Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1884)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1884-09-25
- Page
- 617 (sequence 1)
- Language
- German
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M 39. 617 Jeschurrrn. Korrchoudcilzcn ititb Nachrichten. Deutschland. * Hanuvvcr, 22. -September, Herr Kourmcr^iciu'atl) Ll b 01 p!23 ןc 0 [1 i 111ן Ijat zum ,^'7-׳Feste au fämmtlidjc hier unb in Vinben wohnhafte jüdische Bedürftige Fleisch vertheilcu lassen. Einige andere Wohlthäter hatten hinreichende 2)cittel zur Verfügung gestellt, um mit dieser Fleischspende für das Festmahl noch ein Geldgeschenk verbinden zu können. So ist in etwa hundert bedürftigen Familien die Festfreude eingezogen. Die einzelnen Personen erhielten 2 Pfund, die Familien je nach ihrer Kopfzahl bis zu <; Pfund Fleisch und baareS Gelb. Nicht um den edlen Menschenfreunden eine öffentliche Anerkennung, nach welcher sie nicht geizen, zu Theil werden zu lassen, sondern um zur Nachahmung anfzusordern, ist der Zweck dieser Notiz. 0. Berlin, 18. September. AIS beachtenswcrthe Kundgebungen registriren wir die folgenden Stimmen aus dem Lärm des Tages. Die ״Konservative Kor- resp.ondenz" polemisirt gegen die.,Bauhütte", welche über die durch einen kürzlichcn Beschluß der Großloge ״Zu den drei Weltkugeln" neuerdings bestätigte Ausschließung der Juden von den preußischen Freimaurerlogen schreibt: ״Die gebildete Welt ist nnS an Freisinn und Bornrrheilsfrciheit über: sie hat für solche Abstimmungen überall nur ein vornehin׳mitleidiges Lächeln. Wohl uns, daß wenigstens die gebildete Welt mrljt hört, daß in den (>n (antisemitischen) Logen der Mslr. v. St. die Loge ״erleuchtet", wie die Sonne den Tag! ׳-— Die Abstinnnung hat die Bedeutung, daß mau den N a m c n der Freimaurerei beanspruchen darf, auch wenn man das Wesen läugnet. Der Grundsatz, über dm die Großloge Zu den drei Weltkugeln verhandelt hat, stand schon fest, che cS eine Großloge ״Zu den drei Weltkugeln" gab. Wenn eS bei uns mit rechten Dingen zuginge, so würde die Anerkennung, und Bejahung dieses FundamcntalsatzeS die Bedingung sein, unter welcher allein die Großloge ihre Anerkennung als freimanrerische Körperschaft fordern konnte, die Bedingung für ihre Zugehörigkeit zum Bunde. Aber auch hier gilt die Form alles, da S Wcscu u ich tS!" Die ,,Konservative Korrespondenz" behauptet, der Redakteur der ״Banhülte" sei selbst im Herzen und thatsächlich auch Antisemit, aber ״als guter deutscher Doktrinär von d e r H a l b b i l d 1111 g S ft u f e" möchte er die Gleichheit aus alle Menschen ansdehnen wollen. Der ״Konservativen Korrespondenz" nach stehen also alle Diejeuigen, welche die Gleichheit aller Staatsbürger anerkennen, ans einer ״Halbbilduugsstufe!" Der dentsche Kronprinz, bekanntlich ein eifriger Maurer, hält die Bildung, welche sich in dem Treiben der Antisemiten j knndgiebt, für eine Schmach unserer Zeit und hat sich! in der Loge auch wiederholt in diesem Sinne ansgesprochen: der ״Konservativen Korrespondenz" ist diese Anschauung aber — Halbbildung! Die ״Halbgebildeten" befinden sich Gottlob demnach in sehr erlauchter Gesell- ' schast. — Der ReichtagSabgeordnete ׳Albert Träger! nannte in einer lürzlichen Bersaunulung den Autiseinstis-! muS ״die verderblichste und verwerflichste Strömung I der Zeit, die als die traurigste Erscheinung dieses : Jahrhunderts gelten muß. Es sei schinachvoll, daß eia : derartiger konstssioneller Hader in einem Lande geschürt; werden könne, wo die allgemeine Wehrpflicht herrsche, wo Juden neben Ehristen gegen den Feind marschircn,! um das Vaterland zu verthcidigeu, wo Juden und j Ehristcu ohne Uulerschied mit dein eisernen Kreuze gej schmückt worden seien, und die feindlichen Kugeln Juden imb Ehristen gleichmäßig dahiugerasft hätten!" Also auch Albert Träger ein Halbbarbar im Sinne der ״Konservativen Korrespondenz!" W. Frankfurt a. -3k., kü. September. So s ein bischen NischnS kleidet doch wunderschön, mag eS j sich in d iescm ober jenem Gewand präsentircn — als solches dürften doch gewiß die Vorgänge in der Schwei; au Zusehen sein. Das dortige Verfahren scheint bei einem hiesigen Thicrfreundc, Mitglied dcS Thicrschutz- Vereins, große Sympathie erregt zu haben. Dieser Tage enthielt eines der meist gelesenen hiesigen Blätter ein ״Eingesandt" ungefähr folgcl'.dcu Inhalts: Der Thiecschutzvereiu möchte sich doch, wie cS bereits in andern Städten geschehen sei,׳ mit der schrecklichen Thicrquälerei deS ״Schächtens" näher befassen. Einseudcr macht die genannte Gesellschaft darauf ansmerksam, daß er selbst einst Zeuge gewesen sei, daß ein Ochse noch kl; Minuten mit durchschnittenem Halse gelebt habe. Ob der betreffende Verein dieser Notiz Folge gegeben hat, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Sobald hierüber etwas verlautet, werde ich cS Ihnen jedenfalls uiittheilcu. Wahrscheinlich wird der hiesige Thier schutzverein aber unter Thiergualerei ganz andere Manipulationen als das Schächten zn begreifen wissen. O e st c r 1 c i ch -11 n g a v n. (I. Wien, r.1. September. Das jndeuscirrdliche Treiben findet denn auch hier in den verschiedensten j Kreisen eine entschiedene Berurtheiluug. So sprach in! der Versammlung des demokratischen Vereins der Ne-; fevent Spengler F c r b t n a n b S ch m i bt unter alli festig er Zustimmung gegen den in Antisemitismus machenden ״Gewerbctaa": ״Der ׳Antisemitismus hat ,, keine Existenz-Berechtigung, und wenn cS Leute giebt, i welche da glauben, er habe Existenz-Berechtigung, so! ist das ein großes Unglück für unser Volk, für unser i Land!" — Bor dem Bezirksgerichte Alscrvorstadt war