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Jeschurun · 1884-08-21 · Heft 34 (21.8.1884) · p. 541

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 34 (21.8.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1884-08-21
Page
541 (sequence 2)
Language
German
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541 welcher Rabbiner werden will, muß sich dann erst einer eigenen Prüfung vor den! Obcrrabbiner unterwerfen." D. F. NikvlSburg, im August. Samstag, der neunte August, war für die hiesige Knltnsgemeinde ein Tag des allgemeinen Jubels. Unser Bürgermeister, Herr Sigmund Blau, beging die Feier seines 23jährigen Amtsjubiläums. Nachdem Tags zuvor burd) den Vorstand der Gemeinde eine Geldvenhcilnng an die Armen der Stadt, ohne Unterschied der Konfession, vorgcnommen uwrdcn, war der nächste Tag ganz und gar den durchwegs gelungenen Festlichkeiten gewidmet. — Morgens wurde der Jubilar vom Wohnhanse ans in den prächtig dckorirten Sitzungssaal des israelitischen Nathhauses geleitet, wo das von Küustlcrhand tresflieh vollendete Bild des Herrn Bürgermeisters enthüllt und zum ewigen Angedenken an diesen unl das Gemeindewesen verdienten Mann angebracht wurde. Von hier aus wurde der Jubilar, umgeben von der freudig be wcgten Menge, in die großartig gesehntückte Synagoge geführt, wo der eigentliche Kern der Feier sich abspielte. Honoratioren der jüdischen und christlichen Geineindc, Gäste von Nah und Fern, Deputationen aller Vereine der Christenstadt, wie der Feuerwehr, des Beterancnvcreins n. a. m., Vertretungen des Gerichts und der übrigen Behörden hatten sich cingcfunden. Cröfsnct wurde die synagogalc Feier mit den! vom Herrn Oberkantor Maß trefflich geleiteten Choralgesange Ma t״o\vn, worauf Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang die Kanzel bestieg und in mcisterhastcr, formvollendeter und tiesdnrchdachter Rede zuvörderst das Wesen der Gemeinde mit! ihr Verhältnis; zum Staate und zur großen Weltgemeiude erklärte, hierauf das Ideal einer solchen קהלה in scharfen Zügen zeichnete und die scgensreichen Wirkungen derselben in lebhaften Farben malte. Nachdem bewiesen, daß zur Erhaltung eines solchen Gemeinwesens eine überaus kräftige Hand von Nöthen sei, 1111b der Karaktcr eines Leiters derselben, wie er sein solle und müsse, geschildert worden, wurde der Herr Jubilar Signiund Blau als Muster eines vorzüglicheu Bürgermeisters hingestellt. .- Auf diese ergreifende Rede folgte das vom hiesigen jüdischen Geselligkeitsvereine״Hilaritas" trefflich vorgctragene Bundeslieb von Mozart; darauf ein zu diesem Zwecke abgefaßter Mischcbcrach, von Herrn Oberkantor Maß gefühlvoll rezitirt: hierauf endlich der Choralgesang ״Adou Olom", womit die erhebende Feier ihr Ende nahm. — Von der Synagoge aus wurde der Jubilar wieder in's Rath- Hans geleitet, wo die Ueberreichung eines Ehrenbürgerdiploms in prachtvoller Kassette und die Entgegennahme der Gratulationen von Seiten einer langen Reihe Deputationen und persönlicher Freunde des Jubilars stattfand, worauf der Gefeierte vom Gcmeindeansschusse hcimgclcitet wurde Abends 9 Uhr fand ein vom Vereine ״Hilaritas" in Verbindung mit der hiesigen Feuerwehr und der Vcteranenmusikkapelle veranstalteter glänzender Fackclzug und eine Serenade vor dem Hause des Jubilars statt. - Die großartige Feier wird Jedem lauge in freudigem Angedenken bleiben. (Zum Verständniß der mit den mährischen Verhältnissen nicht Vertranten sei bemerkt, daß Nicolsbnrg noch zu denjenigen Städten gehört, in welchen bislang die jüdische Gemeinde zugleich eine mit allen Rechten einer solchen ausgestattete politische ist. Die israelitische Gemeinde Nikolsburg ist demgemäß eine von der christlichen Gemeinde völlig gesonderte politische Stadtgcmeindc mit eigener selbstständiger jüdischer Verwaltung und jüdischer Polizei.) V. Pest, 17. August. Lediglich um die erfreulichc Thatsache zu konstatiren, daß die antisemitische Störung doch nicht überall den Blick getrübt hat, möchte ich darauf Hinweisen, daß 11. A. einer unserer Glaubensgenossen als 1mm<> novus durch den Einfluß der Geistlichkeit — der katholischen wie protestantischen — in den Reichstag gewählt ist. Es ist dieses der Dr. N c m e nyi. welcher in der Redaktion des ״Pestcr Lloyd" eine hervorragende Stellung einnimmt. Rußland. * Cbeffrt, im August. Die ״Odessacr Zeitung" erzählt nachstehendes Faktum: D1\ in Odessa, ein Jude, ließ seine sieben Kinder taufen, während er selbst im Judcnthnm verblieb. Der Anlaß hierzu wurde durch folgenden Vorfall gegeben: Di׳. N. hatte seine Kinder männlichen Geschlechts nicht beschneiden lassen. Als nun gegenwärtig sein ältester Lohn in's Gymnasium eingeschrieben werden sollte, begab sich Dr. N. zum Ortsrabbiner, Herrn Dr. Schwabacher, um den nöthigcn Geburtsschein zu erlangen. Der Rabbiner gab ihm denselben, bemerkte aber im Dokumente, daß der Knabe nicht beschnitten wurde. Der Vater, hierüber erbittert, verklagte den Rabbiner bei der Ortsbehördc. welche die Beschwerde an's Ministerium leitete. Dieses sandte dieselbe wieder an die höchste Synode, welche schließlich entschied, ״daß der Knabe nicht ohne Religion bleiben könne, folglich sich entweder beschneiden oder taufen lassen müsse." Der Vater entschloß sich für das Letztere. ...x. Petersburg, 17. August. Das ״Journal de St. Pctersbourg" meldet, daß anläßlich der am 3. d. Mts. in Nowno vorgckommenen Ansschrcitimgen gegen die Inden der Gouverneur von Wolhynien in Person sich nach Nowno begeben habe. Rumänien. Bukarest, 10. August. DaS ״PayS" kommentirt die Interpellation Worms im englischen Untcrhanse über die den Inden Rumäniens in Folge des Hausirgcsctzcs geschaffene Lage und sagt, das

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