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Jeschurun · 1884-09-25 · Heft 39 (25.9.1884) · p. 621

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 39 (25.9.1884)
Article
Amerika : Aus Westamerika [Nachricht]
Date
1884-09-25
Page
621 (sequence 2)
Language
German
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lcgnng des Sabbaths auf den Sonntag sei ein pro-! bates Mittel zur Hebung des arg gefährdeten jüdischreligiösen Geistes. Andere aber schütteln recht de-! deutlich das sorgenschwere, ehrwürdige Haupt. Die; Geniciude könnte aber doch vielleicht nicht ganz! der wunderbaren Allmacht der ״Rabbis" vertrauen, daß sic cs fertig brächten, den siebten Tag in den ersten zu verwandeln. Was aber in solch kritischer Lage beginnen'? Heureka! er ist gesunden, der Stein der Weisen. Warum sind Theater- und Konzertaufführnngcn auf den Abend angcsetzt, warum produziren sich Klowns und Athleten immer in den Abendstunden? Weil die Unternehmer alsdann ans ein größeres Publikum und eine gefülltere Kasse rechnen können. Die Gesehäste sind beendigt, der Kaufmann und Handwerter sehnen sich nach Erholung. Warum soll inan nicht von den Kollegen lernen? Es trifft sich ja noch günstig, daß nach altem jüdischen! Brauch der Feiertag mit den! Abend beginnt. Also verlegen wir den Hauptgottesdienst auf den Freitagabend! Programm: Orgelprälndiuni, Ehoral, Rezitativ, Hymne, Haftora (!), Borchn und Gebet ans englisch oder deutsch. Schlußgesang, Predigt! Das ist das allerneneste Rezept für das kranke amerikanische Indeuthum! Daran schließt sich noch als neues Reizmittel eine freie Besprechung der Predigt seitens des Auditoriums mit dein Reverend. Beginn der Vorstellung im Sommer und Winter um 1\1 Uhr. — Nur heran, meine Herrschaften, — cs harren Ihrer große, noch nicht da gewesene Genüsse! Immer heran! - Wenn aber auch dieses nicht ziehen sollte, dann — nun dann, müssen wir die Bude schließen und machen Pleite. M a r o k k o. צ Die barbarische Behandlung der Juden übersteigt alles Maß; namentlich leistet an Grausamkeit und Willkür der Gouverneur von Deinnat das Entsetzlichste. Eine ans vierzig Personen bestehende Depntation begab sich deshalb nach Tanger, um Schutz anzuflehen. Kaum wurde dieses dem Gouverneur hinterbracht, so ließ er sich den greisen 98 jährigen Ehacham vorsühreu und verlangte von ihm die lluterzeichnnng von Schnldnrtnnden, durch welche fast das sümmtliche Eigenthnm der Inden ihm verpfändet worden wäre. Da der alte, ehrwürdige Rabbi sich diesem Verlangen nicht fügte, wurde er gefesselt während eines ganzen Tages den glühenden Strahlen der Sonne ansgesetzt; und als derselbe diese entsetzliche Qual standhaft ertrug, ließ ihn der Gouverneur in einen elenden, lichtlosen Kerker werfen. — Hundertnudneunzig Juden flohen noch in derselben Nacht; die klebrigen wurden am andern Morgen sämmtlich eingekerkert. Werschau. Soones <10 la \ie julvo, <lcssiut‘s (Puprfcs «ature pur Penmnl Picart. Paris, Durlacher 1884. ES ist ein höchst verdienstliches Unternehmen, welches die Buchhandlung von A Durlacher in Paris eben vollendet hat. Die Blätter des berühmten Künstlers Bernard Picart (geboren 1663, gestorben 1733) zählen zu den besten der KnpfcrstLchknnst. Bon diesem großen Meister ist eine Sammlung von 16 Blättern erhalten, welche Szenen des jüdischen Lebens darstellcn. Dieselben sind sehr selten geworden. Herr Durlacher hat sie jetzt ans'S Getreueste nachbilden lassen und bietet eine überaus werthvolle Gallcrie höchst anziehender Bilder ans dem vergangenen Jahrhundert, welche sicherlich, nainentlich in jüdischen Kreisen, ans das allgemeinste Interesse zählen kann. Der alte streng protestantische Meister hat sich in liebevollem Erfassen seines Vorwurfs in daS jüdische Leben seiner Zeit versenkt. Bei der Betrachtung der durch Herrn Durlacher uns vorgcsnhrten Bilder steigt eine glorreiche jüdische Vergangenheit vor unseren Blicken auf, eine Zeit, in welcher die Innigkeit des religiösen Bewußtseins daS sonst trübe äußere Leben der Inden zu cinent glücklichen und beseligenden Dasein nmzuwandeln vermochet, nur welches unsere Modernen ihre Urgroß- Väter beneiden dürften. Die Pieart'schen Stiche spiegeln diese rührende und erhabene Innigkeit wieder. Die Seele des jüdischen Lebens war das Indeuthum und die Erfüllung derselben der Mittelpunkt, um welchen sich Genicindc und Hans bewegte. Picart, ein geborner Pariser, wirkte aber hauptsächlich in Amsterdam, wo er eine Kunstschule gründete. Seine Bilder tragen deshalb zunächst das Gepräge jüdischen Lebens der holländischen Hauptstadt. Neun Blätter führen uns in die Häuslichkeit der Juden. Das erste zeigt uns die Einführung des Neugeborenen in den Abrahamsbnnd. Der Ernst der heiligen Handlung lagert ans dem an Figuren reichen lebensvollen Bilde. — ES folgt die Vornahme des Pidjonhabcn. Der Kleine hat sich während der drei Wochen, seit dem an ihm die Milah vollzogen worden, ganz prächtig herausgemacht. Er schaut munter in die Welt und kraut dein Papa in die Allongcnperrücke. Die Mutter sieht noch etwas leidend ans. Sie ruht im Lehnstuhl und schaut glücklichen Blickes auf ihren Erstgeborenen hin, der heute wiederum der König des Tages ist. Ihr zur Seite bcfinbct sich ihre Mutter oder Schwiegermutter, und daneben harrt die Wärterin an der Wiege, um den Kleinen wieder in Empfang zu nehmen, nachdem der glückliche Vater mit dem Cohen die

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