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Jeschurun · 1884-09-18 · Heft 38 (18.9.1884) · p. 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 38 (18.9.1884)
Article
Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
Date
1884-09-18
Page
598 (sequence 2)
Language
German
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598 stellen! Da wird der Schmerz, das Leid selbst;nr Prüfung, da stählt sich die straft des Gerechten an den ihm cntgcgcntrctendrn Hindernissen, da freut er sich doppelt und dreifach der ihm auf seiner Bahn winkenden Erdcnfrcudm — aber das Höchste ist und bleibt ihm die Möglichkeit, sich durch Pflichterfüllung dem Ewigen zn nähern. Was ihn daran hindert, nur das wird ihn in Unruhe versetzen, nur dem wird er zu entgehen suchen, er wird sich an das klammcrn, was ihn auf dieser Bahn fördert. Muß ihm da nicht nach Ben Asai'S Worten die scheinbar geringstc Mizwa wichtig sein, da sie eine andere aus sich nothwcndig erzeugt, muß er nicht in der daraus erwachsenden Mizwa den Lohn der ersten sehen, wie ihm der aus der geringsten Uebcrtraguug keimende zweite Fehltritt das peinigende, strafende Bewußtsein cinslößt, seinem höchsten Ziele untreu geworden zu sein? ״)Um werden wir den Midrasch Nabba bei Beginn von 2' כהוקורד wohl begreifen, der da lautet: אם בהוקותי חלבו הה״ד השבתי דרבי ואשיבה רגלי אל עדותיך אמר דהע״ח ושל־׳ע בבל יום הייתי מחשב ואומר למקום פלוני ולבית דירה פלונית אני הולך והיו רגלי מביאות אותי לבתי בנסיות ולבתי מדרש׳ הה״ד ואשיבה רגלי ״ .אל עדותיךWenn ihr in meinen Ehukot wandelt, d. h. die sichtbaren Zeichen, mit denen ich Euch aus Schritt und Tritt umgeben, heilig haltet, dann gilt der Psalmvers von Euch: Ich überdenke zwar meine Wege, meine irdiichcn Zwecke, aber stets führt mich j mein Fuß zu Deinen Zeugnissen zurück. Das war! Davids Meinung: Alle Tage bedachte ich mich und j sprach, ich wollte nach jenem Orte, nach jener Woh-! nung gehen, aber stets führten mich meine Füße in j die BersaimnlnngS- und Lehrhänser Israels." Gewiß | cmpsand cs der edle König, daß sein mit den Sorgen der Herrschcrwürdc beladenes Wirken ihn vielleicht von der Gottesuähe entfernen könnte; er mußte überlegen, wie er hierhin, wie er dorthin käme: aber Eins erhielt ihn dem Ewigen und veredelte sein Thun: daß er den Ehukot treu blieb. Die blieben aber auch ihm treu. Stunde um Stunde nahten sic ihm, wie Gottcsbotcu, sie waren bei ihm, wenn er sich erhob und nieder!egte, wenn er sich zur Tafel setzte und ansstand, wenn er in die Schlacht ging und wenn er von ihr wiedcrkchrtc; das beruhigte ihn, denn er fand sich so immer im Gottes- und Lehrhause, er konnte von Mizwa zn Mizwa fortschreitcn, und so sah er sich befriedigt. Das ist der Gipfel seiner Freude, und nur durch die steten Mizwoth hat seine hohe Würde für ihn einen Werth. Die irdische Größe, nach welcher Tausende als nach dem höchsten Lohne gegriffen hätten, erscheint ihm eitel neben diesem Bewußtsein. Wer diesen Gedanken vom hohen Glücke des Gerechten verfolgen will, — wir müssen uns mit Andeutungen begnügen, — der lese weiter die Worte R. Huna'S nach, die des R. Menachem und des R. Abba, er wird die Befriedigung, die in der israelitischen Mizwa liegt, dort eben so ausgesprochen finden, wie das Elend, was in dem Unterlassen der Pflicht liegt; er wird das stets fortschreitende Glücksbcwußtscin des Gottesdicncrs vergleichen tonnen mit der stets sich vergrößerudcn llnzufriedeuhcit der Gottlosen mit sich selbst. Diese innere Ruhe war cs, die in der Vorzeit uns so viele uneigennützige Vorkämpfer des Thoragcistcs geschaffen, die ihnen ein Halt war inmitten des äußeren Elends finsterer Jahrhunderte. Diese innere Ruhe ist es, die wir heute bei Rückkehr zu den Mizwoth als höchsten Lohn von Seiten des Ewigen erflehen müssen. Wer sie besitzt, der bleibt nncrschüttcrlich auf der Bahn der Pflicht, und wer dies Glück einmal empfunden, dem wird alles Andere dagegen erblassen. Welche Lockung wäre stark genug, ihn von dort hinwegzulenken? (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und NnllMitcn. D eutschland. -a- Berlin,! 4. September. Sowohl Sie, geehrter Herr Redakteur, als die Leser des ״Jeschurnn" werden mir das Zeugnis; nicht versagen wollen, daß ich unverdrossen von dem Heerde des Antisemitismus und den unheimlichen dort waltenden Gestalten während des ganzen JahreS Bericht erstattet habe. Es erheischt wahrlich eine Aufopferung, deren Größe gar nicht genug zu würdigen ist, die ein gewissenhafter Berliner Korresvondcnt zu bcthätigeu hat, wenn ihm die Aufgabe gestellt wird, sich jahraus jahrein in Gesellschaft der Herren Stöcker und Konsorten zn befinden. Ich Hütte mich gern wenigstens heute zum Jahresschlüsse davon srei gemacht, aber es ist leider absolut unmöglich. Warum kaudidirt auch Löwe gegen Wagner? Warum ist die Tonhalle auch gebaut? Warum? Zn keinem andern Zwecke, als dem berühmten Herrn Hosprcdigcr, dem die Kanzel nicht genügt, noch fernere Veranlassungen zn erbaulichen Betrachtungen und frommen Ergüssen zu gewähren. Ich habe nichts dagegen, wenn Herr Stöcker auch noch so sehr seiner gegen die Juden überfließenden Liebe Lust macht, daß er aber sich nicht entblödctc, am vergangenen Freitag den Satz auszusprcchcn: ״die Anmaßung der Juden und die frevelhafte Empörung gegen König und Vaterland" bildeten den Gegenstand seines Angriffes, das bringt selbst mech leider abgehärtctes Gemüth doch noch in Aufregung. Ich weiß wohl, daß er behaupten könnte, er habe ja nicht ge-

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