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Jeschurun · 1884-08-07 · Heft 32 (7.8.1884) · p. 510

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 32 (7.8.1884)
Article
Brasilien : Rio de Janeiro [Nachricht]
Date
1884-08-07
Page
510 (sequence 2)
Language
German
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510 aus Rio von einem Vorfälle berichten, der das Gegenj thcil beweist. Der Gencral-Znspcktor der Schulen der - Hauptstadt hat kürzlich sein Amt niedergclcgt und diese Resignation öffentlich molivirt. Er hatte für eine Schule vier Lehrerinnen in Vorschlag gebracht. Von diesen wurde eine zurückgcwiescn, obgleich sie, wie der Schulinspektor in einer Bcschwcrdcschrist an den Minister hcrvorhob, ein besseres QualisikationSzeugniß produzirt hatte, als eine der drei zugelasscuen Bewerberinnen. Da der Beschwerde des Inspektors keine Beachtung! geschenkt wurde, legte dieser sein Amt nieder. Die! Angelegenheit wurde zum Gegenstand einer Interpellation! im Senat gemacht, aus welche der Premier-Minister einfach erklärte: die betreffende Lehrerin sei eine Jüdin und deshalb nicht anstellnngsfähig. Der AntisemitiSmns breitet sich, wie man aus diesem Faktum ersieht, immer mehr aus. Persien. ZZ Vor zwei Jahren haben die Vertreter der ״Anglo Jewish Association" eine Adresse an den Prinzen Zil-uS-Sultan, Sohn des regierenden Schahs, erlassen, in welcher diesem Fürsten für sein den Juden erwiesenes Wohlwollen gedankt wurde. Hierauf ist jetzt die folgende Antwort in London cingetrosfcn: ״Von Seiner kaiserlichen Hoheit dem Prinzen Zil-nS-Snltan an Sir Albert Sassoon, Baron de WormS und Herrn Joseph Sebag, den erwählten Vertretern des alten Volks t Israel. Während meines Aufenthalts in Teheran j habe ich Ihr Schreiben erhalten und bin von dessen Inhalt unterrichtet worden. Ich legte den Brief im Original dem geheiligten Anblick Seiner allcrgnädigstcn Majestät meines erhabenen Herrn und Wohlthäters — möge meine Seele ihm stets geweiht bleiben — vor. Seine Majestät war sehr erfreut durch die Art und Weise, wie Sie Ihre Dankbarkeit ausgesprochen haben. Auch ich bin Ihnen sehr verbunden für den Ausdruck Ihrer Anerkennung und Befriedigung für die Wohlfahrt und Sicherheit, deren sich die Inden unter meiner Negierung erfreuen. Ich hoffe, dag unter dem Schirm Seiner Majestät der da ist der Beschützer des Volks und der Negierung, welchen meine Seele stets geweiht bleiben ntöge, ich in der Lage bleibe, auch fernerhin in umfassendster und gerechter Weise für das Volk in seinen verschiedenen Bekenntnissen und Gemeinschäften zu sorgen und cs zu fördern, ohne irgend einen Unterschied zu machen zwischen irgend welchen Unterthanen Seiner Majestät, und so weit wie möglich Jeglichen glücklich und zufrieden zu niachcn. — Mehr ist nicht zu schreiben. Im Monate Schaban l2W. Zil us-Sultan." Gin glücklicher Wurf! Erzählung aus dem sechsten Dezennium dcS vorigen Jahrhunderts. Bon S. Kohn, Verfasser von ״Gabriel". ('\CD0r unbc'u^tc ),crchk>ru6 wird mit aller Ltrcnqe D1־rjol1jt werden. Nebeneyttiuf-rcchte rorl'clialtcn.) Erstes Kapitel. Wir führen den geehrten Leser in eine Sitzung des Prager Nabbiucr5׳rollegiums, welchem der Oberrabbiner Rabbi Jcchcskcl Landau präsidirt. ES sind alle Oberjuristeu') vcrsamntelt. Der Rosch-beS-din'-J, Rcb Maier Fisch'!, der am obersten Tischende, zur Rechten des Oberrabbiucrs sitzt, Rcb Lob Kassowitz, Rcb Salmcn Emrich, Reb Mosche Günzburg-Spira (der 1779 nach Jerusalem auSwanderte und dort sein Leben beschloß) und Rcb Jossef Liberls. Die sümmtlichcn Punkte des vorher bestimnltcn Programms waren erledigt, und der Oberrabbiner war schon im Begriffe, die Sitzung zu schließen, als Reb Mosche Güuzburg um die Erlaubuiß bat, noch eine Angelegenheit, die keinen Aufschub erleiden könne, zur Verhandlung zu bringen, und als ihm dcr Obcrrabbincr das Wort crtheilte, setzte er in einer längeren Rede auseinander, er Hütte so eben, bevor er zur Sitzung ging, aus sicherer Ouclle erfahren, cs hätte sich seitKurzcm hier in Prag ein Nebel cingcschlichen, daS schon in anderen jüdischen Gemeinden grassirc, und daß dasselbe am besten und wirkungsvollsten im Keime erstickt werden müsse. Cs handle sich nämlich um nichts Geringeres als — um das verderbliche sündhafte Kegelspiel, daS, wie Rabbi Mosche Güuzburg behauptete, auch in außcrjüdlschcu Kreisen nur von Müssiggängcrn, Schlemmern und anderen nichtsnutzigen Leuten kultivirt würde, bei welchem Geld und Zeit vergeudet würde, und welches leider hier in den Kreisen der Bachurim ׳') zu spuken beginne. Er sprach zum Schluffe seine Meinung dahin aus, daß cS die Aufgabe des Rabbinates fei, dieses Nebel okcr min haschorcschH zu sein. Rabbi Jcchcskel Landau frug nun den Berichterstattet-, ob er etwa einen bcfttmmteu Antrag zu stellen beabsichtige, worauf dieser erklärte, nach seiner Meinung ') So wurden die Mitglieder des Rabbinates von der Behörde bezeichnet, da cs in Prag auch ein Uriter-Bcs-din gab, dessen Mitglieder osfizirt! llnterjuriften hießen. Im Dolkömunde hießen diese Dajonim, während jene sprachunrichtig Appellanten genannt wurden, weil man von den Entscheidungen dcS Unterrabbinates an das Obcrrabbinat appelliren konnte, waS um so häufiger vorkam, als damals in der Prager Gemeinde Rechtsstrcitigkciten vor das Forum der geistlichen Behörde kamen. r) Wörtlich Haupt des Rabbinates, Vizepräsident desselben, während der Oberrabbiner den Titel Aw BcS-din, Vater des Rabbinates, führte. 3) Talmudjünger. 4) Mit der Wurzel auszureißen.

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