Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1884)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1884-09-04
- Page
- 574 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 bildete sich hier ein Verein zum Zweck der Erbauung einer Synagoge nach scphardischcm Ritus. Die ersten herbcigcschafften Mittel wurden zur Erwerbung eines Terrains in der Nue de BusfanU verwendet. Da machte ein in der Finanzwclt bekannter Herr Osiris Iffla der Gesellschaft den Vorschlag, er wolle den Bau I aus seine kosten aufsi'chren lassen unter der Bedingung, j daß Gedenktafeln, die seinen Namen trügen, in der! Halle angebracht werden sollten. Dieses Anerbieten! nah»! auch die Gesellschaft au. Durch die Berichtigung! der Baupläne des Herrn Jssla aber kam der Van : statt auf 200000 Francs, welche Summe der be-; treffende Herr bestimmt hatte, ans 800 000 Francs zu! stehen. Als die Synagoge fertig war, wurde durch j den Oberrabbiner von Paris zur feierlichen Einweihung! geschritten. 20111 sind jedoch zwischen der Gesellschaft! und dem Spender bezüglich der Gedenktafeln Schwierig-! leiten entstanden. Herr Iffla hat nämlich nicht nur! Tafeln mit seinem Namen anfertigen lassen, sondern! auch solche mit anderen Namen, B. mit Don Spi- | nozcr's. Das israelitische Konsistorium nebst dem Oberj rabbincr haben gegen die Inschrift der letzten )kamen; proteftirt und die Gesellschaft zur Wegnahme der Tafeln '! veranlaßt. Herr Iffla hat nun eine Forderung gegen i die Gesellschaft angestrengt, die Gedenktafeln wieder hcrzustcklen unter Strafe von HM Francs für jeden Tag Verzögerung. — Das Gericht hat die Angelegenheit aus weitere acht Tage vcrschobcu, um die Bc- Beschlüsse des stcllvcrtreteuden Staatsanwaltes zu vcrnehmen. Rußland. W. Ans Sirdrnftlaird, 27. August. Noch ein׳ mal hat הקב״ה seine Hand schützend über Nils gehalten, )koch einmal ist das Mordbeil von nuserm Nacken fern geblieben. Doch wie lange wird cS dauern, und der Stahl, der für uns gcschlisfen ist, wird das Werk vollbringen, dem er bestimmt. In Kutais am Kaukasus wäre cs fast zu einem allgemeinen Indenmorde gekommen. Hub warum? Nun, immer wieder die alte Geschichte. Ein christliches Kind wird vermißt, natürlich haben cs die Inden geraubt. Der Muschik ergreift die Gelegenheit und eilt heulend und lärmend zum Judenviertcl. Ein Massakre steht bevor, die Inden zittern, Aexte und Beile sind erhoben, um znzuschlagen — ba wird das Kind gebracht, noch zu rechter Zeit ausgcfnndcn. Sv ist. cs immer. Die unschuldigen Kinder sind die Ursache zum Morde und die unschuldigen Inden das Opser. — Wir befürchten weitere Hetzen, da der Haß gegen uns immer wächst. Ein glücklicher Wurf! Erzählung ans dem sechsten Dezennium des vorigen Jahrhunderts. ׳ Bon 5. K 01) n, Verfasser von ״Gabriel". (;u־M׳r ui:lH׳׳u:\u■ '.);«״(baut wirr» mit aller rtivmie;vrjoliji werde». Ne!>cr!'chana<׳rct!׳re ml'ciialtcn• i FoNsctzinig.) ״Meine Frau hat mir schon einmal erzählt, daß meine Schwiegermutter und ihre ganze Familie einem braven FüNhcr Inden viel zu danken haben,׳" meinte Lauterbuch, ״aber sie hat mir weder dessen )kamen genannt, noch genau zu erklären gewußt, in welcher Weise er Euch zum Danke verpflichtete." ״Monika war ja damals noch ein Kind," erwiderte der Förster, ״und wenn sie es auch später oft genug erzählen hörte, hat sic's nit gehörig ausgefaßt, Du weißt's ja, Schwager, die Wcibsleul' verstehen nit viel vom Geschäft. — Die Sach' war also folgende: Wie Du weißt, war mein Vater, Dein Schwiegervater, Besitzer einer Tuchfabrik. Wie Dir ferner bekannt, hatte er auf einer Geschäftsreise das Unglück, als er in seinem Wagen über einen gefrorenen Fluß fuhr, mit jenem dnrchzubrcchcn und in das eiskalte Wasser zu stürzen. Es gelang wohl, den Vater und den Kutscher zu. retten; aber die Beiden nuißtcn noch einige Stunden in starkem Froste in durchnäßten Kleidern fahren, bevor sic diese wechseln konnten, und der Vater hatte sich hierdurch eine starke Lungenentzündung zugezogen, die sich zu einem unheilbaren Vrnstübcl auöweitcte, dem mein armer Vater nach zweijährigem Sicchthumc erlag. Meine Mutter blieb mit vier Kindern, wovon das älteste, meine Schwester Therese, vierzehn, das jüngste, Deine Frau Monika, vier Jahre alt war, zurück. Es-!var dies ein entsetzlich harter Schlag für sie. Der Batcr hatte sie geliebt, verehrt, verhätschelt, ihr jede Sorge, jede Uuaunchntlichkcit ferne gehalten, — und mm trat plötzlich die dringende Nothweudigkcit an sie heran, für ihre und ihrer vaterlosen Kinder Er- Haltung zu sorgen. Meine Mutter war eine kluge, tüchtige, aber als unser Vater starb, ganz gcschäftsunkundige, geschüsisunersahrcne Frau, welche, wie sie selbst einsah, mm ganz von unserem Buchhalter und Geschäftsführer Ludwig Geisenheim abhängig war. Da dieser als verwaister Knabe von meinem Großvater zuerst in'ö Haus, daun ins Geschäft genommen worden und unserer Familie zu großem Danke verpflichtet war, das Vertrauen!!׳.eines Vaters in unbeschränktem Maße genossen, endlich während dessen Krankheit das ganze Geschäft allein geleitet hatte, betrachtete cs die Mutter als .etwas Selbstverständliches, daß er als treuer Diener des Hauses aus seinem Posten auöharren und ihr wenigstens die Sorge für ihre und ihrer Kinder Er-