Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Rymanow (Galizien) [Nachricht]
- Date
- 1884-10-16
- Page
- 669 (sequence 2)
- Language
- German
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669 stehen werde, bei ihm nochmals das Geld für die Stampiglie cmjiuiinljiicn. 3d) hielt das freilich für einen Scherz, allein mein Sohn fürchtete sich ernstlich, ein zweites Mal hinzu gehen. Nun hatte ich aber bei Rodert Kirszanck ein Rcisekosferl bestellt, dessen Verfertigung er übernahm, und hielt diese Gelegenheit für günstig, meinen Sohn zur Abnahme des Kosserl hinznschicken, wobei er die Gebühr für die Petschaft vom Preise in Abzug nehmen könnte. Obwohl widerwillig, befolgte mein Sohn diesen Auftrag und ginge noch einmal zu Robert Kirszanck. Eine Stunde später etwa stürzte Robert Kirszanck aus die Gasse und er- .zählte den umstehenden Leuten, cs sei ein ganz fremder, ihm unbekannter Jude in seine Wohnung gekommen, hätte seinen (Kirszanet's) Revolver von der Wand hcrnntcrgcnonnncn und sich mit demselben erschossen. Zahlreiche Menschen strömten in die Wohnung des Kapellmeisters, wo sie in der Thal au der Schwelle der Ausgangsthür eine von Blut übergossene Leiche und auf dein Tische in einer Distanz von 10 Schritten einen sechs läufigen Revolver liegen sahen. Im ersten Momente erkannte Niemand die entstellte Leiche und erst später zeigte es sich, daß cs mein unglücklicher 17 jähriger Sohn Samuel war, der offenbar einer ruchlosen That zun! Opfer gefallen war. Denn daß cs sich hier um einen Mord und nicht um einen Selbstmord handelte, darüber waren Alle einig und kann nach den Umständen kaum gezwcifelt werden: Die Lage der Leiche, die Wullde an einer Stelle der linken Brustseite, die Lage des Revolvers und das zerschlagene Antlitz 1111b alle erzählten Nebenumstände weisen duranf hin, daß hier eine Gewaltthat begangen wurde. Die Ortsgenreindc wollte die Berhaftnng des 'Robert Kirszanck verfügen, allein der Gcnsdarmeric- Postenführer nahm dieselbe nicht vor, sondern meinte, es kann dem Kapellmeister gar nichts geschehen, und cs drohe ihm höchstens eine Arreslstrafc von 7 bis k4 Tage. In Gegenwart der blutenden Leiche wurde gescherzt und der Großvater des Ermordeten, ein 75jährigcr Greis, Lcmcl Moses, welcher sich heran gedrängt hatte, mit Rippenstößen zur Thüre hiuansgeworfen. Derselbe begab sich ins Gericht, um daselbst die Ber- Haftung des mnthmaßlichen Mörders zu erwirken, allein auch hier wurde er abgeschoben. Nun telegraphirtcn wir an die Staatsanwaltschaft uachPrzempsl,!voraus erst die Sezirung vvrgcuonunen und vom k. k. Bezirksgenchtadjuuktcn die Untersuchung bcgomrcn!vnrdc. Herr Robert Kirszanck aber wird von derselben sehr wenig behelligt. Er befindet sich weiter auf freiem Fuße und spielt allabendlich im Kassino und alle Honorationcn tanzen lustig bei seiner Musik, als ob nichts vorgefallen wäre. Die Folge davon ist. daß die hiesigen Bauern und Städter schon laut darüber diskulircn, daß cs nichts bedeute, wenn map einen Juden erschlägt, und daß man eigentlich eine Prämie verdiene. Ich bitte, diese wahrheitsgetreue Darstellung des Vorfalls in Ihr geschätztes Blatt anfznnchmcn, vielleicht wird diese Verösscntlichnng dazu beitragen, den Gang der Gerechtigkeit zu beschleunigen. Nymanow, 1 5. Sept. 1884. Jakob M oseS. Vont Knllusvorstandc in Rymanow wird die Wahrheit bestätigt. Schweiz. b Langenthal, 28. September. Heute fand dahier eine Delcgirtenvcrsammlung der schweizerischen Thicrschntzvereine statt und wurde folgender Beschluß gefaßt: Es sei bei den Kantonen durch Eingaben die Ausübung des. Schächtcns als Thierguälcrci hinznstcllcn und zu deren Untersagung alles Mögliche dazu ansznbietcn; besser gesagt, nicht nur die Vorbereitung (Werfen), sondern auch der Halsschnitt sei Thiergnälerei. F x a 1t k r c i ch. T. Paris, Oktober. Auf Verwendung des Oberrabbincrs von Frankreich hat das Kriegsministerinnr einen Erlaß an die Oberbefehlshaber der Armee gerichtet, in welchem dieselben angewiesen wurden, den jüdischen Soldaten während der Feiertage jede tnögliche Dieustcrleichtcrnng zu gewähren. ״ Nach dem ״UnivcrS Israclitc" ivill der Leibarzt des Sultans von Zanzibar in einzelnen Stämmen um Sofala Neger jüdischer Abstammung gefunden haben. Dieselben deobachtcn den Sabbath, die Spciscgcsctze der Bibel, die Beschncidnng u. s. w. und ihre Gcsichtsbildnng soll acht semitisch sein. Sosala soll gleichbedcittend sein mit dem altcnr Schofata und die Berge der Umgegend, welche Asnrah heißen, mit dcnr Ophir der Bibel. Rußland. * Petersburg, 6. Oktober. Die trübe Anschannng, welche unser Herr Korrespondent über die Gestaltung der jüdischen Verhältnisse hegt, finden wir auch in einer Auslassung des Petersburger Korresvondcnten der ״Vosfischcn Zeitung" wiedcx. Derselben wird folgendermaßen geschrieben: Die objektive Auffassnng der Regierung in der Sektirersrage ist offenbar geeignet, auch aus die noch schwebende Iudensrage günstig einznwirtcn, die allein Anscheine nach mit großer Sorgfalt behandelt wird und jcdcnsallü nicht mit dem Hintergedanken angeregt wurde, sic um jeden Preis zu Ungunsten der jüdischen Bevölkerung zu entscheiden. ES muß das erwähnt werden, weil die Verhültnisse, die zur Niedcrsetzung der Kommission unter dem Vorsitz des Grasen Pahlcn sührten, sehr geeignet