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Jeschurun · 1884-09-04 · Heft 36 (4.9.1884) · p. 567

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 36 (4.9.1884)
Article
Ein norwegischer Vorkämpfer für die Rechte der Juden
Date
1884-09-04
Page
567 (sequence 2)
Language
German
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Verschlossen blieb die Thur, und kraftlos sank der erschöpste, athemlose Mann nieder. Als der Morgen anbrach, fanden die Bewohner des Hofes einen halb mit Schnee bedeckten Mann an der Thür sitzen. ״Sich', da ist der Jude noch. Schau, er hält sein Bünde! fest, der Gauner!" Als sic sich näherten lind ihn an die Schulter packten, um ihn wie ein unreines Wesen fortznjagcn, rührte er sich nicht, — er war eine Leiche. Und, entschliche Strafe ihrer Unbarmherzigkeit, um seinen Hals klammerten sich die erfrorenen Aermchen ihres Töchterchens, welches den Abend vorher die Wohnung seiner Pflegeeltern verlassen hatte, um Vater und Mutter zu überraschen, aber in dem Schneegestöber sich verirrt hatte und auf solche Weise umgckommen war.- Durch diese Gedichte gewann Wcrgcland sicher nicht weniger als durch seine Reden und ZcitungSartifet die Herzen Vieler für seine Idee. Doch wurde der von ihm vorgeschlagcne und von einem Komitee übernommene Antrag in der Sitzung von 1842 nicht angenommen. Die Mehrzahl Derer, die dafür stimmten, waren Bauern; unter den Mitgliedern des Storthings, welche gegen den Antrag sprachen und stimmten, befanden sich -sechs Geistliche. Wergeland hat selbst eine auSfühilichc Uebersicht über die bei dieser Gelegenheit geführte Debatte gegeben, und ist cs merkwürdig zu scheu, welche Gründe seine Gegner der Religion und der Staatswirthschaft entlehnten, um ihre Gefühle zu stützen. Aber diese erste Niederlage entmnthigtc den nnermüdlichen Känipfer nicht. Für einen zweiten CykluS von Gedichten ״Jodenden" entnahm er den Stoff demselben Gegenstände, und er fuhr fort, auf jede Weise, durch Wort und Schrift, Anhänger für seine Idee zu gewinnen. Noch auf seinem Krankenbette, welches sein Sterbebett werden sollte, hielt er sich damit beschäftigt und schrieb in seinem gewohnten, feurigen Style Briefe an die Volksvertreter, um sie anznsporneu, bei erneuerter Behandlung seines Antrages mit allen Kräften dafür zu kämpfen. Leider sollte er den Sieg seiner Anschauungen nicht erleben; erst im Jahre 16:">l, sechs Jahre nach seinem Tode, wurde den Inden gestattet, Norwegens Boden zu betreten. Aber. bereits vier Jahre vorher war auf seinem Grabe von dem Volke, für dessen Rechte er gestritten, dieses Denkmal errichtet worden. Und noch wird eö jedes Jahr an seinem Sterbetage von den dankbaren Söhnen Israels mit Kränzen geschmückt." Ich habe Vorstehendem nichts hinzuznfügcn. Nichts? Ja, doch: זבר צדיק?1ברמת. Aachlgestirne. Historische Novelle ans der Feudalzeit Ungarns Von Samuel Bcrthold Roöner. —(JJacJjbvud verboten ».lieber־ setzun^rvcht Vorbehalt,n (Fortsetzung.) ״Sie ist sehr abergläubisch — muß sie nicht vor Jenen znrückschandern, auf denen der Verdacht ruht, ihre Kirche beraubt zu haben?" Gabriel schüttelte verneinend den Kopf und blickte nachdenklich vor sich nieder. ״Das ist'S nicht," murmelte er. — ״Sagt, Mutter," frug er, hastig den Kopf erhebend, ״wißt Ihr genau, daß das Barchcsdcckel an jenem Freitag Abend noch vorhanden war? — Habt Ihr nie zuvor Ursache gehabt, an der Treue Mara's zu zweifeln?" Frau Rohrbach blickte befremdet auf. ״Ich be« greife Deine?Fragen kaum." ״Ich weiß auch noch nicht ganz klar, was ich damit bezwecke — aber — aber —״ Eine geräuschvolle Bewegung der Kranken gab seinem Jdeengange eine andere Wendung. Gabriel eilte zur Kranken. Frau Nohrbach aber nahm die Kräuter aus seiner Hand und ging in die Küche, um den Thee zu bereiten. Als sie sich über das kochende Wasser neigte, um die Kräuter hineinznwcrfcn, sielen auch einige Thränen ans ihren Angen hinein. Mil einiger Mühe gelang cs, der Kranken den Trank einzuflößen und — waren cS die geheimnißvollen Säfte der Kräuter oder die -Thränen der Mutter, die das Wunder bewirkten? — Die Augen, die seit Wochen kein Schlummer erquickt hatte, schlossen sich, das brennende Roth der Wangen Lealsis wurde matter, ihr Athen! regelmäßiger — auf den sanften Schwingen des Schlafes hielt die Genesung ihren Einzug. Mit wonnetrunkenen Blicken stand die Mutier noch lange am Bette ihres in's Leben znrückkchrenden Kindes, lauschte auf jeden Athcmzug und zählte jeden Tropfen Hellen Schweißes ab, der wie Perlen eines Diadems auf der rosigen Stirne Leah's hervorquoll. Erst als draußen das Nachtlicd des Wächters erscholl, begleitet von zwölf gedehnten Hornstößen, und die Kranke noch immer fest schlief, suchte Frau Nohrbach ihr Lager auf — das erste Mal seit der Erkrankung Leah'S. — Die srische Jngcndkraft eroberte im Sturmschritt das an die Vorboten des Todes verlorene Gebiet wieder zurück. Leah wurde mit jedem Tage kräftiger und konnte schon nach acht Tagen das Bett verlassen. Zahl« reiche Gäste kamen, Verwandte und Fremde, um Leah und ihrer Mutter zur Genesung Glück zu wünschen — ja, sie mochten wohl in ihrer Genesung ein glückliches Ereigniß erblicken, die mehr oder weniger fremden

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