Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1884)
- Article
- Die Ausgrabungen im Wadi Tumilat
- Date
- 1884-08-28
- Page
- 551 (sequence 2)
- Language
- German
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551 lauft, als wenn das Fußgcbalk eines oberen Stockwerkes hier in die Mauern cingegrisfcn hätte. Thatsächlich befinden sich darunter viereckige Löcher mit Holzüberrcstcn, offenbar die Oeffnnngcn für die Tragbalken. Aus den oberen Stockwerken also, die man sich als bewohnte Räume denken mag, da ihre Wände wcißcS Plastrum zeigen, gelangte man mittelst der Fallthürcn in die unteren Kammern, die sonach recht eigentlich Magazine genannt werden mochten, da sie zur Aufbe- Wahrung der VorrüLhe an Getreide und sonstigem Material dienten. DaS Zicgclwcr! an diesen Magazincn ist bald mit, bald ohne Strohhäcksel hergestellt, in welchem Bestände der Bibelkundige sofort einen weiteren Beweis für die Identität der ncuausgcdeckten Stätte mit dem Pithom des Exodus erblicken wird. Aber kein einziger von den vielen tausend Ziegeln, die Herr Naville daselbst aufgcfunden und betrachtet hat, zeigt. die Stempelung ans den Namen des Königs Ramesscs II. oder eines anderen Herrschers. Allerdings ist auch Pithom eine Gründung desselben RamcsseS II., kann aber nicht mit der ihm gleichnamigen Stadt identisch sein, da ja nach dem biblischen Berichte beide Paukte um wenigstens eine Tagereise von ciuaudcr entfernte Stationen darstellen. Abgesehen von den obenerwähnten Denkmälern, die dm Pharao Namesses II. als früheren Bauherrn von Pithom erhärten, würde schon der ebenfalls dort zusammen mit bicjcm Namen aufgcsnndmc Sperber, daS Symbol des Gottes Tum, zur Erweisung dieser Zuge- Hörigkeit genügen. Der Tempel deS Tum: Pa--tum, an der Südseite der großen Einfassung gelegen, zeigt in seinem Grund- Plane ebenfalls eine Umfriedigung, innerhalb deren die bisher erwähnten Denkmäler aufgcfnuden worden sind, mit alleiniger Ausnahme einer Statue aus schwarzem Granit, welche wahrscheinlich über dm Wall in die benachbarte Kammer gestürzt ward. Sonst bietet die nächste Umgebung des Tempels, außer den Sphinxen am Eingänge und den Göttcrgruppen, nichts BemerkenswertheS, keine Avenue oder sonstiges Anßenwerk; cs war eben eher eine Festung oder ein verschanztes Lager, als eine eigentliche Stadt und wurde darum noch von Römern Kastra genannt. Man sicht über einem Theile des Tempels die rothen Backsteine des römischen Lagers, und noch spätere Bauten haben ihr Material dem Tempel des Tum entnommen. Ein dort aufgefundener Meilenstein mit dem Namen GaleriuS Maximianns und Severus (306 u. d. gcw. Zeitrechnung) trägt die wichtige Inschrift: Ab Ero iu Clusina MP VIIIJ und ein anderer Block: Ero castra. Diese beiden Zeugnisse werden noch durch ein drittes verstärkt, indem ein anderer Stein die Sladtbenenriung Ern IIPOY in griechischer Schrift bietet WaS ist daraus zu schließen? Offenbar die Identität von Pithom mit dem vielbesprochenen Hcroonpolis, welcher Name bekanntlich auf Gaumünzcu und sonst z. B. bei Stephan. Gy; in Hcro abgekürzt erscheint. Herr Naville äußert die sehr ansprechende Bermuthung, daß dieses Wort aus dem altcgyptischen Ara, Magazin, entstanden sein mag, da er eö in dem Titel eines Beamten an Ort und Stelle aufgcfunden hat. Derselbe, unter einem Ptolcmäns (XXXII. Dyn.) lebend, ist nämlich genannt und zwar auf seiner Statue: Verwalter des MagazineS: Ara von Pa-tum. (Schluß folgt.) Nachtgestirne. Historische Novelle aus der Fendalzcit Ungarns Von Samuel Bcrthold Roöuer. —(Nachdruck verboten u. lieber־ leruingorccht Vorbehalten (Fortsetzung.) Es hätte übrigens auch Niemand hinein können, denn die Thüre der Schankstube war stets zugesperrt, — es war Niemand da, der die Gäste hätte bcwirthcn können. Lcah lag auf dem Krankenbette. Ein krankhaftes Roth färbte die glühenden Wangen und wirre Reden entströmten ihren trockenen, fieberhaft zuckenden Lippen. Auf dem Flügelrösse der Phantasie entstieg sic dem düster» Raume des Krankenzimmcrs, — bald weilte sic bei dem unglücklichen Vater im feuchten, finstern Kerker, küßte ihm die in den weißen Bart rollenden Thräncn von der bleichen Wange und flüsterte ihm Worte des Trostes, der Liebe und des Mitleids zu. Plötzlich unterbrach sie sich mit einem jähen Schrei und richtete sich, am ganzen Körper zitternd, aus. Die Kerkerthür hatte sich knarrend in den Angeln gedreht, der Gcfangcnwärter, ein finftcrcr Mensch, war hereingetrcten und reißt den thcucrn Greis mit roher Hand von der verfaulten Streu empor. Er will ihn wcgführen — wohin? In den Gerichtssaal — auf« — Schasfot? Sie beschwört ihn beim Andenken an seinen Vater, bei seinen Kindern, bei Allem, was ihm theucr und heilig ist, sie windet sich wimmernd zu seinen Füßen — es fruchtet Nichts! Der Mensch scheint kein Herz, oder eines aus Stein zu besitzen, unerbittlich führt er ihn fort, und um die Sinne der Tochter lagern sich düstere, grauenvolle Schatten der Verzweiflung. — In solchen Momenten lag die Kranke ruhig, wie von einem übermäßigen Kampfe ermattet, mit starren, thcilnamloscn Blicken zur Zimmerdecke emporblickend. O, was waren das für Blicke! — Gabriel erschauerte bis in'S tiefste Her; hinein, wenn er diese, beinahe gleichgültigen Blicke in den sonst so geist- und seelenvollen Augen des holden