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Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 526

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1884-08-14
Page
526 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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520 :||: Ncw Aiirk, im 3lupf1. Das 15(borabo allci 1 ^crfolfltcn, der freie Boden der neuen Well .verschließt sich fortan auch dem cjcl)ct;te11 und verjagten jndäischen (5111mm. Rumänien und Rußland versagen den Aermsten den Schutz dcr Heimath und machen ihnen den Ausciitljcilt au der 3tiilte, wo ihre Väter, (Großväter und Urgroßväter geweilt, zur Ilnmöglichkeit; in Europa i findet sich kein barmherzigeres Vaud, das sie aufnimmt;! die brüderliche Vicbc und ׳Weisheit der europäischen ׳ Indcn erschöpft sich in dcr Sorge, die Schaarcn dcr Armen und Elenden an die jenseitige Küste des Ozeans zu befördern — Amerika aber gestattet nicht dem müden Fuße einen Rnhepunkt auf seinem Erdreich, - zurück! schaltt eS den Bedrängten entgegen, zurück noch Europa! Und cS ist Amerika wirklich Ernst mit diesem Zurück. Die mit dem Steamer ״Pothnesia" von Hamburg eben anlangcndcn armen Russe:׳, jüdischen Glaubens sind nicht zur Ausschiffung zngclasscn worden ES sollen ihrer zwanzig sein. Wohin mit ihnen? lautet die Frage. Es gicbt anscheinend keine andere ׳Antwort als - -- in die Finthen des Meeres! Und da brüstet sich unsere Zeit mit ihrer Milde und Kultur! Die beiden Kontinente haben für arme, geplünderte, rechisberaubtc Menschen keine Stätte ■— in'o Meer mit nid)! rufen sic ihnen hohnlachcnd zu. Was kümmert nnS eure Roth, eure Sorge, euer Elend, -- warn in seid ihr arm und nackt. — warum seid ihr arme und nackte Silben? — — Freilich kann die amerikanische Regicrung sprechen: Ist denn unser Staat dazu da, um der europäischen Barbarei ihr Wnthen zu erleichtern? Wir können nicht die Opfer des enropäisd)en FanatiSmuS bei uns ausnchmcn, denn er schasst uns deren zu viele. ׳Rach Zehutanjenden zählt die Schaar derer, die ein geheiligtes Recht auf ihre Existenz in europäischen Ländern hatten, die dessen beraubt worden, weil sic Inden sind und die bei uns eine neue Heimath gefanden Es mehren sich aber diese Opfer, und auch des reichen Amerikas Kraft erweist sich als unzulänglich für solches Elend. Europa soll menschlich und gesittet werden, und seine Söhne nicht in die Berzwcifelnng des Elends von fid) ansstoßen. — Welche Antwort hat Europa auf diese Rede?? ־— lind and) die jüdischen Amerikaner können zu ihren europäischen Glaubensgenossen sprechen: Ihr habt eurer Brndcrpflid)t wenig entsprochen; ihr habt die unglücklichen Glaubens- und Stammesbrüder uns zngcsd)ickt und wir haben deren Zehntanscnde mit offenen Armen empfangen. Aber auch wir können nicht mehr, Lasset die unglücklid)cn Brüder bei end) wohnen, suchet ihnen eine Heimath in eurer Rahe. — — Welche Antwort haben die curo- Päischcn Inden auf diese Rede?? Ein glücklich er Wurf! Erzählung aus dein sechsten Dezennium des vorigen Jahrhunderts. Aon 2. Ko 1)11, Vcl׳ fasste von ״Eabricl". (,urei1 ־u1bc;u:Uc '.'iodn>1ucf »!»1 ה:m aller Strenge 0יזvi01!ן! werte!!. Heberfcnu!י ג;יvc.1!tc vor! e!!allen,) ן Fortsetzung.) Schon das- Aenßcrc Gersd)0m's war empfehlend. Denke Dir, lieber Leier, einen schlank wie eine Tanne gewachsenen Jüngling von achtzehn Jahren mit einem freundlichen, rosigen Gesid)le, ans dem der erste Flaum sproßt, mit großen, dunkeln, feurigen Augen, einen für einen Mann fast zu kleinen pnrpnrrothen Mund, der beim Sprechen und Lächeln zwei Reihen kleiner, g!cid)er, milchweißer Zähne zeigt, denke dir hierzu dunkelbraune lang herabwalleudc Locken, denke dir diese Gestalt in dcr Tradit eines reichen BadinreS jener Zeit: einen feinen dreieckigen Filzhnt, einen schwarzen Tnd)- oder Seidenrock, kurze schwarze Beinkleider, welche die seidenen Schuhe mit den blankgcputztcn silbernen Sd)nallen den Blicken des Beschauers Preis gaben — und du hast ein so treues Bild von Gerschom Fürth, alS besäßest au dessen von einem mehrfach prämiirtcn und dekorirten Hosphotographen durd) Momentaufnahme verfertigtes Portrait. Gerschom Fürth war ein genialer Bursche, der trotz seiner Jugend sd)0n bedeutendes Wissen auf die Prager Ieschiwo') mitbrachte. Er war der einzige Sohn reicher Eltern und hatte Empfehlungsbriefe an mehrere rcid)c Kanftente und vornehme Gcmeindemitglieder mitgebracht. Er wohnte bei anständigen Leuten, welche von Reb David Allstadtl ~ so hieß Gerschom'S Batcr — ein sehr bedeutendes Kostgeld bezogen, und der junge Mensch befand sich and) im Besitze eines so namhaften Taschengeldes, daß er, wie seine Kollegen behaupteten, ״wie ein Szor"'') leben konnte. Gerschom war gar nicht stolz. Daß er trotz seines Neichlhums die ersten drei Sabbathe ein ״Plctt" genommen, war etwas ganz Selbstverständliches, das gehörte mit zu den unerläßlid)en Attributen eines BachurS- (etwa wie auf der Universität jeder Bursd)c zuerst ein Fuchs sein muß), ohne diese drei Plettcn hätte Gerschom selbst sich, und sein lieber guter Vater in Fürth (der ja vor dieißig Jahren auch Bachnr in Prag gewesen und die Bachurimsitten genau kannte), ihn gar nicht für einen richtigen Iesd)iwo- Badinr halten können. Freilich, als er sich am nächsten Tage, Sonntag, für ״das Genossene" zu bedanken kam, hatte er den Groschen ״Abfertiggeld", den ihm die Batboste') rcid)tc, lächelnd J) Talinutchochschule. 2) Fürst, Kavalier. 3) Hauösta!! (״n verderbten Hebräisch).

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