Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1884-09-18
- Page
- 599 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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599 sagt, daß die Juden diese frevelhafte Empörung an-; zettelten; das ist ja die beliebte bekannte Manier. Aber nicht energisch und laut genug kann dagegen protestirt werden, daß man eine solche offene oder verschleierte ' Verdächtigung in die Ocffentlichkcit hiuansschreit. Ich , beneide Niemanden um solchen Muth-Gott sei Dank, daß solche KampfcSweise nicht als eine jüdische von den Antisemiten an den Pranger gestellt werden kann! Ich breche hier ab. — Gott beschließe über uns eine glückliche, gesegnete Znkiliist und erspare mir die Nothweudigkeit, gegen die hiesigen Antiscinitenhäuptlingc schreiben zu müssen! — Ich wünsche Ihnen, geehrter Herr Nedattenr, und allen freundlichen Lesern des ״Ieschnrnnנתיבה והתימה מונה ״. Fürth, 8. September. Keine heiligeren Stätten giebt eS, als die der Jugendbildung geweihten. Eine ganz besondere Weihe aber ruht auf denjenigen Anstalten, welche, dem dringendsten Bedürfnis; der heutigen Verhältnisse Rechnung tragend, die harmonische Er- Ziehung und Ertüchtigung der israelitischen Jugend in תונה und דרך ארץ anstrebcn. Daß unsere Kindcr zu gebildeten Juden — Bildung im Sinne der heutigen allgemeinen Knltnrentwickelnng, Inden im Geiste der ewigen Verpflichtung aus das ganze Jndenthnm — erzogen werden können, erzogen werden müssen, das ist der erlösende Gedanke, welcher vor zweinndzwanzig Jahren einige edle Männer unserer altehrwürdigen Gemeinde, dieser ehemaligen עיר 'אב unter den ״heiligen Gemeinden Israels״, bewegte. Das ist der Gedanke, der sie die hiesige ,.israelitische Bürgerschule" errichten ließ. Angeregt wurden sie durch ba£ erhabene Vorbild Frankfurts, wo der Genius des großen Samson Raphael׳ Hirsch eine Mnsteranstalt in diesem Sinne zu schaffen wußte. Die Fürthcr Schule hatte das Glück, in den Dr. S. Auerba ch damals einen ebenso tüchtigen Direktor, wie für das Jndcnthum begeisterten Leiter zu finden, welchem nach'dessen Berufnug ans den Halberstädler Nabbinatsstnhl Or. Dessau folgte, im gleichen Geiste nach demselben Ziele nnermüdlich schassend, unterstützt von einer Anzahl wackerer, bernfstrcncr Lehrer. Der ״israelitischen Bürgerschule" sind Kämpfe und Widerwärtigkeiten nicht erspart worden. Mit göttlichem Beistände hat sic solche überwunden und tritt nunmehr in eine neue Epoche durch den Bau eines neuen Schulhauscs, welcher, längst Bcdürsniß, jetzt vollendet ist. Dieser Tage sand die feierliche Ein- Weihung statt, welche die Veranlassung zu dieser Mittheilung gewährt. Möge die Anstalt gedeihen und zu immer größerer Entfaltung gelangen להגדיל תירה ולהאדירה unter dem Wahlspruchc: יפה תלמוד תורה עם דרך אדן. (Fonsttzung bcv Korrespondenzen und Nachrichten ans (>03.; Aachtgestirne. Historische ׳Novelle aus der Fendalzeit Ungarns Aon Samuel Berthold RoSner. —(Aachdruck verboten 11. lieber! scytttt^Hrecht Vorbehalten (Fortsetzung.) Das grellrothe, gnalmendc- Licht der Fackel vermochte nicht, die dichte Finsterniß deS unterirdischen Raumes ganz aufznHellen, eS bildete sich ein rother, dämmeriger Kreis, aus welchem die beiden stummen Gestalten schwarz hervortraten. Der Fackelschein ergoß sich wie geschmolzene Glnth über das auch an und für sich rot he Angesicht des Pfarrers, das eS förmlich zu glühen schien, wie ein Klotz verfaulten Holzes in der Nacht. Der Pfarrer unterbrach zuerst die Stille, in welcher das Prasseln der Pechsackel laut vernehmbar war. ״Hast Du," sagte er salbungsvoll, ״die Tage de Muße, die nur Dir zu Theil werden ließen, dazu be nutzt, mit Dir streng in'S Gericht zu gehen und Dein von dem gotteSschänderischen Frevel befleckten Hände in aufrichtiger Nene reinznwaschen'?" Als N-Hrbach bewegungslos verharrte, fuhr der Psarrer in betrübtem Tone fort: ״Ich sehe leider meine Hossmmg vereitelt, ich glaubte einen renmüthigcn Büßer anzntrefsen und jindc einen verstockten Sünder. Die Hartnäckigkeit ist der größte Feind der Nene, nnd so Du nicht erst von Deiner sündhaften Verstocktheit abläßt, wird nimmer gottcsfürchtigc Neue in Dein Herz einziehen können, und nimmer wirst Du dann Vergebung finden vor dem Richtcrstnhl des Allmächtigen." Rahrbach ließ die Hände vom Angesichte sinken, und den breiten Nucken des Pfarrers überlief ein Schauder, als ein Blick aus deu hohlen Augen Rohrbach's ihn durchbohren zu wollen schien. ״Elender Wollüstling," rief Rohrbach, ״Du wagst cs noch, den Namen des Allmächtigen über Deine ruchlosen Lippen zu bringen? Du wagst es, von Reue und Gottesfurcht zu reden, Dn, Verbündeter des leibhastigen Teufels?" Der Pfarrer brach in ein roheS Gelächter aus. ״Hast Recht, wir kennen einander! Wozu also das Gaukelspiel unter uns? Ich verstehe mich auch auf den Satanas, nnd weil cs Dein Wille ist, will ich fürder aus meiner Kehle den Teufel zu Dir reden lassen. Heda, Gevatter, bist Dn schon mürbe genug, willst Dn vor dem Gerichte eingestehen, die Kirche beraubt zu haben?" Nohrbach schwieg. ״Nun, antworte mir!" ״Du weißt es am besten," entgegnete Rohrbach, ״daß ich die Kirche nicht beraubt habe und daß ich unschuldig bin. Erbarme Dich meines Elends und befreie mich aus diesem Kerker, da Du ja weißt, daß