Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1884)
- Article
- Rußland : Nischni Nowgorod [Nachricht]
- Date
- 1884-10-16
- Page
- 670 (sequence 1)
- Language
- German
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67< sind, eine gegeniheiligc Meinnng zu erzeugen. Nach! Wicdemujnahmc der Arbeiten in der Kommission ge-- taugen zunächst zwei Fragen zur Entscheidung, über; welche von den R'egiernngsorganen der Provinzen Gut- : achten cinverlangt wurden. Für die Erweiterung des! Ansiedclnngsrechts der Juden spricht sich die Mehrzahl! der eingegangenen Gutachten ans, weil dadurch allein; die Fälle von Gejetznmgehnng durch Juden beschränkt 1 werden töuncu; dach soll diese Erweiterung nur eine; allmühlichc sein und in dem Maße verwirklicht werden,! als die russische Landbevölkerung, die vorläufig zu! wenig zivilisirt ist, um sich vor der Ausbeutung durch! Juden schützen zu können, in der Kultur fortjchrcitet. > In Bctrefs der zweiten Frage, ob den Juden die Er-; Werbung von Grundbesitz zu gestalten sei, gehen die J ciugclansenen Gtttachten anseinader. Eine Meinung j wendet sich strikt dagegen lind will and) von jüdischen j Pächtern niehts wissen, eine zweite plaidirt dafür, den! Ankauf von Vaud zu gestatten, Arroudiruug aber zu! untersagen, weil deren Zweck Ausbeutung des Land-! Volks ist. Eine dritte Meinung endlich betrachtet die! Frage vom allgeiuein staatlichen Standpunkt, und vcr-! laugt für die Juden gleiches Recht mit allen übrigen; russischen Untert Hanen. Mit einiger Bcstimntthcil ist! vorauszuschcn, das; die Lösung dieser Frage nicht zu i Gunsten der Inden ansfallen wird, trotzdem schwer! cinzuseheu ist, aus welche Weise sie sich dem Schacher! abweuden und einer produktiven Thätigkeit znwenden sollen, wenn ihricn die Beschäftigäng mit dem Ackerbau unmöglich gemacht wird." * )s ischni-Nvtvgvrvb, 14. Skt ober. Die kricgsgerichtliche Verhandlung gegen 12 an den Anoschrcilnngen gegen die Inden in Knnawino betheiligtc Personen hal heule begonnen. Dieselbe findet bei verschlossenen Thürcn statt und wird voraussichtlich zwei Wochen dauern. * Petersburg, 2. Oktober. Wie der ״Swiet" meldet, ist in der Jndcnkommission die Uebcrtragung der Führung der jüdischen Standcsrcgistcr, welche bisher den Nabbüicvn oblag, an die Polizeiorgane beantragt worden, mit der Entscheidung, daß diese Maßreget nicht die religiöse Seile der Sache berühre ...z. Petersburg, 2. Oktober. Zn den von Zeit zu Zeit auftauchcndcn Nachrichten über die Thäligkeit der Jndcnkommission hat sich wieder eine neue gesellt. Dieselbe steht in naher Beziehung zu dem in meinem vorigen Berichte (siche vorige Nummer) Ausgesprochenen. Es verlautet näntlich, daß die Juden- Kommijsion demnächst den Kardinalpnnkt der ganzen russischen Judcnangetcgcnhcit, die Frage, ob inan den Juden auch das Innere des russischen Reiches zur freien Ansiedelung eröffnen, sowie ob man ihnen das Recht der Erwerbung von Grundbesitz zngcstchcn solle, in Angriff nehmen wird. In wieweit man diesem Gerüchte Glauben schenken soll, kann ich nicht jagen. Unsere Lage ist im Ganzen so trostlos, da wir nunmehr schon gcrautnc Zeit mit den Beschlüssen der Kommission hingchallcn werden, daß wir eincstheils uns zu solchen über die Thätigkeit der Jndcnkommission in Umtauf gesetzten Nachrichten, die sich sehr oft nachträglich als salsch erwiesen, sehr rescrvirt verhalten, andernthcils, wenn einmal die IudenKommission unsere Angelegenheit ernstlich in die Hand nehmen sollte, uns nicht viel Gutes von dem Resultate der Verhandlung versprechen. Allerdings heißt cs augenblicklich, daß die bei den Verwaltnngcn der verschiedenen Distrikte cingcholtcn Gutachten nicht gerade ungünstig für uns lauten. Es soll im allgemeinen die Stimmung sein, den Inden nach und nach die ihnen bis jetzt vcrschlosjcn gebliebenen Lüttdcsthcilc zur freien Ansiedelung zu eröffnen. Doch wer verbürgt uns die Wahrheit dieses Gerüchtes? Wir sind leider durch die Uniständc dazu gebracht, tnißtrauisch zu sein. Und so halten wir nicht viel von dieser Nachricht, insbesondere da gleichzeitig verlautet, daß andererseits ntan im Allgemeinen sich gegen ein uns zu gewährendes Recht der Erwerbung von Grundbesitz ausgesprochen. — (Anmerkung der Redaktion: der Petersburger Deutschen Zeitung zufolge, sind Hinsicht-!ich der Frage des Rechtes auf Grundbesitz verschiedene Meinungen laut geworden, welche theils dahin gehen, daß den Inden Besitz und Pachtung von Grundstücken zu verbieten, theils dahin, daß ihnen Grundbesitz zu gesiatlcn sei, Landpachtung aber nicht, oder endlich, daß den Inden die nämlichen Rechte zngcstandcn werden sollen, wie ausländischen Unterthanen.) ...z. Petersburg, 10. Oktober. Eine Bestätiguug für die Zweifel, welche ich in Betreff der Arbeiten der Judcnkonttnission gehegt, finde ich in der ״Nowojc Wrcnja", welche aus sicherer Quelle die Nachricht schöpft, daß überhaupt noch gar nichts beschlossen ist. Sie klagt dabei über die Unduldsamkeit der Behörden, welche vielfach die Juden, welche sich thcilS als Landarbeiter dingen lassen wollten, theils sich als solche während der Ernte bei Großgrundbesitzern vorzüglich bewahrten, nöthigten, sich von der Feldarbeit znrückznzichen. — Ein anderes Blatt, die ״Ssowremcnnyja Sswcstija", äußert sich in folgender beachtcnswerther, den Borwurf der durch die Inden angeblich begünstigten Trunkenheit der russischen Bauern, eigenthümlich beleuchtenden Weise: ״Wer nicht Gelegenheit gehabt hat, den Feldarbeiten am Don und am Schwärzcn Meere zu der Zeit bcizuwohncn, in welcher sich 1 gewöhnlich Arbeiter in unzähligen Massen dort ein- : finden, der wird sich keinen Begriff von den Szenen machen können, die sich dort ans den Steppen unter > freiem Himmel abspielen. Die Sittmverdcrbniß, die