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Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 662

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Jüdische Auswanderer in Amerika
Date
1884-10-16
Page
662 (sequence 2)
Language
German
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lasche 1)ci־doi\ welche töolbftitde cuttjiclt, so daß einer der Beamten bemerkte, ״dasicht gerade nicht wie Armuth and." - - Der andere Fall betraf Selig Großmann mit Frau und sechs Kindern. Er gab mannhaft und offen zn, einer jener Unglücklichen zu sein, welche von d.׳n New-chorlern;nrückgeschasfl worden waren. Er schilderte in Entrüstung die ׳Art und Weise, in welcher man ihn behandelt hätte. Seine Aussage zeigte vollständig die Niederträchtigleit der Handlung und die ladcluswcrthe Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit unserer New Vjorkcr Glaubensgenossen. Bei der Ankunft des DaiupfschifsS wurde ihm geheißen, sich einem Beamten vorzustellen, welcher, ohne an ihn nur eine einzige Frage zu richten, seine und seiner Fannie Znrücksendung nach Europa verfügte. Niemand redete mit ihm in einer Sprache, die er verstand. In der gleichen Weise wurden auch die Anderen behandelt. Er hatte seine Reise nach Newchork selbst bezahlt und hieraus die nach Philadelphia und noch Geld eingcbüßt. Er und sein Sohn sind Uhrmacher; seine Tochter macht Kleider und er bedarf nid){ fremder Wohlthätigkeit. Dieser Fall liefert eine lebendige und offenkundige Darlegung, daß die Klagen über Inhumanität seitens eines Theil der Beamten und über Nachlässigkeit seitens der United Hebrcw EharitieS wahlbegrüudct und gerechtfertigt sind. Dem Knaben wurde die Ausschiffung unbeanstandet gestattet nnd die beiden Familien gingen freudig ihres- Weges. Es war in der That Herzergreifend, den Ausdruck der Erleichterung auf dem Gesichte der Väter, das Vädjcln auf dem sorgerfüllten Antlitz der Mütter unb die Freude und Dankbarkeit der Kinder zu sehen, als mau ihnen bedeutete, daß sic au'S Vanb gehen dürften. Das allein wäre wohl die Arbeit eines halben TageS werth. Wie in früheren Fällen, so hatte auch jetzt Herr Simon Muhr die persönliche Verantwortlichkeit übernommen, daß Keiner eine Last für das Gemeinwesen werden würde. Dieser würdige Herr erließ auch eine öffentliche Aufforderung an die jüdischen Rabbiner oder Prediger Philadelphia S, in welcher er die bcklagenSwerthc Vage vieler jüdischer Einwanderer schilderte und cs als die Pflicht der Geistlichen vor Allem bczeichnctc, durch häufige persönliche Kenntmßnahme von dem Veit) unserer armen Brüder zu dessen Linderung beizutragen. Korrespondenzen und Nachrichtcu. Deutschland. * .Hcnnrvver, 5. Oktober. Eiucr unserer geehrten Leser in Algier weist unter Bezugnahme auf die in Nr. 38 gebrachte Statistik der Juden in Preußen daraus hin, daß der prozentuale Authcil der höhere Schulen besuchenden Evangelischen 1/r. größer ist als ihr prozentualer Antheil an der Bevölkerung, der der Katholiken halb so groß, der der Juden 7H.-1 mal so groß. — Wir sind für diesen Hinweis sehr dankbar. -a- Berlin, 2. Oktober. Erschrick nicht, lieber Vescr, daß ich dich schon wieder einmal mit einer antisemitischen Plauderei belästigen will. Denn mit gutem Gewissen und freien! Sinne trete ich dir unter die Augen, da cs heute nicht dem Herrn Hosprcdigcr, sondern einem von seiner Dienerschaft gilt. Also eilte Slnjt tiefer hinab und vergiß diesmal den schönen Satz, welcher von dem Pech behauptet, daß man sich, wenn man cS berührt, damit besudelt. Da alles, schön systematisch geordnet, einen bessern Eindruck macht, als ungeregelt und durch einander geworfen, so habe ich mici) bemüht, die Antisemiten in drei Klassenzu theilen, ohne aber damit durchaus behaupten zu wollen — daß sie sich so geradezu schön anSnehmeu. Gott bewahre! Dadurch wurden nur aus der Antisemiten- Gesammlheit die Schlacken auSgesondcrt und für sich besonders gestellt. ׳Nun denke Dir, verehrter Leser, wie die Schlacken der Antisemiten beschaffen sein müssen. Rufen wir zur bessern Sichtung die Herren Antisemiten nach Klassen ans. Also zuerst herbei Ihr Alle. Ihr a u st ä u d i g e n, noble n Antisemiten! Hu! Wie das krabbelt und schwirrt! Da strömt die ganze Masse heran. Alle )vollen natürlich zu dieser Klasse gcrech net werden. Nichts da. zurück, ihr Schlagctodts! Platz gemacht! Bitte, Herr Landrath von Köller, treten Sie ein! —Weg da, Kerl, zurück, du meinst wohl, du seist ein anständiger Antisemit, Henriei, fort da, Pickenbach, mache dem Herrn Regierungspräsidenten von Ticdcmann Platz: ah, Herr von Hammerstein, bitte, bitte, nur immer herein!-So, jetzt kommt die Mirrcisorte! Wenn du dich so vordrängst, Eremcr, so kommst du in die letzte Klasse. Nnr zu Stöcker, Wagner, Inner, Eremcr! — Jetzt der Rest! Henrici, Nuppel, Liebermann von Sonnenberg, Pickcubach — schau, schau, Herr Pickeubach! Ei, siehe da! der kluge Herr Pickenbach, der doch behauptete, er sei ein anständiger Antiscmit, und der erst kürzlich so schlau gewesen ist — beinahe so schlau, wie Herr Stöcker. Er hat nämlich beweisen wollen, die Juden seien keine Deutsche. Erstlich bedarf daS gar keines Beweises, das hat noch Niemand behauptet, ebensowenig wie die Ehristeu Deutsche sind; denn es gicbt französische, englische, russische, spanische :c. :e. Ehristeu. Nun, Herr Pickcnbach hat cS für nöthig gefunden, eine bekannte Sache noch einmal zu beweisen. Ein böses Zcnguiß für ihn imb seine Zuhörer. Zweitens ist der Beweis — doch hören Sic ihn! Ercmicux habe einen Preis auf das Haupt unseres Kaisers und Kronprinzen gesetzt! Ganz richtig!

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