Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1884)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1884-08-21
- Page
- 539 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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539 ist, daß der Wohlthätigkeitssinn und die Opferwilligfeit unserer Glaubensgenossen, sowie im Allgemeinen, auch insbesondere zu jeder Zeit sich bethätigtc. Der Verein, welcher seinen vierjährigen Bestand hinter sich hat, hat nämlich ein Vermögen non über 8000 wozu Gemeinden und außerordentliche Mitglieder allein über 5700 JL beisteuerten, ירבה p. Gewiß ein gutes Omen. Möge hiermit öffentlich den edlen Spendern der ticfinnigst gefühlte Dank ausgesprochen werden. ה׳ק׳ב׳ה ישלם שברם. Das im Jahresberichte anfgestellte Thema: ״Wie sollen in den Gemeinden die Schiurim vorgetragen werden", hatte sich der Schriftführen des Vereins, Herr Esch Wege aus Höchberg, zu eigen gemacht. Leider war der Vormittag bereits so weit vorgeschritten, daß der Vortrag nicht mehr in der Generalversammlung gehalten werden konnte, und erst beim gemeinsamen Mahle löste der Redner in beredter und überzeugender Weise die gestellte Frage. Wenn wir auch den Auseinandersetzungen im Ganzen nicht bcipflichtcn können, so war doch der Vortrag, namentlich für die jüngeren Herren Lehrer, von Belehrung und zugleich ein Wink, wie sie in ihren Gemcinden durch den Schiur wirken können. Znm Schlüsse wollen wir sämmtliche Herren Lehrer in Bayern, die dem Vereine noch nicht angehören,;mit Eintritt auffordern, besonders jene Herren, die das 22. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben und vom Eintrittsgelde befreit sind. Daß die materielle Lage des Vereins eine große Znkunft hat und dadurch dem Lehrer und seinen Hinterbliebcncu eine bedeutende Unterstützung gewähren wird, dürste aus obigen Zahlen bewiesen sein. J.S.A. Mnricildad, 14. August. Am Tage nach dem Gedenktage des הרק בית הבהירה י׳ו׳י׳ב׳ב wurde hier ein מקדש מעט cingcweiht, dessen Errichtung in erhebender Weise für den Geist echt jüdischer Frömmigkeit zeugt, welcher auch in unseren Tagen manch herrliche Blüthe gezeitigt. Das Bcdürfniß, an den Heilquellen MaricnbadS ein größeres Gotteshaus erstehen zu scheu, war mit jedem Jahre ein dringenderes geworden.- Die Zahl der jüdischen Kurgäste mehrte sich immer mehr, und zivar Derjenigen, die cs schmerzlich empfinden, während ihres hiesigen Aufenthalts des gewohnten gemeinsamcn Gebets au einer angemessenen würdigen Stätte entbehren zu sollen. Der lange gehegte Plan ist endlich verwirklicht worden, Dank vor Allem der unermüdlichen Sorge des seit einer Reihe von Jahren zu den regelmäßigen Kurgästen zählenden Herrn S. Goldschmidt aus Frankfurt a. M. Derselbe stellte seine Kraft dem Unternehmer unter der Bedingung zur Verfügung, daß mit dem Neubau einer Synagoge auch derjenige eines מקוה verbunden werde. Beide Bauten sind in herrlicher Weise nunmehr vollendet und unter großen Feierlichkeiten und zahlreicher Betheiligung der Gemeinde, der Fremden und der Spitzen der Behörden wurde am ערב שבת נהמו die prächtige Synagoge cingcweiht. Nach den einleitenden Gesängen מה טובו 11. s. w. vollzog Herr S. Goldschmidt die הדלקה. Hieraus folgte die schwungvolle Rede des 1)1׳. Löwcnstcin aus Lemberg, welcher sich das von Herrn S. Goldschmidt mit lauter und non tiefer Bewegung zeugender Stimme gesprochene ׳שההיימ׳ anschloß. Sodann wurden die Thorarollen in den heiligen Schrcin durch die Vorsicher der Gemeinde, die Herren Di׳. Löwcnstcin. 1)1׳. Landsberger aus Berlin, Di׳. Buchholz ans Emden und S. Goldschmidt gehoben, und es folgten die Festreden der erstgenannten drei Prediger. Die würdige Feier hinterließ bei allen Anwesenden einen mächtigen, erhebenden Eindruck. — Möge das neue Gotteshaus dazu beitragen, den Geist echter, altjndischer Frömmigfett zu pflegen, wie cS diesem sein Entstehen verdankt; möge die Gemeinde, in deren Mitte cs errichtet ist, im Geiste des edlen Mannes, der zu dessen Förderung am meisten bcigetragcn, erstarken und zur Blüthe gelangen; mögen in diesem Gotteshause die Leidenden Trost vor Gott suchen und ihren Dank für die in Marienbad gefundene Heilung vor dem רופא נאמן ורהמן aussprechcn. -Im- Brandenburg, im August. Wie vcrlautet, hat sich in Potsdam unter den Assessoren und Nesercndarcn — wie mehrere Blätter melden, einem ״tiefempfundenen Bedürfnisse entspringend" — ein ״Indogermanischer Kegelklub" gebildet, welcher statutengemäß Juden ausschließt. Gewiß ein sehr löbliches Bestreben, die germanische Gesellschaft von semitischen Schlacken zu säubern, wieder einmal ein Zeichen des vielgcrühmten ״Nassenhasscs", wie man den Antisemitismus nennt. Denn dieser will sich ja nicht gegen die Religion, sondern gegen die Nation der Juden richten. Nun ist da eine Frage nicht zu übersehen: Wenn der Kampf nur der semitischen Nationalität gilt, wie ist eS da, wenn ein Germane, der bislang Ehrist war, zum Judenthum Übertritt? Denn damit wird c. kein Semit, sondern aus dem christlichen Gcrntanen wird eben nur ein jüdischer, aber Germane bleibt er doch. Ist ein solcher auch aus allen sogenannten antisemitischen Ver? cinignngcn ausgeschlossen? Das heißt, diese Frage ist übcrslüssig, wenn die Antisemiten offen erklären, daß ihr Haß sich gegen die Religion, nicht allein gegen die Nation der Juden richtet. — Wir erwarten Antwort. L. R. Wassertrüd tilgen (Mitlelfranken), 18. Aug. In unserem Städtchen herrscht, wie wohl in keinem anderen Orte, ein höchst friedliches Einvernehmen zwischen den christlichen und jüdischen Bürgern. Nie ist bislang diese schöne Eintracht gestört worden. Um so empfindlicher und schmerzlicher aber berührt eS uns, wenn.