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Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 525

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Rumänien [Nachricht]
Date
1884-08-14
Page
525 (sequence 2)
Language
German
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525 auf neuen Fallstrick sinnend — unter dieser!)alben Million finden sich viele, an deren kolossalem Vermögen der Untergang und der Fluch von drei, acht, zwölf Bojarenfamilien!)äugt. Und zn den wunderten vor! reichen Inden streben all die Hnnderttansende sich hinzu-;!!gesellen, die heute noch nichts besitzen und die aus den Bandstraßen und an den Bahnhöfen hausiren und betteln. Und wenn von den Hundert tausenden neunzig׳ tausend elend bleiben lind arm. und fünftausend im Znchthausc sterben, dreitausend ans dem Lande gejagt werden; — zweitausend sind in zehn Jahren reiche Vtutc entsprechend viel Eingeborene sind elend und arm. Diese Beobachtung macht das Bolk seit Jahrzehnten, es iliacht sie Tag für Tag, und darum erblickt es in denl schmutzigen Indenknaben, der ans der?and׳ straßc um eine Ziviedel bettelt, die giftige Natter, die ihm nach dem Herzblut trachtet. Es ist nicht allein Instinkt, noch Nassen- oder Religioushaß, es ist ans der Erfahrung gewonnene Erkeniltniß. welche die Furcht vor dem Iudenthunl und die Gedanken zur Vertreibung desselben durchlebt. — Wir geben diese Auslassungen des großen Nheinischcn Blattes ans dem Grlinde wieder, weil sie in der That ein höchst charakteristisches Zeichen des vielgepriesenen bürgerlichen Liberalismus ist, welchen die Kölnische Zeitung repräjentireu will. Etwas Gehässigeres vermag and) eine ausgesprochen reaktionärste Zeitung nicht zn bringen. In acht pharaonischer Weise wird den Inden;sogar der Kindersegen zum Vorwurf gemacht! Wir können die Nichtigkeit eines einzelnen Falles natürlich nicht prüfen, protesliren aber im Namen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit gegen eine solche Generalisirung. Wir setzen der Schilderung ein aus drücklichcs Dementi entgegen, insofern dadurch die rumänischen Jndeit im Allgemeinen verächtlich und vcrabschennngsivnrdig gemacht, und die barbarischen I)taß-׳ regeln ihrer heimischen Negierung gerechtfertigt werden sollen. Es ist sehr bezeichnend, daß zur Anschwürzung der Inden in Rumänien ein angeblicher Vorfall ans S a d a g o r a in dem Tone erzählt wird, als ob dieser galizische Ort .in Rumänien läge! Die Juden in Rumänien sind im Allgemeinen friedliche, recht sch asjene Bürger, die ganz entschieden das bessere Element der rumänischen Bevölkerung bilden. — Die ״Kölnische Zeitung" sollte cs verschmähen, ihre Spalten solchen vom Vorurtheil diklirten Schilderungcn zu öffnen. Amerika. * New-2)ork, 23. Juli, lieber die mehrfach erwähnte Nückseitdnng von vier ans Breslau stammenden Familien, welche am!4. v. Mts. ziemlich mittellos in New-Iork angekommen waren, wird von hier unterm 23. v. Mts. des Weiteren berichtet: Die vier Familien, deren Landung die Einwandernngskommissiou nicht gestatten will, haben gegen diese Anordnung beim denlscheu Generalkonsul Herrn Feigel protestirt und ihre Beschwerde damit begründet, daß sie hier Verwandte hätten, die ihnen unter die Arme greifen würden, und daß sie außerdem olle eines Handwerks kundig wären. Generalkonsul Feigel ließ daraufhin sofort bei der zu* ständigen Behörde Erkundigungen einziehen und erklärte später, nicht cinschrciten zu können, da eS sich lediglich um Auslegung amerikanischer Gesetze handle. Den Familien des Gcrson Selkowitz und Markus Hertz wurde jedoch gestattet, Wards Island zn verlassen und sich hier oder an einem anderen Orte der Union niederzulassen, da ihre Verwandten Kaution dafür stellten, daß sie dem Gemeinwesen nicht zur Last fallen würden. Verschiedene israelitische Gesellschaften haben sich bereit erklärt, für die beiden anderen Familien sorgen zn!vollem. Superintendent Iaeson hat jedoch dieses Auerbieten znrückgewicsen und die betreffenden Fantilien werden die Rückreise nach Europa antreten müssen. * (?nitaba, im Juli. Dem ״American Hebrcw" entnehmen wir folgenden Bericht d^s Herrn W. A. Thompson, dessen Leitung die Ansiedelung von 30 ans Rußland geflüchteten Familien in der Nähe der Stadt Moosomin, ungefähr 20(1 Meilen von Winipeg entfeint, übertragen war. Nach seinem Berichte verließen die Auswanderer am 13. Mai Winipeg mit fünf Wagenladungen Ackerbangerälhen und erreichten am anderen Tage Moosomin. Hier hielten sie eine kurze Rast. Während dieser Zeit wurde das Vieh durch das LooS vertheilt. Da ein großer Thei! der Gesellschaft ziemlich ungewohnt mit der Leitung von Ochsen war, mußten noch einige Hindernisse überwunden werden, jedoch erreichten sie die Niederlassung ohne Unfälle. Das Land ist zur Ansiedelung und zum Ackerbau sehr geeignet. Dem einen Bezirk wurden 2l Fantilien und dem andern 8 Familien zur Wohnung angewiesen. Die Entfernung vom Mittelpunkte der Ansiedelung nach Moosomin bcträgt ungefähr 32 englische Meilen und nach Wapelta 23 Meilen. Die Arbeit ans den Ansiedelungen soll im Fortschritt begriffen sein. Jeder hat einen halben bis einen ganzen Acker mit Kartoffeln bepflanzt und fährt fort, für den Ertrag des nächsten Jahres zu pflügen. Die Kolonisten fällen auch Hol; zum Ban von Häusern. Keiner von den Ansiedlern kann jedoch ein außergewöhnlich tüchtiger Arbeiter genannt werden, obwohl sie inanchc Gewohnheiten eines ordentlichen LandmannS besitzen,;. B. das frühe Anfstehen u. s. w. Die meisten unter ihnen haben niemals Feldarbeit betrieben und ihre Begriffe vom Landban waren anfangs ganz absonderlich, aber der gute Wille ist bei ihnen vorhanden, und durch denselben werden sie sich gewiß im Lause der Zeit die nöthige Tüchtigkeit und Erfahrung aneignen.

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