Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1884)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1884-09-18
- Page
- 604 (sequence 2)
- Language
- German
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604 sucht worden, oder ״mittellos und stcundlos eintecssen"׳ ricfclbcn werben flqiuiunjen, narf) (iuropa znrnckznfcljvcn. Es wird demgemäß vor nnvorsichiiger Besördernng von i^niiavaiacn nach Amerika dringend ge׳ warnt und empfohlen, daß stets einige Tage vor Ab׳ reise der;1! Befördernden an das Office der United Hebre'.v Eharilies, New-2)ork '>!-!, St. Marko Place, eine Vific gesendet werde, welche Name, Aller, Gewerbe und Personenstand einer jeden Familie enthält, und außerdem genaue Angaben über die pekuniären Verhältuisse der Emigranten und deren amerikanische Freundschasts- und Verwandlschasts-Beziehungen, damit die Verwandten und Freunde für sie Sorge tragen können. Die Zuschrift schließt mit den Worten: ״Gesunde und kräftige Einwanderer, Handwerker, Randbauer nnd Tage׳ löhner, die fähig find, ein Vcbcit zu machen, können hier Arbeit finden; für Müfsiggäuger indessen, welche erwarten, von Unterstützung allein zu leben, und die den öffentlichen Behörden oder Gesellschaften fortwährend zur Vast fallen, hat dieses Vand lein Asyl." -- Wir haben die Veröffentlichung dieser Mittheilungen für dringend geboten erachtet, zumal darin leider unsere längst geäußerte Ansicht über die utassenhafte Beförderitng von Auswanderern itach Ainerika ihre Bestätigung erhält. Wenn wir das schreiben des Herrn Niee nicht mißverstehen, so besagt cs, daß man in Europa nicht daran denken kann, seine Pflicht gethan za haben, wenn man die armen unterdrückten und verfolgten Brüder nach Amerika schafft, daß vielmehr die Gefahr nahe liegt, sie von seht ab in den meisteit Fällen dem sichern Verderben emgegenznführen. Unseren amerikanischen Brüdern möchten!vir jedoch die Frage vorlcgen, ob sic mit den abznlcgenden Litten und Vornrtheilen der früheren Heimalh die Nichtbeachtung der Sabbathnnd Lpeisegesetze als Vorbedingung der zu gewährenden Unterstützung ihrerseits verstehen. Es dürfte wnnschens werth erscheinen, hierüber volle Klarheit zu erlangen. An die gesummte Indenheit aber richten wir die ernste Frage, was denn mit solchen Personen zu geschehen ist, welche sich nicht zu Handwerkern, Vandlenten, Tagelöhnern nnd Fabrikarbeitern eignen nnd nicht gesund nnd kräftig find'? Diese sehr zahlreiche Klasse zählt doch nicht ohne Weiteres zu arbeitsscheuen Massiggängern. Lotten diese Unglücklichsten verhungern nnd verkommen'?! Wir bitten dringend um Antwort auf diese beiden Fragen. S. 11. (Erfurt, 7. September. Die uenerbante Orgel Synagoge wurde am Freitag durch die Rabbiner J)1\ K roncr und Di׳. K a r o cingeweiht. Das ist also derselbe Dr. Kroner. welcher sich im vorigen Jahre so sehr gegen eine Orgel sträubte und sogar mit Amtsnicderlegnng drohte. Damals erklärte er die Einsührung einer Orgel in die Synagoge als gegen das Religionsgesetz verstoßend, nnd jetzt? Was hat denn den Herrn Rabbiner dazu bewogen, seine Ansicht so zu ändern'? Oder sagen wir lieber, die Ansicht wird wohl dieselbe sein, nur die Thal entspricht ihr nicht. Und ich denke, das sei schon genug. Ist es eines Rabbiners würdig, sich so von der Gemeinde führen zu lassen, da er doch die Gemeinde führen sollte'? — »Sapient-i uni,! v. 2lus Niederl)essen, int September. Noch ist in der Vandrabbinerfrage das letzte Wort nicht gesprochen. Deshalb geben nur die Hossnung, oder sagen wir lieber den letzten Schimmer einer Hossnung, nicht auf, daß unser Kreis einen Mann .;um religiösen Oberhaupt erlangt^ welcher - nnverklansnlirt sich ans den Boden des rabbinischen Indenthnms stellt. Unsere Vaudgc'.neindeu sind noch durchweg fromm, trotz der langen Mißleitung. Sie haben vor Gott nnd jedem billig nnd gerecht denkenden Forum das unzweifelhafte Recht, daß ihnen nicht ein Rabbiner oktroyirt wird, welcher in (Besinnung und That kein ganzer Mann ist, sondern den Mantel auf zwei Schultern trägt nnd einen Jannskopf zeigt, etwa den Vandgemeindcn den frommen ״Raw" und der Hauptstadt den modernen ״Doktor". Wir scheuen uns nicht, es ansznsprechcn: wir verlangen einen dnrchaits gebildeten Rabbiner, der uns die heilige Religion unserer Väter rein!rnd nnverfälscht lehrt, ans die gewissenhafteste Erhaltung und Einrichtung unserer Institutionen achtet nnd durch das eigene Beispiel uns in Treue und Gehorsam gegen das (besetz voranlenchlet. Wir wollen in seinem häuslichen nnd öffentlichen Vcben ein mustergültiges Vorbild erblicken. Gott gebe, daß uns ein solcher Mann deschieden werde! O c st c it eich-Ungarn. W. Wien, 14. September. Der dieser Tage vcröffentlichle ossizielle Bericht über die Anzahl der auf dem Zentralsriedhofc staltgehabten Beerdigungen enthält folgende Daten: Vom 1. Januar bis 31. Juli d. I. sind in gemeinsamen Grabstätten <;28 jüdische Reichen und!)312 katholische Vcichen, in Einzelgräbcrn 187 Inden und 777 Katholikenbestattet. — 12. September, lieber die vom 1111־ garischen ׳Minister-Präsidenten in seiner vorgestrigen Großwardeiner Rede angekündigten Ansnahmsmaßregeln schreibt die ״Pol. Eorr.": ״Der Mnistcr-Prüsidcitt wird vont Reichstage die Ermächtigung zur Anwendüng von polizeilichen Ansnahntsmaßregekn, d. i. zur Konsiszirung von Blättern, Flugschriften nnd selbst Reichstagsrcden, sowie zur Verweisung der Verfasser der inkriminirten Schriften vor gelehrte Richter statt vor das Schwurgericht verlangen. Durch diese Maßregeln sollen die Antisemiten, Sozialisten nnd Rationakitätcn-Hetzcr in gleicher Weise getroffen und ver-