Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1884)
- Article
- Schweiz : Langenthal [Nachricht]
- Date
- 1884-09-11
- Page
- 589 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Skalat 1× ep/1047761
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Schweiz. A.E. 5. September. Der Gerichts- Präsident des Bezirks Aarwangen hat die wegen Thierquälcrci beim Schächten angcUacjicn Israeliten : Saloinon Bloch, Metzger, nnd Henry Levy, Schächter, beide in Langenthal, gestützt ans Zeugenaussagen und ein Gntachten non vier Fachmännern zu je \ 0 FreS. Buße und j solidarisch zn den Kosten vernrtheilt. Eine Appellation ist bis zur Stunde, laut ״Oberaarwangcr Tageblatt", nicht erfolgt. Oesterreich-Ungarn. FsH. Wie», 1. September. Jeder Bürger eines zivilisirtcn Staates will doch sicher Anspruch darauf machen, ein anständiger, wahrheitsliebender Mann zu sein — selbst wenn dieser Bürger Georg Ritter von Schönerer heißt. Ganz besonders aber müssen doch bei einem wackeren Manne'Worte und Thaten übercinstinimen — selbst wenn dieser Wackere Georg Ritter von Schönerer heißt. Dieser Herr setzt nun auf seine Fahne, d. h. an den Kopf des von ihm herauSgegebeucn Blattes: ״Unverfälschte deutsche Worte", und wenn wir dann gelesen haben, was für Worte das sind, so begreifen wir allerdings, daß Herr von Schönerer dieselben geschrieben. Ich habe eine Nummer dieses Blattes vor mir. Acht selbstständige Artikel enthält eS, davon sind fünf gegen die Inden gerichtet voll des giftigsten Hasses, der lügnerischsten Behauptungen, der verfälschtesten Worte. BeweiSloS, oder sagen wir ohne Logik, greift der Verfasser die jüdischen Bürger an, predigt geradezu die Jndcnhetze, kurz — doch was soll'S langer Worte. Jeden einzelnen Artikel, die kleineren vermischten Notizen ganz abgerechnet, zu widerlegen, wäre zu nutzlos und — langweilig. ES ist wirklich nicht der Ehre und der Mühe werth, die man auf das Znrückweisen der Worte Schonerer'S verwenden wollte. Zum Glück hat der Herr Redakteur den Ton des Blattes so gewöhnlich, so pöbelhaft gewöhnlich gehalten, daß jeder anständige Mensch sich mit Berachtung davon abwenden muß. In dem Blatte wird kein Mittel verschmäht, um den Haß gegen die jüdische Devölkerung zn schüren; er verschmäht sogar das sögenannte ״Mauscheln" nicht. Auch das Lügenbuch von JnstnS greift inan heraus, um gehässige, verleumderische, verfälschte Behauptungen gegen die Inden vorzubringen. Lassen wir dem Edlen sein Plaisir. Doch das wollen wir hervorhebcn, daß nicht nur behauptet wird — wie ja stets — daß der Talmud gegen die Nichtjnden den Haß schüre, sondern dem Talmud wird sogar vorgeworfen. Mißachtung Gottes zu lehren. Eine größere Lüge ist noch nie ausgesprochen worden. Einer solchen Fälschung der Wahrheit hat vor dem Ritter von Schönerer und seinem Kumpane JnstnS Niemand sich schuldig zn machen gewagt. Es ist eine Lüge, die hier in dem ..Unverfälscht deutschen Worte" mit kecker Stirn ausgesprochen wird. Haß zu schüren und Mißachtung der Wahrheit und Höhnung des Gottes, der Feind jeder Lüge, ist nicht die Gepflogenheit des Talmuds -- das überläßt er Andern. — Wehe Deutschland, wenn ein Ritter von Schönerer und ein JnstnS die Wahrheit ״unverfälschte Wahrheit" bringen sollen! — כ Lemberg, 2. September. Der Kaiser spendete 500 Gulden für die Opfer des Brandes in Toporow, Bezirk Brody, und 100 Gulden für den Bau einer Synagoge in Tamornda, Bezirk Skalat. il. Aus Oberuugarii, 1. September. In Nr. 30 dieses geschätzten Blattes wurde ein energischer Protest gegen den kvrrnmpirenden Antisemitismus von Seiten deS protestantischen Konvents mitgetheilt. Dies geschieht auch auSsührlich in einem katholischen Kirchenblatte ״Magyar Korona" ״Ungarische Krone". Es heißt daselbst folgendermaßen: ״Wir haben viel zn oft das Auftreten der Antisemiten mißbilligt, als daß man uns jetzt dessen beschuldigen könnte, daß wir denselben etwa die ״Stange hatten" wollten. Im Gegentheilk Wie bei andern Gelegenheiten, erklären wir anch jetzt, das; dasjenige, was im Antiscmitismüs vcrdammenswerth ist, nicht erst jetzt oder künftig durch das Wort einzelner, wenn anch noch so angesehener Männer, oder durch Versammlungen und ״Konvente" verdammt werden müsse; da eS ja bereits durch den Stifter der christlichen Religion vernrtheilt worden ist, der da der Welt gelehrt hat: ״liebe deinen Nächsten wie dich selbst" — dies lehrt die Kirche seit nahezu zwei Jahrtausenden. (Das Judenthnm lehrt dies seit anderthalb Jahrtausenden früher. D. Eins.) DicS verkündet sie von der Kanzel herab und Prägt cS in der Schule in daS Herz der Heranwachsenden Geschlechter ein. Je größer der Einfluß dieser Religion, welche dergleichen lehrt, in der Schule, in der Gesellschaft, im Staate, sonwhl bei Christen, als auch bei Israeliten, um so gewisser wird der Antisemitismus verschwinden und nichts zurücklassen, als leeren Dunst." — Möchten doch alle christlichen Geistlichen und Lehrer aller Lander diese Worte beherzigen und bethätigen! Dann, aber auch nur dann, sind sie ihres heiligen Amtes und Namens würdig; sonst sind sic nur Schein-, sagen wir geradezu Antichristen. * Ans Ungarn, im August. Dem ״Hämagid" wird von Ungarn berichtet: ״Unlängst verbreiteten die antisemitischen Blätter bei uns das Gerücht, ein gewisse! Jude NamenS Heinrich Hoffmarm in der Stadt Albert, hätte seine alte Mutter ermordet und seinem Vater einen Finger abgebissen. Daraus dednzirtcn die Antisemiten sofort, daß ein so grausames Volk NnS-