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Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 665

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1884-10-16
Page
665 (sequence 1)
Language
German
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M 41 1t. 42 Feschttrun. 665 Korrcspo!ldc!l)tn itub NM-richtcu. j? Deutschland. | * Hannover- 15. Oktober. Die ״Nene Prenßische (Kreuz-) Zeitung" verösstntlicht in ihrer hemigcn! Nummer ein nun Herrn Honiberger und f)v. I 91. ן0?(ל c 11 On*g <1. d. Gießen, 7. Oktober, an den! ״Borstand der israelitischen Religionsgnneinde" gcrich-! totes Zirknkarschreibeu, in welchem die israelitischen; Gemeinde-Vorstände der Wahlkreise Gicßcn-Nidda- Ortcnberg - Gedern, Alsfeld - Lantcrbach - Schotten und : Friedberg-Butzbach-Büdingen ansgcsordert werden, in ihren Religionsgememden ״alle wahlberechtigten Glaubensgcnossen zur thätigften Anthcilnahme an der Wahlagitation für die freisinnigen Kandidaten bei den Wühlern aller Konfessionen und zur Stimmabgabe für dieselben veranlassen zn wollen." Wir!)offen, dag kein einziger Gcmeindevorstand dieser Aufforderung Folge leisten wird und nehmen keinen Anstand, die Hand׳ lnngsweise der Herren Hombcrgcr und Noscubcrg als eine höchst unangemessene zu bezeichnen. Die israelitischen Rcligionsgemcinden sind lediglich religiöse Korporationen, welche mit Politik absolut nicht das Mindeste zu thun haben, wie auch die Inden als solche keinerlei politischen Parteien angchörcn. Wenn die jüdischen Deutschen ebenso wie die christlichen Deutschen ihrer Bürgerpflicht auch bei den Rcichstogswechten genügen, und je nach individncllcr Anschauung sich den verschiedenen politischen Parteien cmschlicßcn, so handeln sie in ihrer Eigenj schuft als deutsche Bürger, nicht als Bekenner des - Indenthnms. Die Herren Hornberger und Nosenberg.! welche sicherlich ans redlicher Uebcrzengnng der frei-! sinnigen Partei angehören. haben nicht das Recht, an j ihre Glaubensgenossen das Ansinnen zu stellen, sich ebenfalls dieser Partei anznschließen, und wenn sic sich, gewiß in wohlgemeintem Eifer für ihre Partei, zu der Behauptung hinreiße!: lassen: es sei die Pflicht aller Angehörigen des mosaischen Glaubens, für die Kandidatnrcn der freisinnige!! Partei cinznstehcn, so legen wir dagegen Protest ein und erklären eine solche Ansfordernng für eine!:!! Interesse der Partei in Szene gesetzte Wahlagitation. So wie sie in den Wegen und Zicken der freisinnigen Partei Befriedigung ihrer Potitischen Anschannngen stndcn, so können andere deutsche Bürger jüdischen Bekenntnisses in anderen politischen Bestrebungen die ihrige finden. Wir können cs nicht nachdrücklich genug betonen, das;, so wenig die Ehrislen a!S solche eine bestimmte politische Partei bilden, ebenso wenig auch die Juden als eine solche dastehen. Die ״Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung" ist aber nicht bcrcchtigt, in dem Vorgehen der genannten beiden Herren in heießen ein willkommenes Acnguiß zu erkennen, ,,daß die jüdischen Religionsgenosscn sich als politische Partei fühlen und gcberden", und die ,.Norddeutsche Allgcrueine Zeitung" hat nicht das Recht, die Handlungsweise zweier Bekenner des Indenthnms als den Ansdruck der gesanuntcn deutschen Indenheit ansznsasscn und ans derselben die gegen Juden geübte Intoleranz zu rechtfertigen. Was würden diese beiden Organe der Presse dazu sagen, wenn man ans dem Bekenntnisse, auf welches Mitglieder der friedlich gegenüber stehenden Parteien getauft sind, die gesamnne Christenheit für deren politisches Bckenntniß und deren politische Wahlagitation verantwortlich machen!lud z. B. mit den Ansichten der Herren Richter und Birchow, Bebel und Liebknecht. Windhorst und Majnnke die christliche Weltanjchaung indentisizircn wollte'? nn. Berlin, 9. Oktober. Ich entnehme der ״Bossischen Zeitung" folgende interessante Notiz, welche keiner weiteren Hinzufügung bedarf. ״Wenn man für den Antifelnitisums noch nach Beweisen seiner Unreife suchen wollte, so wären sic leicht durch die kindische Art zu erbringen, wie derselbe sich!nanifestirt. Eine Lieblingsbeschäftigung desselben ist, den Inden anonyme Karten und Zuschriften albernen oder auch nnfläthigen Inhalts zngehen zu lassen, und vielfach wird' dazu die Post benutzt. So waren auch dicsn!al zn!n jüdischen Neujahrsfeste massenweise Illustrationen mit der Spitzmarke ״Inden raus!" per Post versandt worden, und auch die Konverts trugen den Stempel des Reichsadlers mit der Umschrift ״Juden rauS". Darauf hat sich einer der Adressaten bei dem Herrn Staatssekretär Stephan beschwert und von! kaiserlichen Oberpostdirektor Geheimen Postrath Sch iss mann folgende Antwort erhalten: ״Euer Wohlgeborcn erwidere ich ergebenst auf das an Seine Exzellenz den Herrn Staatssekretär des Neichspostanlts gerichtete, zur zuständigen Erledigung an!!!ich abgegebene gefällige Schreiben vom 20. v. M., das; die anliegende Sendung wegen ihres Inhalts und des ans dem Umschläge besindlichen Sternpelü von der Beförderung hätte ausgeschlossen werden müssen, was versehentlich unterblieben ist. Indem ich Ew. Wohlgeboren diescrhalb!nein Bedauern ansdrücke, bemerke ich ergebenst, das; das Geeignete verfügt worden ist. mn der Wiederkehr eines solchen Falles thnnlichst vorzubengen. Berlin 0., 3. Oktober 1884." W. Arnnkslirt «1. M., 12. Oktober. Das ״InLclligenz-Blatt" veröffentlicht eine Mitthcilmig, nach welcher unter dem 8. v. Mts. für die Zuwendung, welche die Eheleute Gumpertz Dam! und Karolinc Dann, geb. Schamcs lctztwillig der ״Israelitischen Rcligivnsgcscllschaft" Hievselbst von zusammen 40000 st. gemacht haben, die landesherrliche Genehmigung erthcilt worden ist. V. Z. <£ö$liu, l 1. Oktober. Der Prozeß wegen

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