Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Im Sturme
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 641 (sequence 1)
- Language
- German
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M 40 11. 41. Im Sturme. Von Icdidjah. ES raget ein hoher Felsen Am schroffen Meeresstrand — Drum heulen und rasen die Stürme, Zn stürzen die felsige Wand. Dräns stehet fest, unbeweglich Eine hohe, stolze Gestalt — Ob stürmen die Wellen, Orkane, Sie schreckt nicht die wilde Gewalt. Sie schauet beständiggen Osten, Erwartend den HoffnnngSstern, DaS rosige Leuchten der Sonne — Noch ist ja der Morgen jo fern. So steht sic schon lange, schon lange — Wird'S nimmer denn werden ihr licht? Schon wanket der Felsen im Sturme, Sie bebt — doch entweichet sie nicht. Dn weißt, daß einst leuchtet der Morgen, Dir, Indah. oom Sturme.umtobt, Daß kommt einst die Zeit der Verheißung, Die Gott dir zu senden gelobt. KimcsMdcilzcn und Nachrichten Deutschland. -rm. Berlin, 24. September. In der am 23. September stattgehabten Bersannnlnng des ersten Wahlkreises äußerte sich der Abgeordnete Di׳. H c r - meS über die Führer der antisemitischen Bewegung, nach der ״Vossischen Zeitung", ,folgendermaßen: .,Herr Stöcker und Wagner leisten alles Mögliche; ihre Aenßcrungen überschreiten das Maaß eines anständigen Wahlkampfes. Nach Herrn Stöcker soll cs eine Schmach und Schande sein, in Ber-!in einen Juden zu wählen. Herr Löwe hat mehr in seiner Fabrik im praktischen Christenthum geleistet als Herr Stöcker. Eine Schmach und Schande ist die Judenverfolgung dieses Herrn, wir haben nur Abscheu, Ekel und Verachtung dafür Nehmen sie Herrn Stöcker diesen Mantel der Hetze und cS bleibt nichts übrig. Er steht an der Spitze dieser unsittlichen Bewegung und deshalb haben wir nur Verachtung dafür. DcShalb hoffe ich auch, daß sein Zwillingsbruder Herr Wagner nicht gewählt wird. Sollte er dennoch gewählt werden, so würden wir ihn auch verdienen. 0. Berlin, 24. September. Es kann die Aufgäbe eines Korrespondenten für den ״Jeschnrun" nicht 641 Jeschiirmr. I sein, irgend welche Parteistcllung zu den bevorstehenden NeichStagSwahlen zu nehmen. Er muß eben nur — wenn er cS sich zum Ziel gesetzt hat — die Acßernngen der betreffenden Redner in den Vorversammlnngcn der verschiedensten Parteien berichten, soweit sie ein speziell jüdisches Interesse verdienen. Allerdings, wenn ich hierin Herrn Stöcker's Aenßerungen folgen würde, so müßte ich unbedingt alles, was auf die söge-- nannte Fortschrittspartei Bezug hat, rescriren, da ja nach ihm FortschritSpartci und Iudenthnm so ziemlich dasselbe ist. Nun, die Meinungen sind halt verschieden. Ich will auch durchaus nicht mit Stöcker darüber rechten. Meine Aufgabe soll cS sein. Ihnen nur über tue Reden derjenigen, welche sich nicht zu der neuen Konfession ״Antisemitismus״ bekennen, zu beberichten. Am 23. d. M. beleuchtete der. Reichstagsabgeordnete Di׳. Phillips die Wahl im 11. Wahlkreise und die Herren Stöcker. Wagner nebst Konsorten im fortschrittlichen BezirkSverein der Potsdamer Vorstadt. Ich gebe hier ziemlich wörtlich aus der Rede die bezüglichen Stellen: ״lieber die Wahl im zweiten Wahlkreise sprechen, heißt, so führte er aus, den Finger in eine der schmerzhaftesten Wunden des öffentlichen Lebens legen, heißt, abermals die Ausgeburt des rasendsten KlasseuhasseS beleuchten, der unter dem Titel AntlscmitiSmuS schon seit 3 Jahren als Pfahl in unserem Fleische steckt." Sodann führt Redner aus, daß Stöcker und Genossen den Konservatismus nur als Deckmantel für die Judcuhctzc gebrauchten. ״Hier in Berlin mögen die Antisemiten nur getrost die konservative Fahne in die Tasche stecken, hier täuschen sie Nicmaud damit, hier ist die Frage gestellt: Für oder wider die Juden-- Hetze. Ucber die wahren Ziele der Antisemiten giebt eS hundert verschiedene Antworten, und nur wenige sind so ehrlich, mit der Sprache herauszulommen. Die Iudcuhetze sollte zuerst eine religiöse Frage sein. Wenn sie wirklich nichts weiter sein sollte, als ein Fischzug nach dem Sinne des Apostels PetruS, dann sind doch die Maschen der Netze sehr ungeschickt gekuüpst, denn bis jetzt haben sich nur zwei Fischlein darin gefangen: Nathan Schlesinger und Elias Eohn! Wenn sich heute nicht viele Juden taufen lassen wollen, so ist dies kein Wunder, denn Herr Stöcker hat mit dem Ehrislenthmn in einer Weise gcwirthschafcet, auf welche ein gclcgent lichcö recht derbes Wort Luther'S paßt. Die Indcusragc ist zur Rassefrage geworden." Stöcker wisse ganz gut selbst, daß das Ende dieser Nassefrage ein Massenmord sein müßte; er behaupte zwar immer, er könne nichts für die Bewegung außerhalb Berlins, juble aber, daß die ״große Bewegung" von Berlin aüSgegangen sei. ״Wenn Herr Stöcker seine Erfolge in der Iudcuhetze als einen Segen Gottes preist und den lieben Gott gewissermaßen als Bundesgenossen in den Wahlkampf