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Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 663

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Deutschland : Berlin, 2. Oktober [Nachricht]
Date
1884-10-16
Page
663 (sequence 2)
Language
German
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Herr drcmic«^: war auch ein Franzose! — Herr Pickenbach, -Herr Pickenbach, ich glaube, man lacht Sic aus. Doch fahren Sie wacker fort auf dem betretenen Wege. -Herr Stöcker hat einen gefährlichen Nebenbuhlcr an Ihnen bekommen — nur glaube ich, ist er Ihnen in der ״Richligkci!" noch ein klein wenig über. Doch das macht nicht viel. -a- Berlin, 2. Oktober. Bei Gelegenheit der Rede des Stadtverordneten Pickcnbach vor dem Auditorium des Bürgcrvcreins Sndwest-Friedrichstadt kani folgende Interpellation zur Verlesung: ״Ist cs zu rechtfertigen, wenn ein Direktor von einer höheren Lehranstalt in Ober-Prima am 20. und 29. d. M. an den hohen jüdischen Feiertagen den Unterricht wegen der jüdischen Feiertage aussallen läßt; von nenn Schülern sind drei Christen und sechs Inden; cs ist dies wohl ein trauriges Zeichen der Zeit. Die Anstalt ist das Friedrichs-Gymnasium." Ja wohl, cs ist ein trauriges Zeichen für die christliche Bevölkerung Berlins, daß so wenig christliche Schüler jenes Gymnasinm besuchen und ein gutes Zeichen für den Bildnngstrieb der Juden. 0. Berlin, Oktober. Die so eben vom städtischen statistischen Amte veröffentlichte Zusammenstellung der Bewegung der Bevölkerung Berlins im Jahre 1883 giebt höchst interessante Nachweise über die Eheschließnngen. Der Konfession nach heirathcten von den 10 704 evangelischen Männern 93,7 Provent, von den 1106 katholischen Männern 24,7 Proecnt, von den dissidentischen 21,9, von den jüdischen 86,1 Prozent Frauen gleicher Konfession; Mischehen gingen ein 673 evangelische Männer mit 620 katholischen, 9 dissidcntischcn und 44 jüdischen Frauen. 833 katholische Männer mit 827 evangelischen, 1 dissidentischen und 6 jüdischen Frauen, 25 dissidcutijchc Männer mit 21 evangelischen, 3 katholischen, I jüdischen Frau, 57 jüdische Männer mit 53 evangelischen, 3 katholischen und 1 dissidentischen Frau. ׳Fortsetzung der Korrespondenzen 11. A acht׳ ich! eu auf Seite 0(>r>. 1 Gin gtülüticher Wurf! Erzählung ans dem sechsten Dezennium des vorigen Jahrhunderts. Von S. Kohn, Verfasser von ״Gabriel". (,"״'der imbenwUc '■JiadipvuiJ wird mit aller Strenge t'crjolgt werden. Uet!erje(ulngHrechle Vorbehalten. (Fortsetzung.) Schon in der nächsten Sekunde hatte der auch durch seine Schlagsertigkcit und Geistesgegenwart bewunderungswürdigc Mann sich vollständig gesammelt. Er lachte herzlich und sprach-. ״Wenn ,Kaulen werfet und ,Kegel spiclciO eines ist, hätten wir uit dagegen sprechen sollen!" ״Aber der Nabbi hat ja doch mit uns maskim gewesen meinte Ncb Löb Kassowitz. ״Mein lieber Neb Löb," erwiderte der Oberrabbincr, .,ich habe cS ja nicht nöthig einen so großen Talmid-Ehochom ־) an etwas zu erinnern, was jedes Ehcderkind ׳'*) weiß. Im Prager Bes-din sitzen gewattig große Lomdim4); aber das Prager Bes-din wird sich doch nicht höher stellen wollen, als der größte Mensch der je gelebt hat, als Mosche Nabenu!׳"') Selbst dieser hat geirrt und hat seinen Irrthum eingestanden, warum sollten wir das nicht thnn? .Ich Hab' über die Sach' kein Urtheil gehabt und habe darüber gesprochen, wie der Blinde von den Farben und da habe ich einen großen Fehler begangen! Ich habe niich auf den großen Zadik''׳) Neb Mosche Günzburg- Spira verlassen, weil er gar so gewaltig gegen das Kegel spiel geeifert hat, aber er ist ein gar zu großer Machmir!^) Man soll das Kartenspiel, bei dem die Bachnrim Geld und Zeit verlieren, unterdrücken, aber Kegeljpiel ist, wie ich sehe, der Gesundheit zuträglich und stärkt den Menschen. Wenn die Bachnrim Wochenlang ganze Tage und Nächte in der Stube ain Tische sitzen und die Halocho toszoso^) lernen''), so ist mir'S ganz recht, wenn sie sich einmal — freilich mit Maß — diesem den Körper stärkenden Spiele ergeben. In einem gesunden Gnfwohnt auch eine gesunde Neschoino.") Kegelspiclen kann schon der Natur des Spieles nach nie übermäßig betrieben werden. Eine Kegelbahn haben die jungen i'cutc nicht bei der Hand, sie müssen einen weiten Weg machen, um diese Unter- Haltung zu pflegen und können dies auch nicht zu jeder Zeit thnn; und noch Eines, und das ist nicht das Unwichtigste; wollen wir denn den Bachnrim jede Lebensfreude rauben'? Sollen sic denn Olom Hase') gar nicht genießen? Unsere Bachnrim sind brav. ') Ucbereingestimmt. '0 Talmndgelehrter. :‘i Die Glementarschnle besuchendes. 4) Talmudisten. •') Unser Lehrer Moses. 0) Frommer. ד) Grschwercr. יי: TalmndischeS Thema, das vom Oberrabbiner bestimmt und gleichmäßig an allen Talmudschnlen des ganzen Landes stndirt wurde. Die Rektoren und andere Gelehrte hielten dann Vorträge über dasselbe. '0 fiudiren. "') Körper. 11) Seele. 1j Die irdische Welt.

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