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Jeschurun · 1884-08-07 · Heft 32 (7.8.1884) · p. 511

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 32 (7.8.1884)
Article
Ein glücklicher Wurf!
Date
1884-08-07
Page
511 (sequence 2)
Language
German
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wäre c$ am zweckmäßigsten, daß das Kegelspiel ver-! boten und gegen die Ucbcrtrctcr dieses Verbotes der j Ehercm י) ausgesprochen werde. Der Antrag fand Beisall und Unterstützung. Die! Signatur jener Zeit namentlich, und ganz besonders! in jüdischen Kreisen, war düsterer Ernst. Schon mit! dem deutschen Worte ״Spiel" mußte sich bei den asketischen, dein Außenleben abgewandten Männern, der Begriff von etwas sehr Verwerflichem, Bekämpfenswcrthcm verbinden, und nun erst das hebräische Wort ״S'chok", mit dem dieser Begriff wiedergegcbcn zu werden pflegte! — Der große Mischnalehrer Rabbi Akiba hatte ausdrücklich erklärt: Spiel und Leichtsinn verleiten den Menschen zur Unzucht?) Meßachek bekuwio, ein Wnrfelspiclcr, galt nach den mischnaitischen Bestimnnlngen^) für einen vollkommen unglaubwürdigen Menschen, der vor Gericht nicht $ur Zcngcnschaft zu ge- Lassen wurde, -- und drei Obcrjuriffen schienen, wie cs sich ans der eutspinncndcn Debatte ergab, den Ansichten Rabbi Mosche Günzburg'S zuzustimmcn. Rabbi Löb Kassowitz erklärte, er kenne das Kegelspic! gar nicht und könne daher über dieses kein Urtheil abgebcn; Rabbi Maier Fischt, ein Mann von ungewöhnlich großer Klugheit, hielt sich reservirt und schien kein so erklärter Feind deö in so schwarzen Farben geschilderten Kegelspiels. Wäre der Obcrrabbincr sofort zur Abstimmung geschritten, so hätte der vorliegende Antrag voraussichtlich die Majorität erlangt; aber Rabbi IccheSkel Landau war trotz seiner großen Frömmigkeit, seiner asketischen Lebensweise, seines glühenden Glaubenseifers doch ein außerordentlich Heller Kopf, ein klarer Denker. Er benutzte oft genug seine immense talnrudische Gelehrsamkcit und seinen weltbekannten Scharfsinn dazu, sich nach dem talmudischcn Grundsätze Kocho dehetere vdif^) in streitigen Fällen im Sinne der mildern Anschauung zu entscheiden. Er wollte auch in der vorliegenden Frage nicht sofort zn dem extremsten Mittel greifen. In einer kurzen, geistvollen Rede sprach er sich dahin aus, daß cS bei dem großen Einflüsse, dessen sich die Obcrjuristen und die Schiursager ׳') bei den Gemeindcmitglicdcrn und den Bachnrim erfreuten, genügcn würde, wenn in den.öffentlichen Vorträgen darauf aufmerksam gemacht würde, wie verderblich das in vielen Gemeinden schwer verpönte Kegelspicl wirke, und daß sich Jedermann, namentlich aber Bne Thoro") l) Bann. ־) Sprüche der Väter, Abschnitt ILI Misch na 17. •י) Sanhedrin, Abschnitt 1.LL Mischna 3. ') Unter gleichen Verhältnisien sind die Aussprüche des Erleichternden zu bevorzugen. '׳) Gelehrte, die Vorträge über Talmud und rabbinische Wissenschaft hielten. G) Bibelunb TalmudluMge. und Bachnrim, von diesem so unpassenden und unwürdigen Zeitvertreibe fern halten sollten. Würden gegen alles Vcrmnthen diese Ermahnungen fruchtlos bleiben, so könnten dann immerhin später schärfere Maßregeln ergriffen werden. Des Oberrabbiners bestrickende Persönlichkeit übte ans Jeden — ohne Unterschied des Glaubens und der Stellung —, mit dem er in Berührung kan!, einen gewaltigen Einfluß auS, und so schloß sich auch diesmal das ganze Kollegium seiner Anschüttung und seinem Anträge an. Zweites Kapitel. Zur Zeit unserer Erzählung gab es in Prag etwa achthundert sremde Bachnrim. Während Prager Junglinge, vielleicht von Wanderlust getrieben, vielleicht, um die verschiedenen Lehrmethoden kennen zu Lernen, die talmudischcn Hochschulen in Nikolsburg. Vrcßburg, Fürth, Frankfurt, Mainz, Metz uitb anderen Orten besuchten, ströuttcn wieder Bachnrim aus Mähren, Ungarn, Süd- und Norddcutschland nach Prag, welches als Stadt der Frömmigkeit und deö talmudischcn Wissens zur Zeit Reb JecheSkcl Landau'S im Zenithe seines Glanzes stand. Die fremden Bachnrim wurden von den Pragern gastfreundlich ausgenommen, die unbemittelten fanden an Wochentagen Kosttage, für den Sabbath erhielten sie von den Rabbinern, deren Vorträge sie besuchten, ״Pleiten" (Billets, Anweisung auf die Kost am Freitag Abend und SamStag), welche von den Gemeindemitgliedern willig houorirt wurden. Auch innerhalb des BachurimkreiscS herrschte große Kollegialität und gegenscitige Liebe. Freilich, die Hörer eines Lehrers und die BachurimlandSmannschaftcn: die Aschkenasim (Süddeutschen), die Böhmen, die Mährer, die Ungarn, die 'Hannoveraner, die Hamburger u. s. w. hielten ganz besonders zusanuncn, aber es gab eine große Bachnrim- Ehewrc I, welche dürftige Genossen, namentlich in KrankheitSfällen, unterstützte, und deren Vorstand und Ausschuß aus den Bachnrim der verschiedenen Schiurstnben und Landsmannschaften zusammengesetzt war. Znm letzten Sman -) nach Peßach יי) war Gerschom Altstadtl, der Sitte seiner Zeit genräß, nach seiner Vaterstadt Gerschom Fürth, genannt, nach Prag gekommen und hatte sich rasch im Kreise seiner Genossen und aller Jener, die ihn kennen lernten, beliebt gemacht. (Fortsetzung folgt.) ') Vereinigung, Verein. ') Semester. a) Dem Passahfeste.

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