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Jeschurun · 1884-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1884) · p. 643

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1884)
Article
Deutschland : Nakel [Nachricht]
Date
1884-10-02
Page
643 (sequence 2)
Language
German
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643 antworten. Und doch haben wir Herrn v. Ticdcmann für nicht weniger antisemitisch zu hatten als die bekannten Antisemiten - Führer. Er hat das ja selbst ausgesprochen. Gewiß ist er entschieden gegen eine direkte Jndcnhctze, einen Massenmord, eine Austreibung, aber überhaupt gegen den Antisemitismus nicht. 2a, so lange die Bewegung in den bisherigen Bahnen bleibt, halte er sic in ihren Zielen für unklar, und in ihren Bütteln für verwerflich. Aber auch nur eben so lange. Das will doch sagen, daß, wenn dem Antisemitismus eine andere, sagen wir, anständigere Richtung gegeben sei, er denselben nicht für verwerflich halte. Die Ziele sind unklar, d. h. sic sind nicht verwerflich, nur müßten sic bcstimniter ausgesprochen und vernünftiger sein, die Mittel sind verwerflich, d. h. diese Mittel, welche die jetzigen Führer aimicitbcn; als da sind Hetzereien, Schmähungen :c., sind wohl verwerflich, aber andere Mittel — seien wohl eher am Platze. Ferner will Herr v. Tiedemann die bürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung erhalten wissen — die bürgerlichen Rechte. Das glauben wir gerne. Er will wohl dulden, daß die Inden Handwerker, Kauflente, ja meinetwegen auch Gelehrte werden dürfen — wie denkt er aber über die politischen Rechte derselben? Er schweigt und schließt sie .durch einfache Erwähnung der bürg erlichen Rechte aus. — DaS Nesnnm ist demnach, daß Herr v. Tiedemann zwar keine Gcwaltmaßrcgeln gegen die Inden will, daß er aber dennoch dulden würde, wenn ihnen, vor allem in politischer Beziehung, die gleichen Rechte mit ihren christlichen Mitbürgern ent- Zogen würden. — Wir sehen also — Herr v. Tiedcmann diene als Repräsentant — daß cS eine Anzahl hochgestellter Personen giebt, welche zwar nicht mit den antiselnitischcn Dransschlägcrn gehen wollen, welche aber dennoch in hohem Grade Antisemiten sind. Welche sind uns gesährlichcr? R.S. Ans dem Braunschweigischen, Ende September. Mit dem Ableben unseres Landrabbiners, Professor Dr. Hcrzfeld, ist an uns die Pflicht hcrangctreten, uns ein neues Haupt zu wählen. Aber noch hat man im Lande keine Schritte gethan, um sich zu einer Wahl zu rüsten, noch hat man nicht sein Augenmerk auf irgend einen gerichtet. Und doch bcdürfen wir dringend eines Mannes, der für unser jüdisches Leben in echt jüdischer Weise sorgt und zwar in einer Weise, wie wir sic bislang noch nicht ersahreu haben. — Nur in unserer Hauptstadt hat man möglichst eilig einen Nachfolger schon erkoren, nämlich den Adjunkten des verstorbenen 'Rabbiners, Herrn Dr. N n l s. In gewisser Weise ist dieses aber ein Gewaltstreich zu nennen, denn das Gesetz giebt der Stadtgemeinde nicht das Recht dazu. Auch wir, die jüdischeu Landbewohner, haben bei einer Wahl ein nicht unbedeutendes Wort mitzusprcchen und wir sind durchans nicht gesonnen, unö unser Recht nehmen zu lassen. Deshalb richte ich an Euch, Ihr jüdischen Bewohner des HerzogthumS Äraunschweig, die Ansforderung, Euch zu erheben und bei der Regierung die nöthigcn Schritte zu thnn, eine Neuwahl zu veranlassen. Die Aelteren unter Euch erinnern sich gewiß noch dcS ehrwürdigen LandcSrabbincr Rabbi Sabel Eger ז״ל und seiner gesegneten Wirksamkeit. Lasset uns einen Mann wählen nach dem Sinne dieses ehrwürdigen nnvcrgcßlichen Entschlafenen, der gleich ihm Milde und Freundlichkeit mit ernster Frömmigkeit vereinigt, gleich ihm uns das Beispiel eines ge'.visscnhaftcn obersten Lehrers und Führers gewährt, gleich ihn!!ins zeigt, wie der Rabbiner vor Allem selbst alle Gebote der heiligen Religion zu beobachten habe, gleich ihm dafür Sorge trägt, daß in unseren Gemeinden wieder altjüdischc Frömmigkeit und Innigkeit einzichcn. Wir haben die Frömmigkeit und Glanbcnstrenc, welche von der Reform gepflegt werden, gründlich kennen gelernt in der Entweihung deS SalibathS, in der Verletzung der Speise-- und anderer Gesetze. Soll das Iudenthnm bei uns noch ans Bekenner fernerhin zählen können, so bedürfen wir eines wahrhaft frommen Mannes, welcher sich als erster Diener und gehorsamer Sohn des ReligronSgesctzcs durch die That bekundet, der nicht nur fromm spricht, sondern auch fromm handelt. -t- Mannheim, 22. September. Sie brachten in ihren letzten Nummern Berichte über die jüdischen Zustände in Amerika, und schilderten darin die Thorheilen der Reformer. Doch Amerika soll Europa auch hierin nicht über sein. Es wäre ja auch eine Schande für unsere deutschen, altehrwürdigen Ncformhcldcn, die doch schon vor den amerikanischen Inden-Pfaffen die Pfade der neuen Richtung betreten, wenn sie sich von diesen überflügeln ließen. Hier in Mannheim hat man denn auch in ״würdigster" Weise das ־ראש השבה Fest gefeiert. Ein reichhaltiges Programm ist ansgestellt, welches die ״Neue Badische LandeSztg." bringt: ״Der Syuagogen-Ehor wird um neun Uhr in der Synagoge unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Musik-Direktor Hänlein, den 61. Psalm für gemischten Ehor, Sopran und Harscnsolomit Orgclbegleitung von Ovcrthür zur Aufführung bringen. Den Sopran-Solo hat Frau Matter, welche schon öfters durch ihren seelenvotlen Gesang entzückte, in freundlichster Weise übernommen. Für das Harfensolo ist Herr Moser, Mitglied dcS Großhcrzogl. Hof-Theater- Orchesters in Karlsruhe gewonnen." Ob Kinder die Hälfte zahlten, weiß ich nicht. Wenn es wäre, so hätte wahrscheinlich Niemand volles Entree geleistet. O über die Thorhcitl

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