Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1884-10-16
- Page
- 668 (sequence 2)
- Language
- German
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668 rönnen cs aus dem Munde unseres Monarchen verj ncl)111c11, daß ihre Bestrebungen in der Rahe des Thrones!einerlei geheimen Sympathien begegnen, sondern daß; der 0:״at entschlossen ist, mit allen jenen verderblichen j Richtungen energisch anszurätimeii." In! Anschlüsse j an diese erfreuliche Meldung will ich auch den Bericht über die rühmliche Manifestation einer großen polilischen Körperschaft so!gen lassen. Am oben de;eich ne len Datum hielt die gemäßigte Opposition deS 1111j garischen Reichstages ihre konslitnircnde Versammlung! ab. Diese Partei hat bekanntlich — ob mit Absicht j oder unbewußt (?) — in jüngster Zeit vielfach zu der! Verdächtigung Anlaß gegeben, als spiele sic, zur För- '! dernng ihrer Interessen, mit manchen verderblichen! Slrömiingcn unter einer Decke. Am schwersten aber,! und scheinbar mit der meisten Berechtigung, wurden! diese Anklagen wider sie hinsichtlich des Antisemitismus erhoben. Einige hervorragende Mitglieder dieser Partei benutzten nun die angcdentcte Versammlung als Gelegenhcit, um in ihrem Namen, wie auch im Namen ihrer gesanunten Partei, gegen ähnliche Insinuationen energisch Verwahrung cinznlegcn. Franz Fenywcssi machte nümlich darauf aufmerksam, daß auf den, der gemäßigten Opposition angewiesenen Bänken auch solche Abgeordnete Platz gefunden haben, welche in Wirklichteil nicht zur Partei gehören, nicht gehören können. Er meine hiermit hauptsächlich die Antisemiten. Redner verwies ferner ans die parlamentarische Gepflogenheit, derznfolgc die verschiedenen Parteien auch äußerlich von einander streng gesondert zu sein pflegen, und bcmerkte, daß dieser Gepflogenheit eine nicht zu unterschätzende Wichtigkeit zuerkanut werden müsse. Er halte cS demnach für unbedingt nothwendig, daß die Partei diesbezüglich Verfügungen treffen möge. Zur Frage sprachen noch die hervorragenden Parteimitglieder Dcstdcr Szilngyi, Ludwig Horvath und Graf Albert Apponyi. Letzterer, der vornehmste Führer der Partei, erwähnt, daß obzwar die Partei bei jeder Gelegenheit auf das Unzweideutigste ihren Standpunkt dein Antiscmilismus gegenüber klargclcgt habe, doch das Recht besitze, zu bcausprnchcn, daß im Hause auch den Aenßcrlichkeiten Rechnung getragen werde. Die gemäßigte Opposition und die Antisemitenpartei sei absolut in. kompatibel; ein Antisemit könne unmöglich Mitglied der gemäßigten Opposition sein. Die Partei könne einen solchen unter keinerlei Bedingungen in ihre Mitte aufnehmcn. Sie habe dies zu keiner Zeit gcthan, noch werde sie dies in Zukunft je thun. 1\. Arakatt, 10. Oftober. Ich schreibe Ihnen in großer Betrübniß. Der SchwurgcrichtShos hat die Eheleute MoscS und Gitel Ritter aus Lutcza schuldig deS Mordes der in; Mürz 1882 in einer Schlucht tobt anfgefnndcucn Franziska Mnich gefunden und die¬! O!? selben zum Galgen vcrnrtheilt. ES steht mir nicht zu, eine Kritik an diesen Wahrspruch zu üben; gewiß haben die Geschworenen nach bester Ucberzeugnng ihren Spruch abgegeben. Hcrvorgehobcn darf aber werden, daß gegen Moses und Gitel nur vage Kombinationen geltend gemacht wurden und die ividerrnfcnc Aussage deS die hat bekennenden Marcclin Stochlinski. Die Geschworenen haben ihre moralische Ueberzengnng anSgcsprocheu. Dieser steht eine andere moralische Ucberzengung gegenüber, welche die Schuldfragc ganz bcstimmt verneint. MoscS und Gitel Ritter werden in weiten Kreisen für nichtschnldig erachtet. Möglicher Weise kann eine ^Nichtigkeitsbeschwerde den Spruch abermals wieder aufhebeu. Es wird dieses vielfach geglaubt, ich bezweifle cs. — Ich kann bei diesem Anlaß nicht umhin, des eigcnthümlichen Gutachtens des Wiener Nabbinals zu gedenken, welches in dieser traurigen Sache abgegeben worden ist, und im Widersprach steht mit einem anderen Gutachten, dem eine höhere Autorität nicht abgcsprochen iverden kann. S. Aus Oberrmgarn. Ein Wort zur rechten Zeit war der SchtußpassnS der Thronrodc unseres erhabenen Monarchen. Möge dieses Wort seinen Wiedcrhall in der ganzen Ration finden, möge der Mund unserer Hasser verstummen, der schon so viel Unheil angcstislet. Denn daß ein großer Theil des Volkes von dem Gifte deS Antisemitismus infizirt ist, läßt sich leider nicht leugnen. Hier ein neuer Beweis zu den schon oft erbrachten. In Ezeglüd, wo der famose Verhovay wieder zum LandtagSabgcordnetcn gewählt wurde, schickte im vorigen Monat eine christliche Wittwc ihren Knaben zu einem gewissen Moritz Hirschler mit einem Zettel des Inhalts, er möge eilend zu ihr kommen, um dort Ehristenblnt in Empfang zu nehmen, welches er zu den nahenden Feiertagen der Inden theucr verlausen könne. Der Mann führte den Knaben zur Polizei; diese begaben sich mit Arzt und GerichtSpersonen zu der Frau, welche eingestand, sich in der Meinung, das; die Inden zu den herannahenden Feiertagen Ehristenblnt benöthigcn, die Adern geöffnet, um das Blut dem Hirschler theucr zu verlausen, damit sic ihre Schulden bezahlen könne. Nymanvw (Galizien). Dem in Lemberg erscheinenden ״Israelit" entnehmen wir folgendes ״Eingesandt." Geehrte Redaktion! Am UM. begab sich mein!7 jähriger Sohn Samuel MoscS zum hiesigen Kapellmeister Robert Kirszanck, um von demselben ein! kleines Guthaben für eine Kantschnkstampiglie cinzu-! fordern. Der Schuldner verweigerte jedoch die Zahlung j unter dem Vorwände, daß er mit der Stampiglie i unzufrieden sei, und mein Sohn erzählte mir und seinen Freunden, daß Robert KirSzanek ihm gedroht I habe, daß er ihn erschießen werde, sobald er sich unter-