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Jeschurun · 1884-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1884) · p. 632

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1884)
Article
Nachtgestirne
Date
1884-10-02
Page
632 (sequence 2)
Language
German
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OB 2 entrungen haben, so wird mir Vergebung werden vor seinem Nichtcrthrone, vor welchem ich bald erscheinen werde. - Ach, ich bin ja nur ein schwacher Mensch, und;!!eine beiden waren groß — groß-Nach einer kurzen Pause, während welcher er sich ein wenig beruhigt hatte, sagte er düster, aber entschlossen: ״Die einige Gnade, um welche ich noch ans dieser Welt zu meinem Schöpfer flehe, ist, daß mir gestattet sei, mit meinem Tode jenen Fleck zu tilgen, -mit welchem ich den reinen Namen unserer Familien gcbrandmarkt habe. Wad nützte cd mir, auch wenn ich and dem Kerker befreit würde? Ich gelte nun einmal für den Dieb und der würde ich bleiben Zeit meines Gebens." ״Thn Dir selbst kein Unrecht an, Bruder," ries Ehajim lcb.haft, ״Du gilst für keinen Dieb, Jeder im Dorfe, Jude sowohl als Christ, ist von Deiner Unschuld überzeugt. Muß ich Dich denn erst an die Worte des alten Marko erinnern, welche er bei Deiner Verhaftung sprach? Cr bcthcncrt immer noch, daß Du unschuldig leidest, und das ganze Dorf glaubt seinen Bethcnernngen." ״Ist das wahr?" fragte Salomon mit leuchtendem Angesicht, ״sagst Du das nicht nur, um mich zu trösten "׳ ״So wahr Dich der Allmächtige bald befreit in den Schooß Deiner liebenden Familie zurückznführen und uns allen seinen Erlöser schicken möge, ich habe Nichts als die Wahrheit gesprochen!" ״Heil dir. Allgütiger," jauchzte Nohrbach mit zum Himmel erhobenen Händen, ״jetzt sterbe ich gerne, nachdem ich weiß, daß mich die Stimme des Volkes vom Verbrechen freispricht! — Wohlan, meine Brüder, vernehmt meinen Entschluß, von welchem ich mich durch Nichts in der Welt abbringcn lassen werde. Ich weiß, daß ich die einzige Schuld trage an dem Unglücke, welches jetzt viele unserer armen Glaubensgenossen bedroht, und darum liegt es mir ob, insoweit cs in meiner Macht ist, dieses Unglück wieder abzuwenden. Ich werde des pfäsfischen Bösewichts Willen thun, ich werde cingestehen, die Kirche beraubt zu haben. Dadurch, daß ich dem Böscwicht gestatte, an mir seine Rache zu kühlen, wird er seinen Zorn von den übrigen Juden ablenkcn." Die zwei Brüder schüttelten schweigend das Haupt. )!ach einer kurzen Pause fuhr er fort: ״Aber auch Ihr, meine Brüder, inüßt mir zum Ncttungswcrkc vieler Hunderter jüdischer Fainilicn hülsreiche Hand bieten. Der blutdürstige Mensch hat an meinem Blute nicht genug, er sagt, ich muß bei der Ausübung de« Raubes Helscrshelser gehabt haben, und peinigt mich, daß ich sic verrathen soll. Wenn ich also auf die Znrückziehung des Ausweisungsbefehles hoffen soll, muß ich auch diesen Theil des Wunsches meines Erzfeindes erfüllen können. Ich muß Semanben haben, der gleich mir bereit ist, sich zum Diebstahl zu bekennen. Einen solchen schasst mir her, in der möglich kürzesten Zeit, 1cm den Preis meines ganzen Vermögens." ״Und wenn Du das Zehnfache Deines Vermögens zu verschenken hattest," entgegnete Ehajim, ״Dn wirst keinen Inden finden, der dafür seine Ehre und sein Leben verkauft. Alles, was -der Mensch hat, giedt er hin für sein Leben." ״Aber cs wird sich ja nicht um das Leben des Betreffenden handeln. Ich werde bemüht sein, die Hauptschuld aus mich zu wälzen, ich werde der cigentliche Schuldige sein, der den Raub ersonnen hat, der Andere ist nur mciit gedungener Handlanger gewesen, und dafür kann er umnöglich mit dem Leben bestraft werden. Man wird ihn auf einige Zeit der Freiheit berauben, dafür aber wird ihn nach seiner Befreiung der Genuß meines Vermögens entschädigen." ״Ich glaube trotzdem nicht, daß sich Jemand dazu hcrgcben wird." Es entstand eine Panse. Ehajim hatte den lies gesenkten Kops aus die Hand gestützt — nach einer kurzen Weile tiefen Nachdenkens begann er wieder: ,.Und ich möchte Dich dennoch beschwören, von Deinem Vorhaben abznstehen, denke an den Jammer Deines Weibes und Kindes." ״Daran soll ich denken und an den Jammer vieler Hunderte von Familien nicht? Geh, Bruder, das kann Dein Ernst nicht sein." ״Du hast Recht," seufzte Jener, ״wahrlich, ich bin kaum werth, mich Deinen Bruder zu nennen. Oh, was würdest Du erst sagen, wenn Du den Jammer in den Gassen S—zs gesehen hättest! Also, cs bleibt bei Deinem Vorsätze und ich habe auch schon Einen, der die Rolle des Mitschuldigen übernehmen wird." Dein Munde Salanwns und des andern Bruders entfuhr ein Ausruf des Staunens. ״Was staunt Ihr? — Du warst im Unrechte, als Du vorhin sagtest, daß Du die ausschließliche Schuld an dem Unglücke trägst, welches über alle Juden der ganzen Umgebung das größte Elend zu verhängen droht. War cs nicht mein Sohn, der leider den ersten Anlaß gab, daß sich der Zorn des rachsüchtigen Pfarrers gegen uns richtete?" ״Verzeih, das ist cS nicht," — wendete Salomon ein, aber sein Bruder schnitt ihm das Wort ab. ״Jetzt ist es an mir, Dich zu ersuchen, mich mit keinem Worte von meinem Entschlüsse abbringcn zu wollen — cs wäre vergebliche Mühe. Oder meinst Du, ich könne für eine edle Sache keine solche Stand- Hastigkeit an den Tag legen wie Du? (Fortsetzung folgt.)

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