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Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 527

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Ein glücklicher Wurf!
Date
1884-08-14
Page
527 (sequence 2)
Language
German
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527 mit bestem Dcu!ke znrückgclviescn, und höflich gebeten, für die Köchin, die so gute Speisen gekocht, ein Silberstück da lassen zu dürfen; -- aber bas, was wir so eben erwähnten, war ein non der Bachurim-Elikcttc eingesührtcr Brauch, der also für Gersckiom's Bescheidenheit keine Zcugenschajc abgelegt hätte; allein er hatte sich in den acht Wochen seit seiner Ankunft schon als herzlicher und liebenswürdiger Geuosse bewiesen.' Bei dem Büchelgeldcdas in der Schiuvftubc — er besuchte jene des Obcrrabbincrs — cingehobcn wurde, war er der größte Benragsleister. Schon in der ersten Woche hatte er mit einem armen ungarischen Kollegen ein für diesen außerordentlich günstiges Tauschgeschäft gcuracht. Er hatte bemerkt, daß dessen Fußbekleidung sich in einem trostlosen Zustande befand; er bot ihm daher ein Paar ganz neue Schuhe — von denen der Schalk behauptete, sie wären ihm zu enge und drückten ihm am Fuße -- gegen ein spanisches Röhrchen au, das sich im Besitze des armen Gachurs befand, und von welchem Gcrschom in höchst hinterlistiger und lügen- Hafter Weise behauptete, es zur Klcidcrreinigung dringend zu benöthigen, das aber, wie bewährte Kenner dieses Handelsartikels versicherten, für einen ״Scheinkrcuzcr" -) aller Orten erhältlich war. Er hatte schon während seines kurzen Aufenthaltes mehrmals arme Bachuri in in zartester Weise unterstützt, und wenn einem Talmudjünger zu irgend einer Ausgabe ein paar Groschen schlten, konnte er unentwegt bei Gcrschom Fürth um eine Anleihe bitten und der Gewährung seiner Bitte gewiß sein. — Gcrschom Furth war cm leichter Borger und der liebeuswürdigstc Gläubiger, den man sich nur beiden kann, dabei war er ein fleißiger, eifriger Bachur, in der Schinrstube ernst und aufmerksam, — aber wo cs hingehörte und paßte, machte er von dem strotzenden Hninorc, der ihm eigen war, den prächtigsten Gebrauch. Er war ein liebenswürdiger Gesellschafter und ein gewandter Erzähler und wußte Hunderte von Schnurren und ״feiner Wörtchen", die er mit großer Pirluositüt zmn Bortrag brachte; ja sogar sein süddeutscher Accent, der in Prag etwas srcmdarlig klang, stand ihm anmnthig. — Bei so großer Anzichungskraft war es wohl natürlich, daß er den Mittelpunkt eines großen Bachnrimkreises bildete, daß er oft Besuche empfing, daß man cS liebte, mit ihm umzngehen. Allein auch der Obcrrabbiner, an dcu er ein Empfehlungsschrciben des Fürther Nabbinates mitgcbracht, hatte mit gewohntem Scharfblicke Gerschom's reiche Begabung und dessen Eifer erkannt, und er war schon nach kurzer Zeit dessen erklärter Liebling geworden. Rabbi IechcSkcl Landau bezog für einige Wochen *) Beiträge der wohlhabenden Bachnrim zur Untersuchung der mittellosen. Etwas weniger als ein halber Pfennig. 1 in dem eine halbe Stunde vom Stadtthore gelegenen ן Lautcrbach'schcn Garten eine Sommerwohnung, und seine! Bachnrim sorgten dafür, daß er die Gebete mit Minian ז) | verrichten könne. Jeden Tag ging eine andere Gruppe in den Garten hinaus, nur Gcrschom, der mit inniger Liebe und Lcrehrnng an seinem Lehrer und Meister hing, kam jeden Tag zum Mincha-'') gcbcte. Es hatte sich daher die Gepflogenheit gebildet, daß die Bachnrim, an denen eben die Reihe hielt, sich jeden Tag in Gerschoin's Wohnung versammelten und gcmmischast-!ich mit diesem den Weg nach den! Lanterbach'schen Garten zurücklegteu. Am Ehamischo oszor beawff hatte sich, um diesen Tag in angenehmer Weise durch Spaziergang und Besuch bei dem verehrten, geliebten Meister zu feiern, eine größere Zahl von Bachnrim, und zwar verabredetermaßen etwas .früher als gewöhnlich, in Gerschom's Wohnung versammelt. Born Thurme des jüdischen Rathhanses schlug cs drei Uhr, als Gcrschom das stattliche Häuflein seiner Genossen musternd srng: ״Kindcrlebe! 4) Sind schon Alle bcisamme, was hätte komme solle?" ״Lo niskad isch mimennu!" r’) erwiderte ein lustiger ungarischer Bachur, der seiner dunkeln Gesichtsfarbe wegen der ״schwarze Löb" genannt wurde, treffend mit einem biblischen Zitate. ״Also könne wir uns auf den Weg mache!" meinte Gcrschom. Als die kleine Karawane, Gerschom an der Spitze, am Heuwegsplatzc, vor dem Gärtchen ״zu drei Ranchfangkehrcrn" genannt, wo Bachuriin an jome de Pagrc") ein Gläschen Bier zu.trinken pflegten, angelaugt war, winkte Gcrschom mit seinem Stäbchen: halt! und sprach: ״Ich Hab' eine Schalle׳) bei Euch zu mache — hättet Ihr mit Luft 'n Gläsche Bier zu trinke'?" Daraus wurden ihm gleichzeitig zwei Antworten. Der schwarze Löb rief: ״Lust Hab' ich, aber Geld Hab' ich keins!" — und ein mährischer Bachur, Elije Eibcnschütz: ..Du fragst eine Schalle, frag' eh Dich eine Kaschiech Kcszcw menoton?"'') (-Zons. folgt.) Der zum Ecbete nölhigen Ich»zahl erwachsener Männer. '׳) Nachmittags. :,1 Der fü1.׳s;rhine Tag des jüdischen Monats Ab, der fast wie ein Halbseiertag betrachtet wird. 4t t'iebe Kinder. \j Es fehlt Niemand. Numerus Üap. :tl Schluß des B. 4!t. 'י ) Halbfcienagett. 1j Anfrage. י) Schwierige Frage. '■') Ein schwer übersetzbares Calcmbonrg; eS kann sowohl heißen: ״woher sollen wir Geld nebmen als auch: ans welcher Bibclstelle ist rs ersichtlich, daß eine Ehe durch Uebergcibe eines Silbecstiickes seitens des Mannes an die Frau geschlossen wird. Kidnschiit Fol. 2 a.

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