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Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 667

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1884-10-16
Page
667 (sequence 2)
Language
German
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667 die Inden mit allen Kräften cmszutreten. Der cigcntliche Führer, dessen Geist die Partei beseelt,' ist Jstoczy. Und cs ist gewiß besonders zu vermerken, wenn eine Anzahl (S'rofecr sich offen gegen dieselbe erklärt .- die sogenannte gemäßigte Opposition. - In der helUigen Konferenz der gemäßigten Opposition berichtete der Vorsitzende Clemens Ernnszt, er habe sich in Folge der jüngsten Anregung mit dem Quästor des Abgeordnetenhauses ins Eiiivcrnchiiieil gesetzt, um die Absonderung der Partei von den Antisemiten durch׳ ״;.setzen Der Quästor erklärte, daß auch letztere schon bei ihm aus demselben Grunde Schritte gcthau, daß dies jedoch eine Angelegenheit sei, welche die Abgeordneten unter sich abzumachen hätten. Sodann nomiuirtc die Partei für den Adrcßausschuß folgende Mitglieder: Korne! Abranyi. Graf Albert Apponyi, Akos Beöthy, Ignaz Berger, Beta Grünwald, Enterich Hodossy, Stephan Huszar, Licdwig Horvath, Gras Alexander Karolyi, Baron Bela Lipthay, .Karl Martonffh, Desidcr Szilagyi. -- Die Anriscmiten-Partci versammelte sich heute unter dem Alterspräsidium des Abgeordneten Karl Neu dt wich zur ersten Konferenz. Viktor Jstoczi begrüßte die Parteigenossen in kurzer Rede, dieselben zu ״ausdauernder Arbeit" auffordcrnd. Baron Gabriel Andre an szky lenkte die Anfmcrksamkeit der Partei auf das Borgehen im Klub der gemäßigten Opposition. Redner glaubt die Ansicht aller anf staatsrechtlicher Basis stehenden Antisemiten zu verdolmetschen, wenn er erklärt, daß cs gegen ihre Prinzipien verstoßen würde und das Vertrauen ihrer Wähler mißbrauchen hieße, wenn Einer von ihnen sich danach sehnen wollte, der gcntäßigtcn Opposition beizntreten. Gras Apponyi gleiche einer jungen Dame, die Körbe anstheilt, noch ehe man sic verlangt. Was die okknpirtcn Plätze im Hanse anlangt, so habe die gemäßigte Opposition ein größeres Terrain besetzt, als sic durch ihre Mitglieder zu füllen tut Stande ist. So sei einzelnen Antisemiten nichts übrig geblieben, als in ihren Reihen Platz zt! nehmen. Die definitive Konstituirung der Partei erfolgt erst in einigen Tagen. A. Presibrrrg, den 2. Oktober. Anläßlich der am 30. April v. I. in Gr. Magcndors (Preßbnrgcr <$.) vorgefallmcn antisemitischen Kravatlc, fand die Schluß- Verhandlung am 30. Scptctubcr und am 1. Oktober I. I. vor den Schranken des Preßbnrgcr Königl. Gerichtshoscs statt, zu welcher 81 Personen vorgcladcn waren. Da 3 Angeklagte bereits im Mititärverbandr ausgenommen wurden und in Bosnien sich bcfinbcu, ein anderer Angeklagter aber mitttcrwcite verstorben ist, erschienen 77 Personen. Der König!. Staatsanwalt erhob auf Grundlage der §§ 175 und 176 die Anklage. Nach halbstündiger Derathung fällte der Königl. Gerichtshof das Urthcil, wonach 38 Angeklagte zu je ein Jahr, rcsp. 3 Monate Kerker vcrnrthcitt wurden; neun wurden freigesprochen, zwei anderen wurde das Urthcil in Schwebe belassen. •||־ Pest, 10. Oktober. Der Oberste Gerichts- Hof fällte heute das Urthcil über die Rädelsführer bei den vorjährigen Inden - Exezessen im Ocdcnburgcr Komitate, bei welchem bekanntlich eine Jude getödtct wurde. Das Urthcil der obersten Instanz weicht zum Thcilc von dem der unteren Instanzen nicht bloS in der Quatisikation der Verbrechen ab, sondern verdoppelte und verdreifachte and) das Strafmaß. Es wurden nämlich Joseph Holzschnstcr der vorsätzlichen Tüdlnng eines Menschen schuldig erkannt und zu zwölf Jahren, Joseph Weber als intettcktneller Urheber zu zehn Jahren und Karl Solchem zu zwei Jahren Zuchthaus vernrthcilt. Hinsichtlich der übrigen zahlreichen Angeklagten wurde das Urtheil der unteren Instanzen bestätigt. Pest, 13. Oktober. Während der Adreß ausschnß des Abgeordnetenhauses der Auslassung in der Thronrede, welche die antisemitische Strömung verdämmte, in dem Adreßcntwnrfc znstimmte, wendet sich der Entwurf der antisemitischen Partei gegen dieselbe und verlangt eine Revision des Strafgesetzes, weil dasselbe ״die spezifisch jüdischen Verbrechen bemäntele" und im Interesse der jüdischen Sonderzwecke stehe. Die Emanzipation der Inden sei ein großer politischer Fehler. Die Inden seien undankbar und gewissenlos und mimrtcn das Land. Das ungarische Volk könne sich nicht unter das ״jüdische Joch" beugen u. s. w., n. s. w. Ick. ׳Aus Ungarn, 1. Oktober. Am 2\). vorigen Monats hat Sc. Majestät, unser König, den ungarischen Reichstag mit der üblichen Thronrede eröffnet. Die edlen und entschlossenen Worte, mit denen der König seine, das Verhalten der Negierung während der Dauer der kommenden Legislaturperiode kennzeichnende Ennnziatio» beschließt, dürsten im Gemüthe der Herren Jstoczy .und Konsorten gar trübe Gcdankenschalten aufdämmern lassen. Zur Karaktcrisirnng der warmen Sympathien, mit welchen diese allerhöchste Kundgebung (siehe den Worlaut derselben in der vorigen Nummer) von allen Freunden der Freiheit, deren es gottlob bei uns noch eine stattliche Zahl giebt, will ich noch hier die Interpretation folgen lassen, welche ein angesehenes Budapcsrcr Blatt an die Thronrede knüpft: ״Dett csfektvollcn politisch hochbcdcntsamen Abschluß der Thronrede bildet die an das Parlament gerichtete königliche Mahnung, den Frieden zur Beseitigung jener Agitationcn zu benutzen, welche zu Reibungen zwischen Nationalitäten, Konfessionen und Gejellschastsklassen führen. Der .König apellirt an die Weisheit uub, wo cs nöthig ist, au die Strenge des Parlaments in dieser Hinsicht. Die separatistischen Elemente, sowie die Wühler, welche den sozialen Frieden unseres Landes untergraben wollen^

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