Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1884)
- Article
- Uneigennützige Pflichterfüllung als Hauptforderung der Gotteslehre
- Date
- 1884-08-21
- Page
- 534 (sequence 2)
- Language
- German
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534 צנו נו׳ ".zieht Aus״ ממצריים גאלתגו נו׳ ואל תב Egypten hast Du uns erlöst, als wir noch nicht lebten, lind dennoch empfinden wir die Wirkungen dieser That; Du hast uns aber stets von Neuem mit Gnade überschüttet, hast von uns den junger fern gehalten, hast uns vor Uebermuth bewahrt zur Zeit des UeberflusseS, hast Krankheiten, Schwert nnd Vernichtung von uns entfernt — und auch weiterhin verstoßest Du »nS nicht! Immer steigt auf der einen Seite die Anzahl Deiner Wohlthatcn, und wie winzig hebt sich ans der andern Seite das empor, was wir als Menschen in unserem kurzen Leben thun können!" על כן אברים ״ *מפלגת נויNun, so wissen wir doch mindestens, daß Du uns Glieder nnd Geisteskräfte, daß Du uns Körper und Seele .einzig zu dem Zwecke gegeben Haft, Dir zu danken für den Auszug auö Egypten und für alles darauf Beruhende." So ward Gott, der ewig Wache, hier besonders der מעורר ישנים ומקיץ נרדמים, der das im Schlafe der Sklaverei sich befindliche Israel aus seiner dumpfen Betäubung erweckte, der dem angstlich vor seinem Herrn verstummenden Jbri das Recht zur Rede gegeben, der die am Boden Liegenden emporgehoben hat! Was wir sind, sind wir nur dadurch-, unser menschlicher Stolz, unser Frcihcitssinn, unsere Thatkraft nnd Entschiedenheit sind sein Werk, sind Geschenke seiner Hand, sind die nothwendigen Folgen jener Befreiung, während sic am Nil sich nie hätten in uns entwickeln können." Durchzieht nicht die Forderung dcS uneigennützigen GottcSstrcbcnS int Hinblick auf den Auszug aus Egypten dies Gebet derart, daß sic sogar vorausgesetzt wird? Wundern wir uns nun noch, wenn wir uns Abends und Morgens dieses Ereignisses erinnern müssen, wenn uach unserer Mahlzeit der Dank dafür von unseren Lippen tönt, wenn Sabbathe und Festtage, wenn Tephilin und Mesusa uns jederzeit diese große Thatsachc vor Augen halten müssen? Lassen wir einen Augenblick diese BefrciuugSthat GottcS ans unserem Gedächtnisse schwinden, und wir wandeln uns aus uneigennützigen Vollziehern des GotteSwillenS in anspruchsvolle Lohndicner um. (Fortsetzung folgt.) Wachigestirne. Historische Novelle aus der Feudalzeit Ungarns Bon Samuel Berlhold Rosncr. ~ (Nachdruck rcrboteu u. lieberschungHrccht Vorbehalten (Fortsetzung.) ״Wie die Kinder Jakobs ihren Vater," begann der Pfarrer mit feierlicher Stimme, ״so frage ich Dich, Salamon Rohrbach, erkennst Du dieses Tuch, in dessen einer Ecke Dein Name cingcstickt ist, als das Deinige au? Gehört dieses Tuch Dir oder nicht." ״Ja," sagte Rohrbach heiser, indem er langsam die Lippen bewegte. ״Ihr habt eS gehört," sagte der Pfarrer, sich zum Fiskal und zu den Haiducken wendend, ״er bekennt eS, daß dieses Tuch ihm gehört. So wisse denn, Salamon Rohrbach, daß die in der vorigen Nacht aus der Kirche geraubten heiligen Geräthschafteu, aus Silber und Gold bestehend, in diesem Tuche, welches Du für das Deinige erkennst, eingebunden und unter der großen Eiche hinter Deinem Garten vergraben gesunden worden sind. Erkläre uns nun, wie die gestohlenen Gegenstände in dieses Tuch gerathen sind, was weißt Du uns hierüber zu sagen?" Rohrbach fuhr sich mit der zitternden Hand über die bleiche, schwcißbedccktc Stirne und bemühte sich zu sprechen, aber die Lippen bewegten sich, ohne daß sie einen Laut hören ließen. ״Du schweigst, Salamon Rohrbach," fuhr der Pfarrer fort, ״es ist offenkundig, daß Dir die schwere Last des SchuldbcwnßtseinS die Sprache benimmt, Du kannst uns nicht sagen, wie die Gegenstände in das Tuch kamen, weil dadurch Deine Schuld an den Tag i kommen würde. Unser Verdacht scheint also begründet; zu sein, daß kein Anderer, als Du selbst, den Kirchen-! raub begangen und Dich gegen die weltlichen und 1 kirchlichen Gesetze schwer vergangen hast; cs ist daher unsere Pflicht, Dich dem richtenden Arme dcS Gesetzes zu übergeben. Erfasset ihn, Haiducken!" Diese Worte des Pfarrers, die sich nahenden Haiducken und die Bewegungen der Gattin und Tochter, die mit einem Hellen Schrei zu ihm hinstürzten, als wollten sic ihn gegen die Anschuldigung und Gewalt beschützen, schienen von Rohrbach'S Geist nnd Lippen den Bann gelöst zu haben. Die Blässe wich ans seinem! Antlitze und er richtete sich, stolz das Haupt erhebend, in seiner ganzen Höhe empor. ״Rührt mich nicht an," ries er den Haiduckcn zu, die, von seinem hoheitsvollen Blick getrosten, scheu zurückwichen, ״ich werde freiwillig gehen, wohin ihr mir heißen werdet! Trocknet Eure Thrüucn, meine Thcuren," sprach er dann zur Gattin und Tochter, die ihm schluchzend um den Hals gefallen waren, ״vergcßt nicht, daß heute Sabbath ist und am Sabbath darf sich ein frommer Jude, der aus Gottes Hülse Anspruch haben will, nicht der Trauer hingeben. Die Bcrlcumdnug hat ein teuflisches Lügengcspinust gegen mich gewoben, aber der allgütige, gerechte Gott, der den Unschuldigen bcisteht, wird auch jetzt den Rath der NichtSwürdigcn vereiteln nnd meine Unschuld klar zn Tage treten lasten. Du abo, uichtSwürdiger, elender Psaste, der Du aus gemeinen, nichtSwürdigeu Ursachen