Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1884)
- Article
- Gedanken eines Nichtpredigers über die Predigt
- Date
- 1884-10-30
- Page
- 693 (sequence 2)
- Language
- German
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693 Ausgabe bet*. Juden, banmt utmmt die (Gleichgültigkeit dort in!incr erschreckendere Dimensionen an, darum erstirbt immer mehr das jüdische Bewußtsein. Die Kanzel könnte Großes!virkeu, wenn unsere Prediger andere Predigten hielten; )nenn sie mit der Phrase brächen und für das Jndenthnm und die Befolgung des jüdischen Gesetzes Verstand und •w; erweckten. Ich schließe meine kurzen Laienbctrachtungen über die Predigt mit der herzlichen Bitte an die geehrten und gelehrten Herren Prediger, denselben eine gütige Beachtung znwcnderr zu wollen. So wie ich denken sicherlich manche ans der Gemeinde. Wir lassen uns gern belehren und ermahnen, wir suchen Belehrung von unseren Predigern. Gewährt sie uns. Versucht cs doch einmal, 1111$ ernstlich st zu belehren und zu ermahnen und lasset alles Gemachte und Unwahre bei Seite, sowohl in der äußeren Form wie im eigcntlichcn Inhalte. Ihr )vcrdet gewiß die Wahrnehmung!nachen, daß der größere Theil erster Zuhörer diese Reform der modernen Predigt freudig begrüßen wird und ihr durch die Kanzel wirklich religiöses Leben eurer Gemeinden cinhanchen könnt. Jur (Wuchte der Mm ii! IMIntlumj. (Ilutcu Benutzung dcS DvncUh'schcn iSchliks;., Juden in Parchim. Der berühmte Orientalist und Kenner des Nabbinischeu O. G. Thchscu (von!734—1816), Professor in Bützow, hält Parchim für den Mittelpunkt des jüdischen Gclnemwcseiis zur Zeit der ersten Ansiedelung jüdischer Familien in Mecklenburg. Diese berühmte, vortreffliche Stadt, meint er, hätte durch ihren weithin ansgcbreitcten Handel und ihre Pracht*) eine große Anziehungskraft auf die Inden ausgeübt, welche sich von hier ans nicht nur über ganz Mecklenburg, sondern auch über die angrenzenden Länder ausgebrcitct hätten, und sie wäre« zur feierlichen Begehung ihrer hohen Festtage, wie einst nach Jerusalems Tempel, so damals nach dem Tempel zu Parchim gcwa-lsahrtct. Bedauernd die spärliche« und lückenhaften Notizen der Parchim'schcn Chronik von Cordesins (!670) Ln diesem Punkte, trug er sich mit der Hoffnung her«»!, daß dereinst ein Liebhaber der Meckleubnrg'schcn Geschichte anS den Schachten der Registraturen und Archive noch unbekannte Schätze vcrbricftcr Urkunden, betreffend die große alte jüdische Gemeinde zu Parchim, hervvrhoten werde. Aber Pastor *) lieber die Mach! ״ird die Handelsblüthe der Stadl Parchiin;>! jener Zeit, die sie mit den Hansestädten Rostock und Wismar konturriren ließ. Bergt. 4)1׳. M. G. Beyer, Betrachtungen über die Bergangenl-rir n. f. w. der Stadt Parchim, 1330. Clecmann, der im Jahre 1825 zu der Cordesi'schen Chronik Nachträge geliefert, bemerkt in Bezug hierauf, daß er trotz alles Nachsnchens und Forschens nicht viel mehr historisches Material zu genanntem Zwecke gefunden, als Thchsen bereits zu Gebote stand. Was Thchsen Anhalt gab zur Meinung von einer jüdisch Parchim'schcn Großgcmeindc, das waren vor Allen; die 36 Grabsteine, die dem vor dem Kreuzt hör gelegenen jüdischen Friedhöfe— vulgo Judentaifer (fatfev — קבר) im Volksrnnttd korrmnpirt in ״jodekaifscr" — entnommen, zum Anban der St. Marienkirche (!435—1462) und des KrenzthorcS verwendet wurden. Thchsen gab sich mit rühmliche«; Eifer der Enträthselnng der Inschriften hi«, konnte aber, weil die Steine znm großen Theilc tief cingcmaucrt und vcrbauet, thcils die Inschriften anSgesprnngcn, verwischt und unleserlich waren, von denen der Marienkirche nur sieben, und des Krenzthorcs nur zwölf entziffern. Thchsen hat irrthümlicher Weise den ältesten Grabstein znm Träger des Datums!256 gemacht. Der älteste aber, der bis jetzt zu Gesicht gekommen, ist von 1304 und der jüngste von 1346, was aber selbstredend die Möglichkeit nicht ansschließt, daß die uncntzisfcrten und unsichtbaren Epitaphien von weit früher her datiren. Nach Eleemann'S Zengniß (!825) hat man zu seiner Zeit ans dem alten jüdischen Friedhofe, wo sich nunmehr Gartenanlagen auöbreitcn, noch Spuren von solchen Steinen finden können. Was ferner Thchsen eine hohe Meinung von dem Umfange, Neichthum und Einflüsse der jüdischen Gemeinde zu Parchiin beibrachte, war das sogenannte ״TcmpclhanS" oder der ״Tempel", in welchem man die ehemalige Synagoge vermuthct. Wir begegnen zun; ersten Male dem ״Tcmpclhans" in einer Urkunde von 1 503. Es war dieses ein großes, freistehendes, mit alten massiven Gebäuden bebautes Viereck, eine starke Hofanlagc in der Stadt mit viele« Grundstücken, welche die Seite einer ganzen Gasse einnehmen; und wenn wir hier die Synagoge zu suchen haben, so muß sie sehr umfangreich gewesen sein. Sie erhob sich in der Mitte der Judcnstadt (villu .J11<k“0run1), welche jetzt mit den; Namen ״Tempclstraße" belegt ist. Tychsen, der von ihr eine Abbildung gegeben — unter der Ausschrift: ביתהבגסת קבמוניים בפורבים — berichtet von einer seiner Zeit unter den Juden umlaufenden Sage: cS wären an dieser Stelle Gesetzbücher (ספרי ותורה) und andere Kostbarkeiten begraben. Die genannte ״Indenstadl," welche schon in einer Urkunde von 1356 vorkommt, bewohnten die Juden bis 1350. In diesem Jahre, wo sie in Wismar und Rostock ansgetrieben wurden, wird sie auch in Parchim, wo damals nach der schwarze Tod und mit