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Jeschurun · 1884-09-11 · Heft 37 (11.9.1884) · p. 591

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 37 (11.9.1884)
Article
Ein glücklicher Wurf!
Date
1884-09-11
Page
591 (sequence 2)
Language
German
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591 Bettelstab gebracht, den Namen Ihres wackern Mannes im Grabe verunehrt. Das wollte ich verhindern und Sie warnen. Deshalb schien ich auf seinen sauberen Plan einzngehen. Ja, ans der Herfahrt habe ich ihm augcdentet, daß ich noch zu weiteren Spitzbübereien, wenn sie nur brav Geld eintrügcn, gerne die Hand buten wollte. Unterwegs ließ ich ihm im WirIHS- Hause ein paar Flaschen guten Weines vorsctzcn, der machte ihn gesprächig und mittheilsam. Er ging mit dem Plane um, Ihre GcschäfrSunkeimttüß, Frau Merglandin, zu benutzen, und Ihr Ihre Lage als eine verzweifelte darzustcllen. Der schlaue Schuft hätte aus diese Weise mit eiucm Schlage zwei Fliegen getroffen; er Hütte aus Ihrem Unglücke einen doppelten Borthcil gezogen. Er hätte an unredliche Gcschästofreunde Ihres Mannes tängstbezahltc Forderungen nochmals zahlen lassen und sich von Jenen, wie von mir, einen Antheil des NaubcS bedungen, — überdies hatte er Ihre angcbliehe Zahlungsunfähigkeit dazu benutzt, in Kompagnie mit seinem Vetter dem Nürnberger Kausmann die Fabrik und das ganze Anwesen um einen Spottpreis anzukaufen. — Ich Hütte Ihr, Frau Mcrglandin, gerat Heu, den Hallunkeu da sojort aus dem Hause zu schmeißen, aber wir haben gute Gründe, damit noch ein wenig zu warten. Wenn Sie nichts dagegen hat, will ich mir die Geschäftsbücher und die Korrespondenz, die Geisenheim in seinem eigenen Interesse gewiß nicht ganz bei Seite geschafft haben wird, ein bischen näher - ansehen, und da wird uns der Lump über Mehreres Aufschluß geben müssen. Ich glaube, Sie wird nicht nur die etwaigen Schulden vollständig bezahlen können; sondern cö wird Ihr und Ihren Kindern noch ein hübsches Vermögen übrig bleiben und Sic wird das Geschäft weiter betreiben können. Weil Sie aber, — nehme Sic mir's nur nicht übel, Frau Mcrglandin — vom Geschäfte gar nichts versteht, so möchte ich Ihr einen tüchtigen Geschäftsführer empfehlen. Er ist ein Fürther BürgcrSkind, Max Volmer heißt er, und bei dem Tnchsabrikanten Franz Xaver Endlinger in Am b erg war er in! Geschäfte. Ich bin mit den: Endlinger lauge in Verbindung gestanden; er ist jetzt alt, reich und kinderlos, er hat cs nicht nöthig, sich mit dem Geschäfte zu plagen und gicbt die Fabrik aus!" Lauterbach hatte die Erzählung seines Schwagers mit steigendem Interesse angehört, er hatte schon längst die türkische Pfeife ans dem Munde genommen und diese war kalt geworden. ״Das war brav und klug von Ihrem Vater," wandte er sich nun an Gerschom, der vor Freude und vor Stolz auf seinen würdigen Vater wieder glühend roth wurde, ״also, was geschah weiter, Schwager?" ״Du kannst dirs denken, welchen Eindruck diese Rede ans mein liebes Muttrrlc machte. Sie ergriff Mstadtl'S Hand und hätte sie, wenn er cs gestattet hätte, an ihre Lippen geführt. — David Altstadtl blieb volle drei Tage auf unserer Fabrik und prüfte die Bücher, was sehr schwierig war, da daS Hauptbuch seit des VatcrS Krankheit von Geisenheim thcilS lieberlich geführt, theils absichtlich gefälscht worden war; aber der eben so kluge als brave Altstadtl brachte auS den andern Büchern und der Korrespondenz endlich mit Mühe heraus, daß die Mutter und wir Kinder ein Vermögen von etwas über 32 000 Gulden besaßen. Wie Du weißt, hat sich der von ihm empfohlene GeschüftSführcr Max Bolmer so bewährt, daß ihm meine Mutter nlcinc ältere Schwester Therese zum Weibe gab, und daß unser Schwager nach dein Tode der Mutter, gemeinschaftlich mit meinen Bruder Theodor, das väterliche Geschäft fortfnhrtc. Ich habe also vollkommen recht gehabt, wenn ich behauptete, daß wir ,dem Vater dieses lieben jungen ManncS da unfern Wohlstand, unser Fantilicnglück danken." ״Gewiß," bestätigte Lautcrbach, .״und cs freut mich, den Sohn dieses Biedermanns kennen gelernt zu haben. Ich bedauere es nur, daß meine Frau nicht zu Hause ist, auch sic wird sich sehr freuen. Sie kennen zu lernen. Ich bitte Sic recht sehr, mein Haus als das Ihrige zu betrachten, und ich und meine Frau wir würden uns glücklich schätzen, wenn wir Ihnen in irgend einer Weise dienen könnten." ״Sapermeut nein!" fuhr jetzt der Förster, nachdem er auf seine Taschenuhr gesehen hatte, Plötzlich erschrockcn auf. ״lieber all' die schönen Geschichten und freundlichen Erinnerungen hätten wir uns bald gottsjämmerlich verplaudert! — Wir sollten ja um halb sieben beim Advokaten in Prag sein; ich Hab' ja nur deshalb die weite Reise von Snlzcnstein nach Prag unternommen!" (Fortsetzung folgt.) Eingesandt. Unter den Etablissements, welche sich mit der Erzcugung und dem Vertrieb von für den jüdischen Kultus bestimmten Gegenständen befassen, nimmt dasjenige der Herren M. Hirsch!er & Sohn zu Wien, Stadt am Bergl I, unstreitig einen sehr ehrenvollen Platz ein. Abgesehen von dem reichhaltigen Lager von Gebetbüchcru re. zeichnet sich dieses Etablissement auch nament-!ich durch die Gewissenhaftigkeit ans, in welcher die Inhaber bei den Verkauf von תפילין, טליתים, מזוזות nur wirklich zuverlässig angefertigte Objekte in den Handel bringen. Die Kunststickerci der Herrn Hirschler und Sohn liefert wahrhaft gediegene und in feinstem Geschmacke auSgcführte Knustgcgcnstände. — Dabei sind die Preise äußerst mäßig. Das Etablissement setzt seinen Stolz darin, durch reelle und sorgfältige Bedienung sich seinen Ruf Zu erhalten.

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