Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-09-25 · Heft 39 (25.9.1884) · p. 622

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 39 (25.9.1884)
Article
[Rezension]
Date
1884-09-25
Page
622 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933088--16786-2958703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

622 Zeremonie zu Ende geführt habe. Die Verwandten und Freunde der Familie schauen fröhlich darein. Ob die eine Dame besorgt die Thüre znhält, daß kein rauher Zugwind in den Raum dringt, wo das Knäblem und die Wöchnerin weilen'? — In zwei Stichen wird uns die Trauung vvrgcführt, nach dcnlschcm und vertugiesischem Ritus, die crstcrc Trauung anscheinend auf dem Synagvgenhosc, in dem Augenblicke, wo der Bräutigam der mit ihm von einem Talith umhüllten Braut den Ring anstcckt, genau nach der Weisung des vor Beiden stehenden Rabbiners, die andere im Prunkgemach, in einem noch etwas vorgerücktem Stadium; der Bräutigam wirft das GlaS zu Boden, um cS mit dem Fuße zu zerbrechen. An zahlreichen karaktcristischcn Gestalten und Musikanten ist sowohl bei den Deutschen wie Portugiesen kein Mangel. — Ein ergreifendes Bild ist das folgende, die Hakafoth um die Bahre, wie solches bei den Portugiesen Brauch. Man zählt nicht weniger als dreißig höchst karaktcristische Köpfe. Diesem Blatte schließt sich ein ferneres, das Schließen des Grabes, an. Ein ״Ehomez-Gattel-Abend", ein! Scder-Äbend und das Festmal in der Sncka, drei herrliche, lebenswahre Bilder, schließen die Gallerie dcS EinzellcbenS. — Nicht minder anziehend sind die! ferneren sieben Blätter, welche uns in die Synagoge! führen und die Hagbaha, den Pricstcrscgen, das! Schosarblasen, Jom Kippur. Hakafoth ant Hoschana '! Rabba, Simchath Thora und das Hernmsührcn der Ehataue Thora und Acrcschith darstellcn. Wir müssen cS uns versagen, jeden dieser Stiche einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. Wir wünschen dieser Gallerie die allcrwcitestc Verbreitung. Gin glücklicher Wurf! Erzählung ans dem sechsten Dezennium des vorigen Jahrhunderts. Bon S. Kvhn, Verfasser von ״Gabriel". n»l׳csu>uc ־JJad>t>nu־f wird mit aller 21rc1tt!c pa’>U',t werden. Uedev׳>y>u!§red,te vort׳el>at׳.e>>. Der Pfiffige Bursche hatte zu seiner nicht gcringeuBcrwuudcrung gesehen, wie außerordentlich freundlich und artig sich sein Gebieter gegen den jungen Juden denommcn, er sprang in die Höhe und übte sofort seines Amtes, indem er die Kegel aufstelNe. Unwillkürlich waren der schwarze Löb und David Manetin etwas näher getreten; aber sie hielten sich noch immer in respektvoller Entfernung von dem verpönten Kegelplane. Gcrschom stellte sich am untersten Ende der Bahn, nahm die Kugel zur Hand und nachdem er sich mit dein Oberleib vorgebcugt, und die Rechte einigemal geschwenkt hatte, schleuderte er die Kugel mit voller Kraft, sie rollte über die Bahn hin, schlug zuerst vier Kegel nur, der fünfte schwankte einen Augenblick und purzelte dann gleichfalls um. ״Fünf!" rief Gcrschom, ״das ist schon nit schlecht, das ist mehr als mach;!,') das ist das Row,-) und eigentlich ist Nubbc Kecknllo," H dabei blitzte die Jugendtust aus seinen schönen Augen und er lachte herzlich. Heiterkeit ist namentlich bei jungen Leuten ansteckend, die beiden Bachurin! lachten mit und traten wieder unwillkürlich einige Schritte naher. Die Art des damaligen TaldmndstudiumS hatte in der Bachurimwclt die Lust zur Dialektik in hohem Grade geweckt; wer als geistreich und scharfsinnig gelten wollte, mußte im Staude sein, jede ausgestellte Behauptung in irgend einer Weise anzufechten und gegen diese irgend eine Stelle ans dem Berscmncere deS Talmud anzuführen. ״Hm! fünf!" hatte der schwarze Löb zu bemerken, ״das ist kein Rnbbe de meuakre/) wer ge׳ schult ist, muß alle neun werfen." ״Willst Du probiren, ob Du's besser kannst?" frug Gcrschom mit einen! schelmischem Lächeln. Löb trat wieder einen Schritt näher, ergriff die .Kugel; aber er sah diese höchst bedenklich an und sprach etwas unsicher: ״Nu ja .... probiren möcht' ich'S schon; — aber ob cS nur ganz recht, ob eS sicher keine Awero ist?" ״Ich wiederhol' Dir, mein Pater und die bravften Balebattim in Fürth schiebe Kegel und unser Ras verwehrt es nit. Ich glaub', ihr seid euch toe,י־) der Rabbi wird etwas ganz anderes, vielleicht ein anderes Spiel mit ähnlich lautendem ״Ramm gemeint haben; wo um Alles in der Wclt soll denn da der Jssur stecken?" Dem schwarzen Löb prickelte und zuckte eö in; allen Gliedern vor Lust, die Kugel, die er noch immer! etwas mißtrauisch anblicktc, dabei aber doch wog und j auf der Handstäche tänzeln ließ, der Bahn entlang zu : schleudern; — aber seine Lust kämpfte mit seinem j Gewissen. Daß cS allerdings nichts absolut Schlechtes; sei, was da beim Kegelspiel getrieben wurde, das! mußte ihm sein Verstand sagen; aber er beging doch immerhin das Vergehen deS Ungehorsams gegen seinen Lehrer und Meister; allein Gcrschom, der ja auch ein ף Die Hälfte. ־) Majorität, Mehrzahl. :\׳ Die überwiegende Zahl kann dem Ganzen gleich gehalten werden. Ein oft angewendelcr talmudifcher Grundsatz. 4; Erkennbare Majorität. '') Irrt euch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.