Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1884)
- Article
- Italien : Rom [Nachricht]
- Date
- 1884-08-07
- Page
- 509 (sequence 2)
- Language
- German
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509 ftromS und seiner Ufer bedingt die Niederlegnng ganzer Straßen. Die Via Finmare wird schon cingerisscn, und demnächst soll die Reihe an den ganzeil Ghetto kommen, dem Gewirr enger Gäßchcn und Gassen, in welchen jetzt nur die ärmere Bevölkerung der Inden ihren Wohnsitz hat. Aber der größere Theil der Judenschaft ist arm und auf den kleinert Handel angewiesen. Durch ein altes Breve des Papstes ist die Micthe in diesem Quartiere so außerordentlich niedrig, daß die an Luxus wahrlich nicht gewöhnten Armen für 15 bis 20 Lire hier eine allerdings sehr enge und schlechte Wohnung seil langer Zeit innchabcn. Die Dcmolirnng des ganzen Stadtviertels ist deshalb eine drohende Gefahr für die kleinen Leute. Wo sollen sie hin? Wo finden sie wieder eine so billige Behausung? Und sie sind meistcntheilS gar nicht im Stande, mehr dafür zn dezahlen. Zwischen der Präfektur und dem Munizipium schweben Verhandlungen wegen der Kosten der Entcignnng. ES sollen dieselben ans zwei Millionen stipulirt werden. — Die jüdische Gemeinde hat sich an beide Behörden wegen einer Entschädigung bezw. Unterstützung für die armen Insassen des Ghetto gewendet, die hoffentlich gewährt werden wird. Rußland. * Nislini-NowHorod, 3. Anglist. Die Voruntersuchling gegen die bei den Ausschreitungen gegen die Inden Bcthciligtcn ist beendet. Es wurden im ganzen 109 Personen zur Verantwortung gezogen, von welchen drei bereits den! Gericht überwiesen sind. HI Witebsk, 4. August. Wie man dem ״Herold" anö WitcbSk schreibt, wäre cS dort fast zu einem Indenkrawall gekommen. Ein Priester bemerkte nämlich, daß eine jüdische Frau ihren Sohn züchtigte. Er eilte auf die Straße hinaus, stürzte sich auf die Jüdin und begann sie zn mißhandeln. Glaubensgenossen eilten der Frau zn Hülfe und befreiten sie aus den Händen des Priesters. ES erwies sich, daß die Frau nur nnbedeutende Verletzungen am Gesicht und Unterleib davongetragcn hatte. Ungefähr eine halbe Stunde nach diesem Vorfall erschien auf dein Bazarplatze ein vom erwähnten Priester geführter VolkShaufei!, der nicht übel Lust zeigte, die Buden der jüdischen Metzger zn plündern. Diesem widcrsetzten sich jedoch die Inden auf das Energischste. ES entstand ein Tumult, Ruse wurden laut ״Schlagt die Inden!", und wer weiß, welches Ende die Sache genommen Hütte, wenn nicht Militär an Ort und Stelle erschienen wäre und dem Krawall cm Ende bereitet hätte. Drei der Rädelssührer wurden verhaftet, während der Priester sich aus dem Staube machte. Später herrschte in der Stadt allenthalben Rühe. Türkei. * .Houstantinopel, Ende Juli. Ein christlicher Bankier, Namens Zarifi, welcher kürzlich hier verstarb, hat den Israeliten unserer Stadt 100 000 Gulden vermacht. Wie man dem ״Univ. Jsr." berichtet, hat er stets gegen die Juden ein großes Wohlwollen gezeigt, weil er vor einigen Jahren, als er einer Räuberbande in die Hände gefallen war, von einem Israeliten befreit wurde, welcher dabei sein Leben verlor. Amerika. :i: New-^)ork, Juli. Die AuSwandcrungS-Kominissare in New-Iork handeln sehr energisch in der Znrückscndnng der nntcrhaltlosen Auswanderer, die von Europa hier ankommen. Fünfzig solcher Einwanderer ans Rumänien wurden Freitag den 25. Juli nach Bremen zurückgeschickt, von wo sic acht Tage vorher angckommen waren — Von der Rücksendung von vier mittellos dort angekontmencn Breslauer Familien wird aus New-Aork geschrieben: Der am 14. hier cingetrofsenc englische Dampfer ״Jndia" hatte mehrere aus Schlesien cingewanderte Familien an Bord, denen von einer Breslauer Hülfsgcsellschaft der UeberfahrtSpreis bezahlt worden war. Es waren dies der Schneider Gerson Sclkowitz mit Frau und 3 Kindern, der sich im Besitze von 10 Mark befand: der Schneider Samuel Noscnzweig mit Frau und 2 Kindern, der 40 Mark bei sich hatte; der Kürschner Adolf LazarnS mit Frau und 4 Kindern, gänzlich mittellos, und der Schneider Markus Holz mit Frau und 2 Kindern, der ein Vermögen von 90 Pfennigen besaß. Alle waren sie von Herrn Theodor OschinSky, dem Vorsitzenden eines Breslauer israelitischen Unterstützungsvereins auf ihr Ersuchen mit Nciscbillets bis nach New-Aork versehen worden, da sie hier besser vorwärts zu kommen hofften. Als diese Umstände bei der Aufnahme des VerzeichnisseS bekannt wurden, erhob Kommissar Stephensen Einspruch dagegen, daß diesen Leuten, obgleich sie Verwandte hier haben, die für sie sorgen wollen, gestattet werde, durch Castle Garden zu passircn, und auf seine Anordnung hin wurden sie nach Ward Island geschickt, um bei Abfahrt des Dampfers, mit dem sie hierhergekommen, wieder an Bord gebracht, um nach ihrer Heimath zurückgesandt zn werden. Ein gleiches Schicksal hatten mehrere mit dem Dampfer ״Furnessia" eingetroffene irische Familien. Brasilien. * Rio de Janeiro. Man hegte stets die Ansicht, daß in Brasilien die bürgerliche und religiöse Gleichheit im ausgedehntesten Umfange zur Wahrheit geworden sei. Der ״Jewish Messenger" läßt sich aber