Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1884)
- Article
- [Rezension] / ... c.
- Date
- 1884-09-11
- Page
- 583 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933086--16616-2958517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
583 des Christen thurnS den Messias und deshalb das Heil der Juden nur iu dem Glauben an ihn erkennt. Er will aber das Gebot der Bcschneidung, des Sabbath und der Spciscgesctzc anscheinend in gewissem Grade bcibchalteu, dic Tausc und das Abendmahl annchmcn, die Triuiiät nicht buchstäblich anerkennen und über die Natur des Neligiousstifters sich vor der Hand nicht allssprechen. Die von ihm ausgestellten י׳ג הנהות und שרשי אמונת ״ עם ישראל בני ברית חדשהDreizehn Thesen״ und ,.Glaubensartikel der national-jüdischen Gemeinden des Neuen Testaments" enthalten kaum etwas Vernünftiges, wie denn auch sein פדר האחץ בליל 22ה für die Peßach-Hagada das Abendmahl eiusctzend, eigentlich recht thöricht erscheint. Herrn Delitzsch ist mitgctheilt worden, daß in B e s s a r a b i e n, namentlich in Kische - new, sich diesem ..neuen Judeuchristcnthum" jetzt über 200 Fanlilien angeschl offen, und einige bereits das vergangcne Peßachfest nach der von Nabinowitz entworfenen Liturgie gefeiert haben. Er hält cS deshalb schon für angezcigt, wenigstens vorläufig zu erwägen, daß bei einem massenhaften Austritte ans dcnl Judeuthume die betretenden befähigt wären, ״eine selbstständige Gemcindc zu bilden, ein eigenes Bekenntniß auszuprägcn und ihren Kultus mit unmittelbarem Anschlllß an den fynagogalen zu gestalten; — ein solcher Fall liegt hier vor." Wir glauben, daß Herr Delitzsch sich gründlich irrt, welm er diese Nabinowitz'schcn Faseleien als das GlaubenSbekcnntniß eines national-jüdischen ChristenthumS begreift. Wir haben guten Grund zum Zweifel au der Thatsache des ״massenhaften Uebertritts": aber selbst auch einen solchen zugegeben, so glauben wir uns selbst so gut zu kennen, um nicht über die Möglichfeit - zu lächeln, daß solche Kundgebungen, wie die Nabinowitz'schen, in der Judenheit im Großen und Ganzen fast spurlos vorübcrgehcn. Was seit achtzehn Jahrhunderten nicht gelungen ist, daß wird auch einem Nabinowitz nicht möglich werden. ...e. Gegen Gildemeister, von Du. M. Joel, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Breslau. Breslau und Leipzig. Schottländer. 1884. Der vor dem Bonner Gerichte verhandelte Prozeß gegen den Verfasser der ״Jsaakiade", in welchem der Professor Gildemeister als Sachverständiger eine keineswegs beneidcnswcrthe Stelle einnimmt, hat dieses Schriftchen veranlaßt. Wir glauben daran erinnern zu dürfen, daß die erste und gründlichste Widerlegung des erbärmlichen Machwerks ״Jndenspiegcl von Justus" der Quelle der ״Jsaakiade", in dieser Zeitung durch Du. Gugeuheimer veröffentlicht worden ist, bevor andere Zeitschriften sich zu einer solchen anschicktcn. Der Verfasser dieses sich gegen Gildemeister wendenden Schriftchens scheint von dieser ausgezeichneten Arbeit leine Ahnnng zu haben, er hätte sonst manches daraus cntnchmcu können. Im Ucbrigen ist die Schrift recht ruhig gehalten. Da der Verfasser selbst bekennt, nicht auf dem Boden des orthodoxen Judcuthums zu stehen, so übcrhcbt er uns der Mühe, dieses zu erweisen. X. Wachtgestirne. Historische Novelle aus der Feudatzcit Ungarns Von Samuel Berthold RoSner. ׳ .- (Nachdruck verboten u. Nebersetzmi^rcchl Vorbehalten (Fortsetzung.) Wunderbare Ahnungen und Gedanken, von denen er sich keine Rechenschaft zu geben wußte, erfüllten ihm sein Ekel lind Grauen vor den Natten war verschwunden, er ließ sich^aus das Stroh nieder und fing mit Heller Stinune an, die Psalmen zu zitiren, er kannte alle auswendig. Er sang und sang, seine Stimme wurde immer schwächer, die Lippen bewegten sich kaum noch, er sank aufs Stroh hin und schlief ein. Er erwachte erst, als er sich derbe an der Schulter gerüttelt fühlte und den Gcsangenwartcr vor sich sah, welcher in der einen Hand eine Talgkcrzc und in der andern ein Stück schwarzes Brot hielt, zu seinen Füßen stand ein irdener Krug mit Wasser gefüllt. ״Ich bringe Dir Dein Mittagsmahl, Salamon," jagte der Gefangcnwärter und legte das Brot auf die Mündung des Wasserkruges nieder. Dcr Mann war ein Bekannter Nohrbach's, er hatte schon manche Wohlthat aus der Hand des reichen Inden empfangen, und er wurde beim Anblick seines Elends von einer tiefen Bewegung ergriffen, die er sich vergeblich bemühte uiedcrzukämpfen — sie klang durch seine Worte hin״ durch. Nohrbach richtete sich zur Hälfte auf und sagte mit trübem Lächeln: ״Nicht wahr, Juro, Du hast nicht gemeint, mich noch einst an diesem Orte bcwirthen zu müssen. Was haben wir jetzt, Tag oder Nacht?" ״Es ist Tag draußen, die Sonne scheint hell, und der Zeiger der Sonnenuhr steht aus zwei," erwiderte Juro. ״Ich war schon einmal da, doch ich ging wieder hinaus, weil ich gesehen Hab', daß Du schliefst. Jetzt aber ist Mittag längst vorbei, Du wirst schon einen tüchtigen Hunger haben. Ich habe Dir auch etwas mitgebracht zum Brot, es ist nur ein arm» seliges Bauerngericht, aber zum trockenen Brot wird es schon gut sein. Nimm und iß." Damit holte er aus der Tasche eine beträchtliche Anzahl gebratener Kartoffeln hervor und reichte sie Nohrbach hin. ״Ich danke Dir, Jnro," schluchzte Nohrbach, die Hand seines Wärters erfassend und sie warm schüttelnd,