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Jeschurun · 1884-08-21 · Heft 34 (21.8.1884) · p. 540

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 34 (21.8.1884)
Article
Deutschland : Wassertrüdingen (Mittelfranken) [Nachricht]
Date
1884-08-21
Page
540 (sequence 2)
Language
German
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540 wie cs in jüngster Zeit geschehen ist, dennoch Jemand cs wagt, Zwiespalt in unsere friedlichen Mauern zu tragen. Der Lehrer 9t. der hiesigen städtischen schule hatte schon längere Zeit durch judenfeiudlichc Ausrcizungcn das Mißfallen der hiesigen jüdischen Bcvölkcruug sich zu gezogen. Fortwährend versuchte er. die christlichen Bürger gegen die Israeliten aufzuhctzeu, schmähte öffentlich die letzteren, kurz, zeigte sich so gehcffsig. das; wirklich in ihn: eine Gefahr für unseren Stadrsricdcn zu erblicken war. Als er cs schließlich zu weit trieb, richtete der hiesige jüdische Kultusvorstand 1 offiziell eine Beschwerde an die zuständige Behörde, worin sic die Gefahr ansein audersctztc und bat, den Lehrer N. von Wasscrtrüdingen zu versetzen. Dieser Eingabe schloß sich der gesammte Magistrat und das Dekanat an. Auch sämmtliche Kollegen des betreffenden Lehrers erklärten, daß sie ihren Uutgang mit R. aufgegeben. Kurze Zeit darauf wurde seitens der Be-; Hörde der Lehrer R. versetzt, und so wird hoffentlich j der konfessionelle Friede ungestört hier eine sichere Stätte j haben können. Schweiz. E. Langenthal, 14. August. Bekanntlich hat der Gerichtspräsident von Aarwntlgen vier Experten bezeichnet, um ihr Gutachten über das ״Schächten" abzugcbcn. Diese Gutachten sind, laut ״Ob. Tagebl.", nun cingclangt und lauten scharf verurtheilend für die genannte Tödtnngsart. die als hochgradige Thicrguälerei bezeichnet wird. Die Namen der vier Fachmänner sind: die Herren Professor I)1\ Verde;, Direktor des Thierspitals in Bern; Strebet, Bezirksthierarzt in Freibürg; Born, Großmctzger in Bern und Glauser, Großmctzger in Bern. — (Diese Herren Sachverständigen scheinen von den gewichtigen Autoritäten, die sich im entgegengesetzten Sinne jüngst und wiederholt ausgesprochen, in ihrer Selbsthcrrlichkcit nichts zu wissen.) Oe st er r eich - U n garn. G. Wien, 17. Anglist. Nach Krakauer Nachrichten sind in Nussisch-Volhhnicn neuerdings Judenex,;esse ausgcbrochen. In Dombrowa hat der Pöbel die Juden überfallen, wobei geplündert und sieben Inden getödrct wurden. In den Gouvernements Pultawa und Cherson soll cs noch schlimmer ausjchcn. — In Galizien nehmen die Brände in erschreckender Weise überhand. Aus Halicz tclegraphirt mau, daß die halbe Stadl, darunter zwei Synagogen, ein Raub der Flammen wurden. — In Nagy ׳ Atajd (Ungarn) wurde der jüdische Landwirth und Großpächter Adolf Hirsch, in Anerkennung seiner Verdienste aus bcm Gebiete der Laudwirthschast mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph- Ordens dckorirt. - - Die Ex-Kaiscrin Eugcnie, welche seit acht Tagen in Karlsbad weilt, läßt sich auch dieses Mal von dem jüdischen Du. London behandeln, obwohl man wissen will, daß ein (geistlicher, mit welchem die Dame viel verkehrt, sie aufmerksam gemacht haben soll, daß er ihr einen tüchtigen christlichen Arzt bcschaffen könne. (Auch Napoleon hatte einen jüdischen Leibarzt, Dr. Eoimaud, der mit ihm nach Wilhelmshöhe ging.) — Anfangs September will Herr Ritter von Schönerer, in Begleitung seiner Genossen Vetter und Pattai, nach Troppan kommen, um daselbst eine große Antisemiten-Versammlung abzuhalten. — In Par kan h bei Gran kam es am 17. August zwischen Bauern und Inden zu einem Exzesse; cs mußte Militär ans Gran rcquirirt werden, welches die Exzedcuten anscinandcrtrieb. G. Prestlmrg, 1A August. Sehr interessant und von großer Wichtigkeit hinsichtlich der Jeschibafrage ist der vont König!. Schulinspektor in der am N. d. Mls. stattgehabtcn Verwaltnngsansschnß-Sitzung abgegebene Bericht, den ich im Nachstehenden wiedergebe. Derselbe lautet: ״Die Talmud - Thoraschule besteht ans vier Jahrgängen, in welchen die ans den sechs Klassen der Elementarschulen ausgetretenen Schüler im Uebcrsetzcu des Talmuds unterrichtet werden. Der Unterricht dauert täglich sieben Stunden und wird von vier Lehrern geleitet. Diese Schule wird nicht von der israelitischen Gemeinde, sondern durch die Dotation Einzelner und vom Schulgelde erhalten. Nach Bcendigung dieser Schulen treten jene Schüler, welche sich weiter bilden wollen, in die sogenannte Jeschiba ein, wo sie dann (>'—9 Jahre den Vorlesungen und dem Unterricht des Obcrrabbiners beiwohnen. Die Jeschiba ist also nicht ein Seminar für Rabbiner, sondern dieselbe ist eigentlich eine in zwei Semestern gethcilte Religionsunterrichts-Schule für alle Jene, die sich dem Talmudstudinm ergeben wollen. — Der Rabbiner hält seinen Vortrag nach seinem Belieben, gewöhnlich dreibi? viermal wöchentlich, wo er die einzelnen Kapitel des Talmuds verliest und erklärt und d.ic an ihn gestellten diesbezüglichen Fragen beantwortet. - Die Hörer der Jeschiba bestehen daher nicht mir! ans jungen Leuten, sondern oft auch schon ans ganz! bejahrten Männern, die sich blos ein gründliches Wissen? des Talmuds aneignen wollen. Tic ursprüngliche Verordnung des hohen Ministeriums, laut welcher in die Jeschiba nur solche Schüler hätten ausgenommen werden sollen, die vier Mittclschulklaff'cn absolvirtcn, wurde j ganz richtig dahin geändert, daß nicht die in die Jeschiba I eiutrctcndcn Schüler, sondern nur Diejenigen, die! Rabbiner werden wollen, vier Mittclschulklassen absol- I virt haben nlüsscn. Derjenige Schüler der Jeschiba,

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