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Jeschurun · 1884-08-14 · Heft 33 (14.8.1884) · p. 521

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 33 (14.8.1884)
Article
Maurische Romanze
Date
1884-08-14
Page
521 (sequence 1)
Language
German
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M 83. Jeschiiru». 521 Wamische Womanze. Bon Jcdidjah. Glühend brennt Marocco's Sonne — 1111b im Tamarinden- Haine 311 der lauschig-kühlen Grotte Nutzt der junge Scheik Almansor. Bor ihm sieht die schöne Sklavin, Die vor fünfzig holden Frauen Ihm am meisten lieb und werth war, Die mit schwerem Gold er kaufte. Heute blickt sie trüb und finster, Schwere Wolk' ruht auf der Stirne, Die sonst glatt und schimmernd leuchtet, - Droht gefaltet Ungewitter. Denn noch hat sie nicht getroffen -Heut' ein Blick ans seinen Augen — Ungnad', scheint's, ist heut' ihr Schicksal, Drum ist schwer erzürnt die Schöne! ״Hat Almansor keine Liebe Für Zuleika heut' im Herzen'? Ja, ich glaub', ein schön'res Mädchen Hat Dir Sinn nnd Geist bethöret." Zürnend fährt empor Almansor: ״,,Glaubt die Sklavin, daß durch Dich nur Ich gefesselt werden dürfte'? Schön're giebt es, nied're Sklavin.'׳" .,Ha! ich weiß, wer Dich gefangen — .Hat die stolze Jüdin Mirjam Dich in ihre dichten Netze Fest verstrickt, Marocco'ö Herrscher'?" ״״Tausendmal ist jene schöner, Als ihr all', verbuhlte Dirnen — Reizt mich grad ihr sträubend Wesen, Sie, die Schönste, mein zu nennen. Horch! die Sklaven bringen Mirjam, Bringen Jndah's schönste Blume Aus dem Vaterhaus geholet Her zu mir in meine Grotte."" Zähneknirschend steht Zuleika, — Und von Sklaven eingeschlossen Wird geschleppt das Jndenmüdchcn, Bleich, mit aufgelöstem Haare. Zischend, wie die gist'ge Natter, Stürzt die Sklavin sich aus Mirjam: ״Ist cs endlich Dir gelungen. Hast Almansor Du gefangen?" Stolz erhebt daö Haupt die Jüdin: ,Laß mich frei, Marocco's Herrscher, Laß zu nteinem Elternhause Mich in Frieden jetzo ziehen? ״״Nein, Du Holde, Deine Anmulh Soll der Trost mir sein für Stunden, Wo der Trübsinn mich beschleichet."" Er umfaßt die bleiche Jüdin. Schnell springt da Zuleika vorwärts, Reißt den Dolch aus dem Gewände, Zückt ihn auf die schöne Mirjatn, — Doch Almansor hemmt die Wilde. Aber kurz nur währt das Ringen -- Aus der Hand Zuleika's reißet Mirjam schnell die scharfe Waffe, Stößt sie lies in's cig'ne -Herze. Blutend sinkt sie — nnd verscheidet, — Und Almansor steht erstarret — Weist die Sklavin aus dem Haine, Die voll Schrecken sich entfernet. Judah's Tochter hat bewahret Sich und Gottes Volk vor Schande — Sie war tobt — und andern Tages Liebt der Scheik Zuleika wieder. Km׳csMdc1lzcrl 11!1b Nachrichten. Deutschland. -0־ Hannover, 12. August. Wir sind nichts weniger als erstaunt darüber, daß es auch Glaubensgenossen giebt, welche den Pfad des Rechts verlassen und dem Verbrechen verfallen, so sehr wir cs auch beklagen, daß das Ideal der Tugend noch immer nicht von Allen erreicht ist. Wir cmpsiudcu mit jeden! Brrbrccher herzliches Mitleid, mag er Jude oder Christ sein. Wir erblicken in ihn! den gesunkenen Bruder, der sich in dem Kampfe mit der Versuchung zu schwach erwies. Wir können die Macht derselben begreifen und auch verstehen, daß Menschen durch schlechte oder verfehlte Erziehung, widrige Verhältnisse, Sorge und Noth die Widerstandsfähigkeit gegen die Leidenschaft verlieren, straucheln nnd zu Falle kommen. Was uns aber ein Räthsel, ist der Zug des — wie sotten wir cs nennen'? — des Behagens, welcher die Organe der Publizistik durchzuckt, wenn sie in der Lage sind, von den! Verbrechen oder Vergehen eines jüdischen Mitmenschen Akt zu nehmen. Während cs sonst nicht üblich ist, bei den Verbrechern dessen Religionsbekenntniß zu registriren, wird es wohl niemals vergessen, mit peinlicher Genauigkeit die Kon-

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