Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1884)
- Article
- Ein glücklicher Wurf!
- Date
- 1884-09-18
- Page
- 607 (sequence 1)
- Language
- German
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607 Gin glücklicher Wurf! Erzähl lu!g aus dem sechsten Dezennium des vorigen Jahrhunderts. ^011׳ S. S\ 01) n, Verfasser von ,.Gabriel". (>^eder unvenlare Na^diuc! urivt> iniי aller 'iren.u Der׳ol.^l werben. Neben',!;nii.roreLre novbehaJn-n. Die beiden Männer erhoben sich nun rasch und Vnntcrbad) sprach zu Gerschom: ״Ich bedauere, jetzt eines wichtigen Geschäftes wegen sortsahren zu müssen, aber ich hoffe, Sic bald wieder hier zu sehen. Ich weiß in der That nicht, in welcher Weise ich Ihnen meine Gastfreundschaft anbieten soll. Wenn Sie und Ihre Geführten vielleicht die Schaukel dort, oder die Kegelbahn, die von dieser Allee maskirt ist", er bezeichnete diese, ״zu Ihren! Bergnügen benutzen wollen, wird mich dies sehr freuen." Lcmterbach und Mergland reichten dem deutschen Bachur die Hand, der Förster ersuchte ihn, seinen Vater bestens von ihm zu grüßen, dann entscrntcu -sic sich eilig, um die versäumte Zeit einzuvriugcn. D er NeS Kap itcl Gerschom war von dem cigcnthümlichcn Ansammentrcfsen, das ihn in einer fremden Stadt und an einem Orte, wo er dies an! wenigsten erwartet hatte, in einem ihm ganz unbekannten Menschen einen Freund und Verehrer seines Vaters finden tieß, in angeuchuistcr Weise überrascht, und auch die beiden andern Bachnrim waren durch die srcnndliche ehrenvolle Behandlung, die ihrem Genossen zu Theil wurde, hocherjrcut. ״In Emmes,"') meinte der schwarze Lob, ״Du hast von Deinem Vater große Kowed'׳) gehabt," -— 1! 11b David Manetir, fügte hinzu: ״Es war das aber von Deinem Vater auch ein Kidusch Haschen!!ף״ ״Kinderlebe!" rief der lebhafte als einziger, verhätscheltcr Sohn reicher Leute doch etwas kindische Gerschom, dabei vor Vergnügen in die Öände klatschend, ״heute is ja Ehamischo-oßor bcow, da könnte nur uns merklich e bische unterhalte — wir könne uns schaukle oder fömicn Kegel schiebe.gehe wir a Bischen Kegel schiebe, wenn ihr's 11 it könnt, will ich's euch lerne, ihr werdet ein großes Vergnüge habe." Die beiden andern Bachnren blickten erstaunt auf. ״Bist Dn mcschugc 4 "׳־) frugen Beide wie ans einem Munde. In dem Tone, in welchem diese Worte gesprochen ’) Wahrheit, in -er That. ן1 (־ volle GH re. :!) Heiligung des Gottesnamen. So pflegte man zu sagen, wenn ein Jude durch strenge Befolgung seines NeligionsgeseyeS dieses in außevjüdischen .Hieben zur Änerlemi irrig &rad)te. 4) verrückt. wurden, schien dem sonst sausten Gerschom etwas Berletzendes zu liegen; das war der in seinem Vaterhause von allen geliebte und verwöhnte Jüngling nicht gewohnt, seine Wangen färbten sich purpurn und er sprach iveit schärfer als dies sonst in seiner Art lag. ״Wenn man Kegel spielt is man meschuge?! — das Hab' ich so lang ich leb' noch nicht gehört! Ich bin nit meschuge, aber ihr seid — nehmt mir'S liit übel — zwei gewaltige Schautim!') Wollt ihr uit mir mir spiele, werd' ich mer andere Chawerim dafür suche," und bei diesen Worten machte er Miene fortzneilen. David Manetin hielt ihn zurück und erwiderte mit einem halben Lächeln: ״Da kennst gewiß den Spruch Akawias ben Mchalalel: Mutow lehikore kol jomai Schote welo leoßans Schoo achas Roscho lifne' hamokom;'') aber das scheinst Du nicht zu wissen: der Nabbi hat den Dl 0111,י־) besonders aber uns Bachnrim mashir gewesen,4) Kegel zu spielen; also muß das ja gewiß eine Awero'') sein!" Jetzt war wieder die Reihe des Erstaunens an Gerschom. er riß seine großen, schönen Augen mögkichst weit auf und schüttelte den Kopf, daß seine Locken nur so flogen. ״Nein Kindcrlebe!" sprach er endlich mit großer Bestimmtheit, ״Kcgelspielc ist kein Awcro; mein Vater - hundert Jahr soll er gesund und glücklich lebe — hat ganz gewiß in seinem Leben keinen Jssnr ower gewesen''׳) und doch spielt er mit den vornehmsten Balc batlinw) in Fürth Kegel und unser Raf, der doch ein Godel Hadorf und ein Zadek Tomm") ist, weiß davon und cs ist ihn! nie eingefallen, es zu tadeln. Ja, Kindcrlcbe, Mezachet beknwio, Würfelspick, oder wenn man um hohes Geld Karte spiell, da kann mau schon sage, daß es uit recht is; — aber ein so schönes gesundes Spiel! .... das glaub' ich nit; ihr wollt euch nur e Narre ans mir mache...." Gerschom schlug ein silberhelles Lachen auf und stürmte zu der nahe gelegenen Kegelbahn. Ein etwa zehnjähriger Junge, des Gärtners Sohn, der vom Gartenbesitzer zur Würde eines Kegelbubcn erhoben worden war, lag in der Nähe im Schatten. (Fortsttznng folge.) י) Narren. Gs ist besser, sein Leben lang ein Thor genannt zu werden, als eine Stunde vor Gott als Bösewicht zu erscheinen. Gdioth Abschnitt 5, Mischna 6. 3) Jedermann, alle Welt. 4) gewarnt. ■׳) G ese tz^Übertretung, Sünde. °) Keine verbotene Handlung ausgeübt 1 ,׳ Gcmemdcmttglieder. ,׳ י vervorvageude Größe der Gegenwart. Bollkommen frommer Manu