Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 41-42 (16.10.1884)
- Article
- Herr Samuel Montagu über Amerika
- Date
- 1884-10-16
- Page
- 655 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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055 ebensowohl in der Neuen Welt c\oübt werden kann, ' wie in der alten. S a 11t nel M ontagu, K.'risington Palace Gardcns, 12. September 1884. So Herr Samuel Montagu über einzelne Erschcinungen des jüdischen Lebens in einzelnen aiuerikanischen Städten. Der chreuwerthe Herr genießt eines zu hohen Ansehens in den weitesten Kreisen, als daß diese Beobachtungen nicht ans vollster Notorietät Ansprach erheben könnten. Wir sagen ihm unfern Dank sür die Offenheit, mit welcher er sich ansgesprochen hat, und sind überzeugt, daß seine Worte auch jenseits des Ozeans einen tiefen nachhaltigen Eindruck ausüben werden, der hoffentlich nicht ganz ohne wirksarnen Erfolg bleiben wird. Wnchtgestirne. Historische Novelle ans der Feudalzeit Ungarns Von Samuel Bert hold No Sn er. -- (Ju1d}v>nut i'crboU’U u. lieber. icinui^ovcdit i'orl'clirtlU'u. 1 Forlsetzinig.) Wenn Du schuldig bist," fuhr Ehajim nach kurzer Pause *fort,4' fo muß ich Dein Mitschuldiger sein. Mit Dir vereint, mein thenrer Bruder, will ich dereinst durch Gottes ''Gnade befreit den Kerker verlassen oder, wenn cs so beschlossen ist, mit Dir vereint zu Grunde gehen." Die Blicke der beiden Männer erglühten in heiliger Begeisterung, sie begegneten sich wie zwei goldene Strahlen der Frülsiingssonne. So blickten sic einander eine Weile stumu! in die Augen, dann sielen sie sich in die Arme und hielten sich lange umschlungen. Da trat der dritte der Brüder zu ihnen hin und sprach mit bewegter Stimme: ״Brüder, wir haben immer in treuem Einvernehmen gehandelt, laßt uns dieses Einvernehmen nicht zum ersten Mal anslösen. Es wird mir nichts nützen, wenn ich Euch feig im Suche lasse, cs ist allgemein bekannt, wie treu wir zusanunengehalten haben bei allen Vorkommnissen des Lebens - meint Ihr, man wird cs Euch glauben, daß ich von der wichtigen Handlung nichts wußte, welche Ihr Zwei ansgesührt haben sollt? Seid überzeugt, daß inan mich in Eure. Gemeinschaft hineinziehen wird, selbst wenn Ihr inich von derselben' ansschließen wolltet. Gebt mir also Gelegenheit, dasjenige in Ehren und freiwillig wählen zu können, was mich auch sonst ereilen wird -- nehmt mich auf in Euren Bund!" Die zwei Brüder nickten stumm. — ׳ Sie saßen noch lange beisammen, ohne daß zwischen ihnen auch nur ein Wort gewechselt wurde. Ihr großes, edles, aber auch verhängnisvolles Borhaben erfüllte sie ganz. — Die Brust dieser drei Männer waren Tempel des Heiligthums geworden, welchem sie bald zit Opfer dienen sollten, und cs schien einem Jeden der Entwcihnng dieses Tages gleich, in seiner geweihten Stille einen Laut ertönen zu lassen. Darum schwiegen sie. — Durch die kleine dicht vergitterte Lücke, welche in unerreichbarer Höhe an der Kerkermancr angebracht war, blickte ein einziger, aber wunderbar großer und strahlender Stern vom klaren Nachthimmcl aus die Gruppe der drei Männer herab. — Das Knarren der Gefüngnißthüre erweckte sie. ״Auf," sagte Inro, der hereingetrctcn war, ״Ihr müßt fort ans diesen Räumen. Der Mond ist zur Halste schon untergcgangen, röthliche Lichter durchbrechen die Dunkelheit im Osten, und von Ost nach West erlischt ein Stern nach dem andern. Bald wird der Morgen angebrochen sein, kommt, damit ich Euch im Schutze der Dunkelheit wieder zurückführe." Die Brüder schieden von einander mit dem Gruße: ״Auf Wiedersehen!"-Morgenzwielicht hüllte noch Berg und Thal mit grauen Nebelschleiern, als sich das mächtige eiserne Hauptthor der Burg aufthat und einen Boten ins Freie ließ, der eilenden Schrittes zuin Thal hinab und über die niedergelassene Zugbrücke dem Städtchen zneiite. In der Hand hielt er ein großes Schreiben, welches mit großen amtlichen Siegeln versehen war. Er lief spornstreichs zur Psarrerswohnnng, wo ihm ans sein Klopsen die alte Hanna, mürrisch über die frühe Störung, die Pforte öffnete. Der Pfarrer lag noch im Bette im ’ tiefsten Schlafe, als ob cs Mitternacht wäre. Hanna stand eine Weile rathlos mit dem Briefe in der Hand an der Thür, nicht wissend, welches Mittel energisch genug sein werde, den ehrwürdigen Herrn zu erwecken. Es war das ein schwieriges und gefährliches Unternehmen, denn der ehrwürdige Herr konnte wütyend werden wie ein angeschossener Eber, wenn man ihm den süßen Schlaf verkürzte, aber — ein amtliches Schreiben ans der Burg mit vielen Siegeln versehen, das war ein Ereigniß, wofür Hanna auch das Schlimmste wagen zu müssen glaubte. Endlich halte sie es gefunden. Im Bücherschränke oben stand ein kolossaler Foliant mit dicken Holzdcckeln ----- ein wahres Monstrum von einem Buche, welches auch dem ehrwürdigen Herrn so grauenhaft erschien, daß er sich seinetwegen nie in die Nähe des Bücherschrankes wagte, ans diesen Schrank nun schritt Hanna mit entschlossenen Schritten los, während ihre Lippen ein Paternoster murmelten, welches sie vor allen bösen Folgen ihres Vorhabens beschützen sollte. Plötzlich fiel der Foliant mit donnerndem