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Jeschurun · 1884-10-23 · Heft 43 (23.10.1884) · p. 675

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 43 (23.10.1884)
Article
Zum 8. Marcheschwan 5645
Date
1884-10-23
Page
675 (sequence 2)
Language
German
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675 zeichnet vor Tausenden, hat ihm irdische Glücksgütcr und eine lange Lebensdauer verliehen, und Moses Montejiore hat diese reichen Gaben empfangen, uni sie ganz Gott zu weihen. Alles was er besitzt, begreift er als Mittel zur Linderung fremder Noth, und sich selbst als den Anwalt der Schwachen, der Unterdrückten, der Armen. So wandelt er hundert Jahre auf Erden, ein (Zügel des Guten, ein Vater der Elenden, ein Helfer der Leidenden, ein Tröster der Gebeugten. Sein ganzes Leben geht in diesem Prieslcramte auf. Moses Montcsiore hat nie einem Menschen geschmeichelt, hat nie das Wort der Wahrheit unterdrückt, und dennoch hat er keinen einzigen Feind und Neider gehabt. Neidlos beugten sich Alle vor der stillen anspruchslosen Größe dieses wahrhaft guten Menschen; und in diesem Augenblicke, an dem Tage, da er sein hundertstes Lebensjahr vollendet, vereinigt sich das Gebet aus Millionen Seelen, daß Gott ihm Kraft und Gesundheit verleihen möge für ein ferneres langes Leben im Dienste des Edlen und Guten, des wahrhaft Menschlichen. Wie eine Libanons Ecder ragt er unter den Menschen empor, wie eine Palme an Früchten reich, er, ein wahrhaft Gerechter, Tugendhafter, von dem das heilige Liedeswori singt: .צדיק בתמר יפרה בארז בלבנון ישנה Denn auch er zählt zu denen, die ',שתולים בבית ר ״die hingcpflanzt sind in Gottes Haus", die in dem Gesetze Gottes den Boden ihres Daseins finden, aus heiligem Erdreich ihre Lebenskraft ziehen und sich überall בחצרות אל לד גו wissen, in der Nähe Gottes, deren ganzes Wirken und Schaffen heilig ist, ״die Blüthen treiben in unseres Gottes -Höhen." Moses Moutefiore ist ein edler Mensch, ein bcgeistcrter Jude; er hat sich als solcher bewährt während eines ganzen Jahrhunderts und darum ״trägt er auch im Grcisenalter Fritcht, bleibt markvoll und immer frisch.» Gottes Segen begleite Dich, ehrwürdiger Greis, für und für! Gott mehre Deine Tage! Gott erhalte Dich uns, die wir zu Dir in Verehrung cmporblicken, noch lange Zeit! * Wir lassen hier eine kurze Skizze des Lebens Moses Montcfiore's aus der Feder eines unserer -Herren Mitarbeiter und die Darstellung einiger bedeutsamer Momente aus seinem Wirken folgen. -1>- Sir Moscö Mmilesiorc . 2-1. Oktober 1784 0. , wurde am ־,״.״״■ zu Livorno geboren. Von liebenden Eltern auf das Sorgfältigste erzogen, trat er zunächst in das Geschäft seines in London wohnenden Vaters ein; später wurde er Makler in der Londoner City. Im Jahre 1812 vermählte er sich mit der ihm an Karakter und Gesinnung ebenbürtigen Judith Eohenl, welche ihm 50 Jahre laug als treue Mitarbeiterin an allen von ihm vollbrachten Werken edelster Menschenliebe znr Seite stand. — Fassen wir im Folgenden kurz die -Hauptthatsachcn aus dem Leben des seltenen Mannes zusammen. ״Glück" steht mit goldenen Lettern an dem Anfang der eigentlichen Lebcnslanfbahn Sir Moses Montcfiore's, ״Glück" hat ihn geleitet ans allen seinen Wegen: von ihm läßt sich mit Recht sagen: מצא הן ושבל טוב בעיני אלקים ואדם, und eben dies war es, was ihn, den von Natur edel Angelegten, besonders befähigte, jene großartigen Werke zu vollführen. Im Jahre 1814 wurde er znm Vorsteher der portugiesischen Gemeinde Londons gewählt, in welcher Stellung er znm Nutzen und Segen waltete. Im Jahre 1827 besuchte er, um sich persönlich von der damals herrschenden Noth der palästincnsischcii Juden zu überzeugen, zum ersten Male das heilige Land. Von nun an galt sein -Hauptstreben unseren bedrückten palästinensischen Brüdern. Unermüdlich war er für dieselben thätig. Nicht allein, daß er selbst namhafte Summen zur Unterstützung derselben fortwährend spendete, wurden auch auf seine Veranlassung große Sammlungen veranstaltet. Im Jahre 1828 wurde er iu das Depritirten-Kollcgium der brittischcn Juden gewählt. 1835 wurde er Präsident dieser Vereinigung. Auch an Ehren von Seiten seiner nichtjndischcn Mitbürger sollte es ihm nicht fehlen. Am 24. Juni 1837 wurde er zum Sheriff von London und Middlescx erwählt; am 9. November desselben Jahres ernannte ihn die Königin bei ihrer Anwesenheit in der City zum Ritter. Bald darauf rief ihn die Noth seiner Brüder zum zweiten Male nach dem. heiligen Lande; neue Wohlthaten erwuchsen den bedrängten palästinensischen Juden aus dieser Reise. — Im Jahre 1840 sehen wir den für das Wohl seiner Brüder unermüdlich Arbeitenden in Damaskus zur Unterdrückung der furchtbaren gegen die Juden erhobenen Anklage. 1840 stand er vor dem mächtigen Gebieter des Ezarcnreiches, um für seine unter hartem Druck schmachtenden Glaubensgenossen zu flehen. Ganz ׳Russisch-Polen durchreiste er, um Personlich das Unglück zu schauen und Mittel zur Abhülfe zu versuchen. — Nach England zurückgckchrt, wurde er am 1. Juli 1640 zum Baronct erhoben. 1849 sah ihn Palästina zum dritten, im Jahre 18-55 zum vierten Male. Die Gründung einer Reihe wohlthätigcr Institute, wie Armen- und Krankenhäuser rc. sind die hauptsächlichsten Früchte dieser beiden Reisen. Im Jahre 18.58 finden wir ihn cisrig und nnermüdlich thätig in der traurigen Asfaire deö Bologneser

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