Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1884)
- Article
- Deutschland : Posen [Nachricht]
- Date
- 1884-10-23
- Page
- 683 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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683 sobald sic länger als sechs Wochen sich im diesseitigen Staatsgebiet aushalten, nach £71, Abs. 2 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 herbeizuführcn. Daß cs gesetzlich zulässig ist, den — fei eff mit oder ohne Genehmigung — als Knltnsbeamte angcsielltcn jüdischen Ausländern, ebenso wie allen anderen, den ferneren Aufenthalt im diesseitigen Staatsgebiet zu untersagen, bezw. dieselben ansznwciscn, sobald sie lästig fallen, bedarf keiner besonderen Hervorhebung." Ich erlaube mir hieran nur die Bemerkung zu knüpfen, daß die jüngste Verfügung deo Herrn Ministers des Unterrichts nnb Kultus in Betreff der Anfertigung von schriftlichen Abiturienten- Arbeiten am Sonnabend sehr dazu angcthan ist, die Inländer von dem Studium abzuhaltcn, da sic befürchten müssen, nicht die Linie des Abituriums passircn zu können. Wir würden deshalb in Zukunft noch mehr als früher in die Lage kommen, nuS Rabbiner und Synagogcnbeamtcn mit akademischer Bildung aus dem Anslande zu verschaffen. Schweiz. ל Langenthal, 14. Oktober. Die Appcllationskammcr des Obergerichts hat die Beschwerde der hicsigen angeklagten lind vernrthciltcn Israeliten Lcvi und Block einstimmig abgewiesen. (Anmerkung der Redaktion: Don einem anderen nuferer Herren Korrcspoudeuten wird uns mitgelhcilt, daß den Angcklagteil nliumehr noch der Beschwerdeweg bei der Bundesbehördc ossenstcht, den sic hoffentlich cinschlagcn werden.) Oesterreich-Ungarn. *||* Pest, 15. Oktober. In dem Adrcßentwurf der UuabhängigkeitSpartei wird u. A. auch anSsprochen, daß die Partei ״Agitationen gegen Nassen, Konfessionen und gesellschaftliche Klaffen verdamme und zwar umsolliehr, als sie die Freiheit und Gleichheit ohne Rücksicht ans die Konfession, Nationalität und Klasse aufrecht erhalte, ja insoferne dieselbe noch nicht in jeder Hinsicht bestände, unter Währung der Zwecke des Staates vcrwirklichen und die Institutionen, welche die Grundlage des Staates bilden, n.ngeschädigt gewahrt wissen wolle." — Weniger erfreulich ist eine Aeußernng des Antiscnliten Baron Andreanszky im ungarischen Abgcordnetcnhanse, welcher die Inden als die Ursache aller Nebel bezcichncte und mit besonderer Emphase von einem ״durch die Inden und das mobile Kapital arrangirten Hexen-SchabbcS" sprach. L. Lemberg, 1׳>. Oktober. So wie wir mit Bangen und Zagen der Enscheidung des Latczacr Mord- Prozesses entgegengcschcn haben, so schauen wir trüb in die Zuknnst, fürchtend die schlimmen Folgen, welche das Urthcil für unsere Gcsammthcit noch haben kann. Die gegnerische Presse frohlockt und benutzt das Verdikt zu den schlimmsten Hetzereien, ja schon im Landtage scheinen unsere Gegner dasselbe für ihre Z'.vccke anSbcntcn zu wollen, denn gestern wurde von! Abgeordneten Merunowitz an den NcgierungSvertrctcr eine Interpellation mit Unterschriften von Abgeordneten, Geistlichen und eines BezirkshauptmannS folgenden Inhalts gerichtet: ״In Erwägung, daß, wie die Krakauer GerichtSverhandlung über den Mord in Lnteza ergeben hat, im Lande von den Juden ans religiösen Motiven ein schreckliches Verbrechen begangen und von ihnen sogar ein Ehrist zur Mitwirkung an dieser Unthat vcrleitet wurde; in Erwägung, daß ein derartiger religiöser Fanatisnms für Andersgläubige auch fernerhin bc- | drohlich sein müsse, möge der NegicrnngSvertrctcr erklären, ob die Regierung nicht geneigt wäre, die Sammlungen religiös-sittlicher Satzungen und lieberlicserungen der Inden, besonders in Beziehung auf rituelles und bürgerliches Recht, einer Revision zu unterziehen, ferner zu untersuchen, inwieweit die Satznngen mit den in Oesterreich geltenden Gesetzen und mit den speziell für die Juden erlassenen Normen im Widerspräche stehen, und ob die Negierung es nicht für nothwendig erachtet, ihr Aufsichtsrccht und ihre Kontrole ans jüdische Institutionen zu dem Zwecke zu erweitern, damit gemeingefährliche Lehren unter den Inden in Zukunft keine Verbeeitnng mehr finden." * Pest, 18. Oktober. Im Abgeordnetcnhansc debntirte heute, wie der ״N. Fr. Pr." tclegraphirt! wird, der katholische Geistliche Ignaz Ziinandy mit j einer Rede, welche selbst in den Reihen der Antisemiten,! zu denen Zimandy gehört, unverkennbar Entsetzen I erregte, die übrigen Mitglieder deS Hauses aber zu stürmischen Protesten vcranlaßte. Dieser Thcil der Sitzung nahm folgenden Verlauf: Zimandy polcmisirt gegen die Referenten Bcrzcviezy und VuSbach, denen er vorwirst, daß ihnen wissenschajtlichc Belesenheit mangle. Wenn sic gewisse, vorn Redner namhaft gemach-c Werke gelesen hätten, dann würden sie nicht in solcher Weise gegen die Antisemiten loSgcfahren sein, wie dies thatsächlich geschehen. (Rufe: Vielleicht Rohling? Heiterkeit.) UebrigcnS erinnern ihn die leidenschastlicheu Ausbrüche BnSbach'S an die Flüche einer Dame vom Stande, die er einst auf dem Wiener; Naschmarktt.׳ gehört habe (unter komischer Nachahmung! des Gestus der Hökerin): Du besoffener Grenadier!! Du dummer Kerl! (Heiterkeit.) Du .(Große Heiter-! keil; Ruse: Hören wir den Präsidenten!) Präsident; idas Glockenzeichen gebend): Ich kann nicht sagen, daß! diese Schimpfworte selbst dort auf dem Platze schön! geklungen hätten (Heiterkeit): doch ich bin dessen gewiß, j daß sie hier im Parlament jedenfalls unzienilich; sind. (Lebhafte Zustimmung.) Deshalb bitte ich den I Herrn Abgeordneten, derartige Redensarten zu unter-