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Jeschurun · 1884-09-25 · Heft 39 (25.9.1884) · p. 619

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 39 (25.9.1884)
Article
Holland : Haag [Nachricht]
Date
1884-09-25
Page
619 (sequence 1)
Language
German
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619 Holland. T Haast, 18. September. Der Vorstand der hiesigen portugiesisch-israelitischen Gemeinde beschloß, die durch das Hinschcidcn des Herrn Oberrabbiuer Ferares frei gewordene Obcrrabbinerstclle vorläufig nicht wieder zu besetzen, vielmehr Sr. Ehrwürdcn Herrn Oberrabbiuer Bcrenstcin (Rabbiner der hiesigen Aschkeuasim) mit der Verwaltung dieses Postens zu betrauen. Frankreich. %* Paris, 19. September. Am vergangenen Freitag wurde die Beth Hamidrasch Synagoge des Talmud-Vereins Nne de l'Echiquier eingeweiht. Außer dem Herrn Rabbiner Weißkopf sprach auch der Rabbiner von Paris Herr Zadoc Cahn. Rumänien. . ..z. Bukarest, 10. September. Das Loos der Juden gestaltet sich immer trüber. Die bekannten Gesetze öffnen der Willkür hoher und niederer Beamten Thür und Thor — der Jude ist recht- und schutzlos. Alles, was von der angeblichen Gefährlichkeit der jüdischen Bevölkerung für das nationale Heil gesasclt wird, läuft auf geflissentliche Lügen aus. Der Jude ist intelligenter, nüchterner, betriebsamer und gesitteter als der nichtjüdische Rumäne. Er befaßt sich mit allen Handwerken und scheut keinerlei Arbeit. — Ucbcr' die gesetzgeberischen Bexationen, denen die Inden ansgcsetzt sind, will ich nicht sprechen, darüber will ich die Worte des Professors und Primprokurators Herrn Panu als unparteiischen Bcurtheilcr niittheilen. Dieser schrieb kürzlich in dem ״Lupta" folgendermaßen: Die Re- Visions-Kammern dcS Jahres 1679 beschlossen folgende Aenderung des 7. Artikels unserer Verfassung: ״Der Unterschied des religiösen Glaubens und Bekenntnisses in Rumänien bildet daselbst kein Hindcrniß bezüglich der Erlangung und Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte." Sehen wir einmal, wie dieser neue Grundsatz angewcndct wurde! Unmittelbar nach Aenderung des 7. Artikels machte man bei der Ansführung des Testes große Schwierigkeiten. Eine Anzahl von Juden erhielt das Jndigcnat. Die Norm, welche sich die damaligen Kammern bei Gewährung des Indigenats nahmen, war nicht die des Gesetzes. Im Allgemeinen verlieh man denjenigen Juden das Bürgerrecht, welche viel Lärm machten und die den größten Einfluß hatten; jene Jndigenate hatten vornehmlich zum Ziel, das Ausland über unsere Aufrichtigkeit in der Anwendung des neuen Grundsatzes zu beruhigen. Mit der Zeit wurde es mit dem Verleihen des Indigenats immer stiller, und in diesem Jahre sieht man gar nichts mehr davon. Nicht ein einziger Jude bekam von der jetzigen Kammer das Bürgerrecht; so viele sich ihrer auch meldcteit, sie wurden alle abgewiesen. Ich frage: warum? Die Antwort ist bekannt: Nicht deshalb wurden sie abgewiescn, weil sie den erforderlichen Bedingungen nicht entsprachen, defanden sich doch unter ihnen Studenten, die, im Lande ausgewachsen und erzogen, an unseren Fakultäten sich bildeten; auch nicht, weil ihnen ein moralischer Makel anhaftete. Ein einziges Motiv entschied und enscheidet über alle jene abweisenden Beschlüsse: die Eigenschaft des Juden. Das kann ich bestätigen, und Niemand wird wagen, eS zu leugnen. ״Ist er ein Jude?" Ja wohl, das ist cS, was jeder Deputrrte angesichts eines Falles, wo es sich um ein Jndigenat handelt, fragt. Im bejahenden Falle war die Abweisung dcS Bittstellers sicher. Ich sah, wie Deutsche, weil ihr Name Achnlichkeit mit dem eines Juden hatte, abgewiesen wurden. Dieser Geist, der die Kammer und einen Theil der öffentlichen Meinung beherrscht, ist er, ich will nicht sagen liberal, ist er, das darf man doch wohl von jedem verlangen, ist er auch nur gesetzmäßig? Ich antworte kategorisch: Nein! Wir vergessen stets, daß wir in unserer Verfassung den Grundsatz ausgesprochen haben, wonach alle Ausländer ohne Unterschied in gleicher Weise fähig sind, die politischen Rechte zu bekommen, oder eigentlich, wir meinen noch immer wie früher, daß die Inden anders behandelt werden müssen, als die übrigen Ausländer. Denn was sollte sie denn Anderes bedeuten — die seit einiger Zeit üblich gewordene Abweisung eines jeden Juden? Wie? Die Kammer schasst die Gesetze, in ihr muß der Geist der Gesetz Mäßigkeit am mächtigsten walten. Giebt sie ein gutes Beispiel, wenn sie einen ganz bestimmten Artikel der Verfassung im Einzelnen, Individuellen illusorisch macht? Ich lehne mich ans gegen diese Tendenz wie gegen jede andere, welche darauf zielt, den gesetzmäßigen Stand durch einen ihm widersprechenden in der Wirklichkeit zu ersetzen. Ich kann nicht zugeben, daß wir im Jahre 1879 den siebenten Artikel nur!wo 1'01'mn abgcändcrt haben, wir müssen ihm diejenige Wirklichkcit verleihen, die er mit Recht beanspruchen darf. — Die Zahl der dem ״Hajoez" namhaft gemachten Emigrantcn beläuft sich jetzt auf 1442 Personen. ב Bukarest, 18. September. Hier ist kürzlich der Veteran der hiesigen jüdischen Bevölkerung Ehone Kippern öS im Alter von 12<> Jahren verstorben. Er verbrachte die letzte Zeit seiner langen hieniedigen Pilgerfahrt im ״Asyl für Greise" und war bis kurz vor seinem Tode geistig frisch und körperlich rüstig. Rußland. * Die ״Times״ bespricht in ihrer Ausgabe vom 2. September die Russischen Prcßverhältnisse. Der

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