Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Deutschland : Aus Süddeutschland [Nachricht]
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 644 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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644 M 2ll!s Süddeutschland, הכפויים v>\ Der 1{))]'1^,׳i1־i[u" war flcftcni das allgemeine Gesprächs- 1l)cma in n nie rer Gemeinde, jo daß die oblicjatc שבת שוכר, Predigt völlig in den Hintergrund trat. In der im־mv:n Hu!!vsi1,nagoge ist iidmlid) schon seit Jahren auch der Kot lUibvc der RIg'orinwmh;11111 CpfiT gefallen.; Ihr neisticher Ve!tarntet, welcher in klarer und iibcr-;engender Weise den alten Brauch, den 30m Kippur-;!^olceediens! mit dein Kol Ridre cinznlciten, rechtfernste, ivandeite von Hand;u Hand, und von Manchen, ' die uichto iveniger ata der orthodoxen Richtung ange- Horen, konnte inan die Beinerknng hören: Es ist doch! eigentlich mucdit von unseren Rabbinern, daß sie die ׳, alten Gewohnheiten des israelitischen Gottesdienstes nicht ' in solcher Weise nnscrcin Verständnisse näher gebracht! haben, es in tu de sonst Manches sich anders gestaltet haben; j wir hätten uns sicherlich besonnen, bevor wir abschassen, ' was uns nicht verständlich ist, was uns nicht znsagt,! weil ivir Vnicn eben nichts gelernt haben; wir Hütten ׳ die Eilten nicht ans der Synagoge vertrieben, und die : Spaltung in der tcherneindc wäre vermieden worden.; 30 haben Manche gesprochen, Biele aber haben ebenso gedacht, und wenn liidjt der Zclbstdünkcl und Stolz zu mächtig wären, so würde im Kreise der Reformer eine Agitation zur Wiedereinführung des Kol Ridre noch für heute Abend in Szene gesetzt worden sein, ׳?licht nm Ihnen, geehrter Herr Redakteur, eine Freude;11 bereiten,!heile ich Ihnen dieses mit und bitte nm Veröffentlichung dieser flüchtigen Zeilen, sondern nm die Thalsache;1! konüaliren, daß die Unwissenheit der!Gemeinden au einer gedankenlosen Reform Schuld trägt. Eine größere Verschuldung!risst aber die Rabbiner, weiche es unterlassen haben, die Gemeinden ausinklären. Ich bin überzeugt, daß durch Abhandlungen, wie die in Webe stehen den, den nicht sanatisirlcn Reformern der Vaienwell die Augen geöffnet werden könnten. Möge es Ihnen gefallen, durch ihr geschätztes Organ auf dieser Bahn sor-ziiiahren. Wenn Sie and) unmittelbare praklische Erfolge dadurch nicht erzielen sollten, so wird doch indirekt durch solche Abhandlungen viel gewirkt. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lesern von Herzen נ כר התיכה טובה und dem ,,IeschnrmG eine stets wachsende Verbreitung. -1!- 'ihit’iri), :><). September. Unsere Gemeinde ist durch das. Hinscheiden des ehrwürdigen Herrn Joseph Eohen in tiefe Trauer versetz! ת׳ב׳צ׳ב׳ה. O e ft c v re i ch - U n g a r n. •||!: Pest, :i0. September. Ich beeile mich Ihnen den folgenden Passus ans der Thronrede, mit welcher König Iran; Joseph gestern den Reichstag eröffnet hat, als für uns Israeliten besonders bedeutungsvoll mitzntheileu. Die Schlußworte lauteten wie folgt: ״Sie werden die Zeit des ungetrübten äußeren Friedens dazu benutzen, um mit Weisheit und, wenn nölhig, mit aller Entschiedenheit die inneren Ucbelstände zu beseitigen, die zu Reibungen zwischen den )Nationalitäten, den Konfessionen und Gescllschastsllasscn führenden Aufreizungen zu entfernen, damit die verschiedenen )Nationalitäten, Konsessionen und Gesellschaftsklassen in den Ländcrn der heiligen Stcsanskrone im Zusammenleben gleichmäßig ihre Befriedigung finden und mit vereinter Kraft und Begeisterung zur Hebung des Wohles, des Ruhmes und des Glanzes des Throns und Vaterlands Zusammenwirken Mit dem Ausdruck des in dieser Richtung gehegten Vertrauens und mit dem Wunsche, daß der Allmächtige Ihre Wirksamkeit segnen möge, erklären Wir diesen Reichstag für eröffnet." 8. P. 21113 Ungarn, September. Auch in Ungarn versucht die. frechste Neologie das Haupt zu erheben. Ein Trifolium Apostaten hat sich unter Führang eines abgesetztcn Rabbiners znsammengcthan, nm die Veste des Indcnthums zu erstürmen nnd ans deren Trümmern die Fahne der Apostasie auszupflanzen. ThörichteS Beginnen verwogcncr Sterblicher, diesic sich anmaßen, den Kampf wider Gott nnd sein Gesetz bestehen zu können! Sic gehen unter, und ihrer wahnwitzigen Unternehmung gedenket kein Mensch fürderhin. — Der erste Versuch hat vorläufig mit einem glän-;enden Fiasko geendet. Selbst die nichtorthodoxcn Kreise haben diese Kampagne gegen das Jndenthnm nid)t mitmad)en wollen. Da man aber trotzdem nicht wissen kann, ob der einmal vergeblich unternommene Vcrsuch nicht wiederholt wird — 111!b zwar möglicher Weise mit besserem Erfolge —, so möge das Programm ״der sich zu bildenden reformirtcn Synagoge", so nennt sich diese ungarische, religionslose Religion, wie solches proklamirt ist, kurz skizzirt werden. Kuriose Leute, diese Ncligionsstister; sie werfen mit Phrasen um sich, die sich gegenseitig miede rsprcchcn. Der erste Punkt lautet: ״die veformirtc Synagoge steht ans positivem Gtanbcnsbodcn," der zweite aber nimmt das ״mosaische Gesetz mit Ausnahme aller jener positiven Bestimnmngen," welche mit dein ״gebildeten Bewußtsein re." sich nicht vcreinen. Demgemäß hat der Talmud ״selbstverständlich" keinerlei ״didaktische Autorität," demnach würden die Speisegesetze und -Verbote mit Ausnahme des Mazzothgebot am ersten Pessachtagc, das Wcrkvcrbot an Sabbathnnd Festtagen, mit Ausnah ine deS Neujahrs- und Versöhuungstags, das Ehcgesetz, insofern solches von dem jeweiligen Landesgesetz abtvcicht, einfach abgeschasst. Desgleichen wird die Besd)neidung als fakultcrtiv erklärt, ebenso die religiöse Ehescheidung; und die ungarische Sprache als ordentliche Gcbctssprache des öffentlichen Gottesdienstes cingesührt. Behauptet wird