Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1884)
- Article
- Deutschland : Hannover, 12. August [Nachricht]
- Date
- 1884-08-14
- Page
- 522 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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0 22 fcssion des Siinbcre« der Welt zu »erkunden, wenn dieser! ein 3ubc ist. Was mit dieser auSzeichncnden Behänd-! 1111ן1ו bezweckt, und Ivel che r Dicufl der Gesammtheit j hoinit geleistet wird, ift nns unerfindlich. Wir können! diese l^epslogenheit nur auf Rechnung des bis jetzt niemals und nirgend ausgestorbenen Judenhasses, jetzt AmisemitismuS getauft, stellen, non welchem auch Diestirigen, welche mit ihrer freisinnigen und vornrtheilsfreien Gesinnung prunken, sich nicht frei zu machen vermögen. Das Vornrtheil und die gcringschätzende Gesinnung gegen die jüdischen M! Würger ist gleichsam mit der Muttermilch cingesogen. Zu diesen nichts weniger als neuen oder originellen Betrach u:n ge.״.;siebt uns ״die Gcrichtszeitnnz" des Hannoverschen Courier vom 0. d. Mts. Anlaß. In derselben wird über die Berhandlnngcn der Straskammer des Landgerichts vom 4. d. Mts. berichtet, und zwar über vier Verbrechen. Den Neigen eröffnet der israelitische Handelsmann R. wegen Diebstahls. Es müßten nun konse quentcr Weise folgen: die christliche Kontroldirne S. und deren christlicher Zuhälter ebenfalls wegen Diebstahls angeklagt und vernrtheilt, sodann der christlichc Tischler B. und dessen Tochter wegen Blutschände. Aber nein, hier sch!! die Angabe der Religion. Warum'? Run, weil die Religion absolut nichts mit diesen Verbrechen zu thnn hat. weil das Ehristenthnm Diebstahl und Blutschande verpönt. Aber ebenso wenig hat das Judeiuhum etivas mit Diebstahl zu thnn; der Handelsmann R. hat sich gegen ein Verbot der jüdischen Religion vergangen. Und doch der israeliti׳ s ch e Handelsmann, und n ich t die christl! ch c Koutro!- .dirne und der christliche Tischler! ch Hannover, 1l. August. Am gestrigen Tage wurde dem vor einem Jahre verstorbenen Lehrer I. M. Jude! נ׳ע von der Gemeinde ein einfaches, würdiges Grabdenkmal gesetzt. Die bei dieser Gelcgenheit aus dem Friedhöfe veranstaltete Feierlichkeit machte in ihrem schlichleu Ernste einen ergreifenden Eindruck. In Abwesenheit des ans einer InspektionSreise sich besiudenden LandrabbincrS Dr. Grone mann hatte der Oberlehrer der Gemeindereligionsschnle, Scmiuardirektor Dr. Prager die Rede übernommen, welche sich durch Innigkeit des Gefühls und sinnige Darstellung auSzcichncte In kräftigen Zügen ent warf der Redner ein lebendiges Bild des Dahingeschiedenen und seiner sechSzigjährigen Amtswirlsennkeit. Als er geendigt, trat der greise GcmemdcprafeS Geh. Sanitätsrath Dr. Cohen an die Grabstätte hinan und widmete in sichtlicher Bewegung dem verblichenen treuen Iugendlehrer NamcnS der Gemeinde rührende Dankesworte. Der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Mcycrhof, sprach für sich und die -anderen Brrnw.ndtcn tief ergriffen der Gemeinde den Dan! LUZ für diese ehrende Anerkcnnnng des Todtcn und der Direktion der חברה קד יד א für die Obhut, in welches sie dieses Denkmal nehmen werde, worauf bereu erster Vorsteher, Kommerzrath Molliug, erklärte, diese Obhut in Treue ausüben zu wollen, um dieses Denkmal den kommenden Geschlechtern unversehrt zu überliefern. -ii- Berlin, l 2. August. Auf dem ״Bock" fand gestern das ״Autisemücnfcst" statt, cm welchem zirka 4 000 Personen Iheilnahmcn. ES gicbt, nach meiner Anschauung, lein traurigeres Zeichen der Verrohung der Gemüthcr als dieses Fest. Sem! Leidenschaft den Kops erhitzt, wenn Haß und Neid die Wnth entflammen, wenn der Mcnsch zur Bestie herabsinkt — dann weint freilich der Genius der Menschheit, aber die Entartung hat ihren Höhcgrad nicht erreicht. Die Wnth kann sich legen, die Leidenschaft zur Ruhe gelangen, und der nüchtern gewordene Mensch kann Reue empfinden über die Orgien, die er gefeiert. Wenn aber 4000 Menschen, Familienväter und Familieumüttcr mit ihren Kindern sich versammeln zum heiteren Spiele und fröhlichen Vergnügen, um dem Hasse und Neide, dem Wahne und Borurtheile ein Freudenfest zu feiern, wenn Kinderbclnstigungen veraustaltct werden, um dem AntisemitiSmuS zu sröhnen und daS unschuldige Kinderherz mit Haß und Verachtung gegen den jüdischen Spielgenosjen zu erfüllen, wenn dem Antisemitismus zu Ehren Lieder gesungen werden, wenn sich ihm zu Ehren deutsche Jungfrauen und Jünglinge im Neigen drehen — dann bedeutet alles dieses eine so tiefe Gesnnkenheit des menschlichen Wesens, daß mich Entsetzen und Granen befällt, lind also ist hier geschehen in der Metropole deS deutschen Reichs, und keineswegs von der Hefe der Bevölkerung, sondern von dem ehrbaren Bnrgerstande!! Da n.'-eint nicht mehr der Genius der Menschheit, da ersaßt ihn ein Ekel und er wendet sich, an jeder Bessernng deS sittlichen Gefühls verzweifelnd, von solchem Treiben ab. — Auch mir versagt daS Wort. — — Die letzte Strophe deS dem Vitzlipntzli des AntisemitiSmuS geweihten FcsthhinnnS, der mit Begeisterung und Jubel gesungen wurde, lautete also: ״Drum Antisemiten auf den Buck! auf den Buck! Nun trinket vom Edlen, vorn ׳Nassen! Doch 100041 wir zum Schlüsse mit kräftigem Schluck Die Juden auch leben mal lassen: Es sollen leben die Herren von Sem! — Doch nicht in Berlin! — In Jerusalem!" Berlin,!0. August. Herr Max Liebcrmann von Sonnenbcrg leugnet in der ״Deutschen Volkszeirung" jeden Zusammenhang zwischen seiner AgitationSreise in den westlichen Provinzen und seinem Austritte ans dem MililärverlMtnissc und verspricht, daß er ״gegen den furchtbar drohenden innern Feind nach wie vor mit Daran.setznna aller seiner Kraft dm Kampf