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Jeschurun · 1884-09-18 · Heft 38 (18.9.1884) · p. 596

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 38 (18.9.1884)
Article
Zur Statistik der Juden in Preußen
Date
1884-09-18
Page
596 (sequence 2)
Language
German
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596 übcnuic1]t ba$ Zuwenig mehr bei ben Katholiken, bas Zuviel mehr bet den Evangelischen. Bei den Inden zeigt sich überall ein Plus. Diese Za!,len bedürfen!eines Kammentars: so lange man das Streben nach Bildung nicht;tt einem MaraUevjebler ftempelit will, wird ment der jüdischen Bevölkerung Preußens nicht das- Prädikat einer mindest ebenbürtigen absprechen, können. icisiiniifi! rlitfö ifidjtprfliigersi über die Predigt. Fortsetzung.) Unsere Predigten sind viel zu wenig jüdische Predigten und tragen deshalb nur ein Geringes zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens im Kreise der Gemeinde bei. Sie bewegen sich viel zu sehr auf dem Gebiete der Phrase und ergehen sich vorzugsweise in allgemeinen Sentenzen, ja mit einer ängstlichen Geflissenheit weichen sie speziellen Erörterungen und eingehenden Darlegungen des Gesctzcsinhalts aus. Bon bcsrenndetcr Seite wurde mir wiederholt gesagt׳. Sie haben gut reden, Sie sind eben kein Rabdincr und Prediger. Sie sprechen frei von der Leber, unbekümmert darum, ob Sie damit Mißstimmung hervorrufen oder Beifall ernten. Wenn Sie Ihren Kollegen in der Verwaltung unb Vertretung der Gemeinde Ihre von Ihrem streng-orthodoxen Standpunkte bestimmte innerste Hcrzensmetnung rücksichtS- und ruckhaltSlos mittheilm. dann ist es Ihnen ganz gleichgültig, ob Sic dadurch bei denjenigen, die Ihre religiöse Anschaumig nicht theilcn, sich beliebt machen oder nicht. Sie wissen bei sich, daß Sie nach redlichster Ucbcr* zeugt!ng gesprochen unb damit Ihre Pflicht gethan haben, und jchettcn auch eventuell einen mehr oder minder erregt geführten Kampf nicht. Sie sind Privatmann; wer mit Ihnen wegen Ihrer orthodoxen Gesinnnttgsäußerttng schmollen will, mag es thnn; das läßt Sie völlig kalt. Ganz anders liegt aber die Sache bei 1m$ Rabbinern ober Predigern. Wir haben die Gcsammtheit in'S Auge zu fassen, auf welche zu wirken unsere Attsgabc ist Wir bedürfen für dieselbe der Liebe und Anhänglichkeit aller Gemetndcmttgltedcr: tntd!vir würden solche verscherzen, wenn wir nach Ihrer Geflogenheil unbekümmert wegen der Anfnahme. welche unsere Predigt sinder, zu einem ZnhörcrkrciS sprechen wollten, der ans verschiedenartigsten Elementen sich;nsammenscht. Ja, wenn alle unsere Gemeinde- Mitglieder in Wirklichkeit streng religiös wären, dann könnte man auf Ihr Verlangen sich ciniassen. — Ich emgegnetc daraus: Sic irren sich in der Annahme, daß ich von dem Prediger verlange, er solle auf sein Publikum keine Rücksicht ttchmen. 3m Gcgcntheil. Ich stelle mit in die allererste Linie meiner Anfordcrttngen, daß er seine Reden gerade seinem Publikum anpasse. Der Unterschied in unserer Aufsassung liegt aber darin, daß Sie Ihrer Gemeinde nichts sagen wollen, was den einzelnen Gemeindemitgliedern nicht angenehm klingt, ich aber es für eines der wesentlichstcn Erfordernisse der Predigt erachte, gerade die Schäden im privaten und öffentlichen Leben zum Gegenstände der Belehrung und Ermahnung zu wählen. Bleiben wir bei der Sidra ראה. Sie wissen, daß ich jahraus jahrein Ihren Predigten und Homilien folge. Ich pflege mir den Inhalt derselben in Kürze aufzuzeichiten und bin dadurch im Stande, genau auzngcben, welche Texte und in welcher Ausführung Sie dieselben behandelt haben. Uebcr die genannte Sidra haben Sie zehn Mal tHeils gepredigt, theils Homilien gehalten und zwar in folgender Weise: ]) ״Ihr seid Söhne Gottes, eures Herrn." — Wir sollen Gott lieben wie ein Kind seinen Vater liebt — Gott liebt uns in ernster väterlicher Zärtlichkeit. — 2) ״Wenn Dich anreizen wird dein Bruder u. s. w., sprechend: lasset uns gehen und dienen andern Göttern" u. s. w. — Ucbcr die Anhänglichkeit an der väterlichen Religion. 3) ״Verhärte nicht dein Herz und verschließe nicht deine Hand gegen deinen Bruder, dm Dürftigen." — lieber die Pflicht der Armmunterstützung. 4) ״Siehe, ich lege euch heute vor Segen und Fluch." In jedem Augenblicke kann der Mensch sich Segen oder Fluch erwerben, den ersten durch die Tugend, den letzteren durch die Missethat. 5) ״Machet euch keine Einschnitte u. s. w. wegen eines Tobten." Die Trauer um einen Tobten sei eine würdige. 6) ״Ihr sollt euch freuen vor Gott, eurem Herrn." Nur die Freude ist eine wahrhafte, die aus einem frommen Herzen quillt. 7) ״Am Ende von sieben Jahren sollst du ,Entlassung׳ üben." Wir verlangen von Gott Nachsicht, also sollen auch wir solche üben. 8) ״Denn ein heiliges Volk bist du Gott, deinem Herrn." — lieber das Streben nach Heiligkeit d. i. nach reinem Sinn, frommen Getnüth und mildem Herzen. 9) ״So hüte dich, daß du nicht verstrickt werdest, ihnen (den kanaanitischen Völkern) zu folgen" 11. s. w. — Wir sollen nicht in Aberglauben versinken. 10) ״Hüte dich, daß du nicht verlassest den Leviten." Wir sollen achten und unterstützen die Lehrer und Diener der Religion. — Ich will keineswegs in Abrede nehmen, daß Sic in diesen zehn Bortrügen sehr beherzigcuswerthe Lehren der Gemeinde mitgethcilt haben, aber etwas Positives, eine Unterweisung über den wirklichen GesetzcSiuhalt, eine Mahnung zur Unterlassung von aus Unverstand oder Leichtsinn von Ihren Gemeinde-

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