Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Radautz (Bukowina) [Nachricht]
- Date
- 1884-08-28
- Page
- 556 (sequence 2)
- Language
- German
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und wahr ist, wird sich auch bei uns;eigen. Das : alte jüdische Vercinswcscn ist t»ci uns (gottlob noch nichl erstürben. Größere und kleinere Genossenschaft cn wirken für gute ltnb heilsame Zwecke, אהד המרבה אהד הממעיט•, die Einen mit reichen, die Anderen mit winzigeren Mitteln. Alle aber in redlichem, lobcnswerthem Geiste. Diesen Vereinen wird sich noch ein neuer aus Initiative unseres ehrwürdigen Dbcrrabbincrs Knnstadl ins Leben gerufene Verein hinzugesellcn, und;war ein jüdiichcr Spitalvcrein, dessen statinen schon zur Genehmigung der hohen Landesregierung in den nächsten Tagen unterbreitet werden wird. — Anlaßsich de? Gebnrtsscstes Sr. Majestät am 18. August d. I. fand sowohl in den Kirchen als auch in der Synagoge ein solenner Gottesdienst statt, dem die Vertreter sämmtlicher politischen und städtischen Be- Hörden, wie auch die Geistlichkeit, Professoren des Gymnasimns beiwohnten. Vor der Synugoge gab die Mannschaft der zur Waffenübung anwesenden Landwehrbattaillone die üblichen Salven ab. Hier hielt unser verehrter Herr Sbcrrabbiner eine sehr gelungene Festrede, pries die Milde und Leutseligkeit unseres Monarchen, zeigte, daß drei Motoren die Liebe;um Herrschcrhausc in uns rege halten, nämlich-. Religion. Patriotismus und Dankbarkeit, und wies in beredter Weise auf die Wichtigkeit des Tages hin und auf die Dankgefühle, die jedes Dcsterrcichers, insbesondere aber jedes jüdische Her; in Dankbarkeit gegen Sr. Majestät erglühen lassen. Der Kantor brachte hieraus in recht guter Weise ntchrerc dem festlichen Tage angcpaßlen Gcbetstückc und zun! Schluß die Volkshhntnc zu Gehör. Der Bczirkshanptmann dankte hierauf dem Herrn Rabbiner für dessen patriotische Worte und versprach, diesen Ausdruck patriotischer Liebe zum Herrscherhanse zur Keimtniß Sr. Majestät gelangen zu lassen. H o l l a u b. --t Nolter-am, 24. August. Die von der Permanenten Eonimissic zur Prüfung der ההרה הראה unseres erwählten Oberrabbiuers, Herrn Di׳. Ritter, ernannte Kommission, bestehend ans den Herren Oberrabbinern Hillesum-Meppel, Tat-Arnhem, Rabbiner Whnkoop Amsterdam, hat dir betreffenden Dokumente anerkannt. — Laut dem jetzt veröffentlichten städtischen Berichte betrug Ende 1882 die jüdische Seelen;ahl unserer Stadl 70(1(> bei einer Bevölkerung von l(i<HM)2 Seelen. — Wie ich dem ״Wcekblad voor Isr. Hnisgez." entnehme, beabsichtigt ein Glaubensgenosse in Schevcningcn daselbst eine Synagoge erbauen zu lassen, und sollen die Unterhandlungen wegen Ankauf eines Ban- Platzes bereits tut Gange sein. Wenn das Projekt zur Ausführung kommt, wird damit einem lang gefühlten Bedürfnisse abgcholfen sein. Dasselbe Blatt rhcilt ferner mit, daß der Beginn der Ziehung der 5. Klaffe der Staatslottcrie, ivelchcr planmäßig am 29. Sep- 1cmder zu erfolgen hätte, des Jom Kippur's halber aus den darauf folgenden Tag verschoben worden ist. S c r b i eit. ZZ Belgrad, 20. August. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde überrcichlc dem Minister-Präsideuten Garaschanin und dem Justizminister Marinkovic Adressen, in welchen denselben für das an die serbischen Behörden erlassene Zirkular, betreffend die uncingeschränkte Ansiedelung der Inden in ganz Serbien, der Dank der Gemeinde ausgesprochen wird. Nußl and. k>- Petersburg, 15. August. Der ״R. Fr. Pr." wird von hier geschrieben׳. Gegenwärtig mit bei uns wieder die heikcle Judensrage in den Vordergrund. Abgesehen von den immer und immer wieder bald hier, bald dort zu Tage kommenden Feindseligkeiten gegen die Juden, wie z. B. in Reval, in Rjeschin (Gouvcrnement Tschernigvw) 11. s. w., hat man bei uns, als gelte es, für die Berliner Ausweisungen ״in Folge der sozialistischen Tendenzen des russischen Jndcnthnms" (wie ein hochkonservativcs Bla.t sich cuiszudrückcii bcliebte) ein Pendant zu schaffen, auch Maßregeln ergriffen, um den ״jüdischen Sozialismus" auch in Rußland nach Möglichkeit anszurotten. und;war aus indircktem Wege. Indem man sich hinter den Buchstaben des Gesetzes gesteckt, welches sagt, daß den Kindern jüdischer Eltern nur biejenigeu Mittelschulen zu besuchen, welche sich in dein Orte befinden, in welchem die Eltern Aufcnthaltsrecht besitzen, gestattet sei, schiebt mau dem Strom derselben in die Schulen, namentlich in Gymnasien und Realschulen, einen Riegel vor und glaubt dadurch auch der Ausbreitung des ״jüdischen So;ialismus" einen Damm zu setzen. Eine anderweitige, dasselbe Ziel verfolgende Beschränkung der Lcrufrciheit geht von der Nnivcrsität Kiew ans, welche den Antrag gestellt, die Zahl der jüdischen Studirendcn der Medizin auf ״ו/י der Gesammtzahk der Studireuden zu sipiren. In dieser Sache hat das Ministerium die Entscheidung noch nicht gefällt, doch ist wohl anzunehmen, daß sie dem Gesuche der genannten Hochschule willfahren wird, ungeachtet dessen, daß das Gesetz den Inden im ganzen Reiche und in jeder Hochschule nach ihrer Wahl ihre Bildung fortzusetzcu gestattet. Bei uns kümmert man sich jedoch um dergleichen gesetzliche Bestimmungen nicht, und speziell in Hinsicht ans die Inden liegt ein einschlägiger Präzedenzfall bereits im Kriegsmittistcrium vor. wo der Kriegsmiuister Wannowskn ganz willkürlich und im Widerspruche mit dein klaren Wortlaute des Gesetzes ungeordnet hat, daß unter den Militärärzten nicht mehr als 10 Prozent Juden sein dürfen! — Wer wiegt sich in unseren leitenden Kreisen in der Wahnvorstellung, dadurch dem Sozialis-