was ich verdorben habe, ich werde alles gestehen, alles — waS liegt mir an meinem Seelenheil!" — Sie lachte grell ans und wickelte sich dann fröstelnd fester in ihr zerlumptes Titch ein. ״Also, ihr Herren, hütet euch, diese :Neilscheu zu vcrnrthcilen, sofern euch euer Seelenheil wert!) ist, und das ist, glaubt mir, ein großer Schatz — das weis; nur der, wer's einmal so wie ich verloren hat — hi — hi — hi! — Sic sind unschuldig, ich habe das Tuch gestohlen und hab's znm Herrn Pfarrer gelragen — so, jetzt habe ich gejagt, was ich weiß, mag mit mir was immer geschehen." Die Gerichrsherrcn blickten einander betroffen an, | der Pfarrer aber, welcher unterdessen seine Fassung ן wiede rer lau gl hatte, berührte mit einer vielsagenden! Miene seine Stirn mit den! Zeigefinger und der Fiskal

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